Dustin Dehéz
1) Einleitung
2) Somalia nach 14 Jahren ohne Staat – Geschichte und
gegenwärtige Sicherheitslage
a) Somalia - Prototyp eines failed state
b) Die gegenwärtige Sicherheitslage in Somalia
3) Die Friedenstruppe der Intergovernmental Authority on
Development (IGAD)
4) Ungelöste Probleme und Selbstgestellte Hürden
a) Somaliland - Staat im staatlosen Land?
b) Die Nachbarstaaten Somalias - Teilhaber am Frieden?
c) Die Warlords - Die ungebremste Kriegsökonomie
5) Ausblick - Was die internationale Gemeinschaft besser machen
könnte
Von der internationalen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt kehrte am 13. Juni 2005 die somalische Übergangsregierung mit mehr als acht Monaten Verspätung aus dem kenianischen Exil nach Somalia zurück. Der Präsident der Übergangsregierung Abdullah Yusuf Ahmed, einige seiner Minister und einige Angehörige des vorläufigen Parlaments waren die ersten, die in das 90km nördlich von Mogadischu gelegene Jowhar flogen, dem vorläufigen Sitz der Übergangsregierung.[2] Bis Anfang Juli soll der Umzug der vorläufigen Regierung komplett vollzogen sein. Nach vierzehn Jahren ohne zentrale Regierung steht nun erstmals wieder eine Regierung für Somalia auf somalischem Boden. Mit dem Umzug der Übergangsregierung wird auch die Friedenstruppe der Intergovernmental Authority on Development (IGAD) nach Somalia verlegt. Diese knapp 7000 Mann starke Friedenstruppe soll der neuen Regierung solange Sicherheit bieten, bis diese ihre Amtsgeschäfte voll aufgenommen hat und selbst für Sicherheit im Land sorgen kann. Damit erreicht der Friedensprozess in Somalia eine kritische Phase.
Ziel der vorliegenden Analyse ist es, die Erfolgsaussichten der Friedensmission zu beurteilen. Im zweiten Kapitel soll mit einem kurzen Blick auf die Geschichte Somalias seit der Dekolonialisierung verdeutlicht werden, wie Somalia als Staat versagen konnte. Gleichzeitig schafft das Kapitel die Grundlage zum Verständnis der verschiedenen Interessengruppen in Somalia und der nationalstaatlichen Akteure am Horn von Afrika insgesamt. Daran anschließend soll die gegenwärtige Sicherheitslage in Somalia betrachtet werden. Vor dem Hintergrund einer solchen Bestandsaufnahme wird dann im dritten Kapitel die Friedensmission der Intergovernmental Authority on Development (IGAD) selbst Gegenstand der Betrachtung. Erkenntnisleitend ist die Frage, ob die gemachten Zusagen der Mitgliedsstaaten genügen, um die Friedensmission zu einem Erfolg machen zu können. Untersucht werden hierfür sowohl Mandat, Umfang der Truppen und die militärischen Fähigkeiten der zugesagten Truppenkontingente. Die Aufgabe der Friedensmission wird durch eine Reihe weiterer Probleme erschwert, die im Vorfeld der Rückkehr der Übergangsregierung nicht oder nur ungenügend geklärt wurden: Dazu gehören der nach wie vor ungeklärte Status der nordwestlichen Republik Somaliland. Diese hat sich bereits 1991 für autonom erklärt und seither eine relativ stabile Demokratie etabliert. Dazu gehören aber auch die verschiedenen Interessen der Nachbarländer und die Kriegsökonomie für deren Beseitigung der IGAD ein wirksames Konzept fehlt. Diese Probleme werden im vierten Kapitel eingehender untersucht. Im abschließenden fünften Kapitel soll besonders nach Möglichkeiten gefragt werden, wie die Situation in Somalia verbessert werden könnte und welche Schritte die westliche Gemeinschaft unternehmen könnte, um die IGAD in ihren Friedensbemühungen zu unterstützen.
Seit 1991 der letzte Diktator Somalias, Siad Barre, aus dem Land flüchtete, ist Somalia das Paradebeispiel eines failed state, eines Staates dessen Ordnung kollabiert ist.[3] Somalia machte Entwicklungen durch, die für viele der jungen afrikanischen Staaten geradezu typisch sind: Unabhängigkeit in den 1960er Jahren unter Beibehaltung der Kolonialgrenzen, noch während der ersten zehn Jahre der Unabhängigkeit ein Putsch, Verlust des staatlichen Gewaltmonopols und schließlich Privatisierung von Gewalt durch massiven Zufluss von kleinkalibrigen Waffen über poröse Grenzen. Dieser Ablauf von Entwicklungen kann für den Prozess des Staatszerfalls als idealtypisch angesehen werden. Der Staatszerfall in Sierra Leone und Liberia nahm einen ähnlichen Verlauf, die gegenwärtige Situation in Nigeria, mit zunehmender Auflösung des staatlichen Gewaltmonopols, kann ebenfalls als erster Schritt zum Staatsversagen interpretiert werden.[4] Die jüngere Geschichte Somalias liest sich wie eine Blaupause afrikanischer Konflikte und soll daher eingehender geschildert werden.
Nachdem Britisch Somaliland und Italiens frühere Kolonie Somalia 1960 unabhängig wurden, formten sie den neuen Staat Somalia. 1969 stürzte Siad Barre die Regierung in einem Militärputsch und verkündete kurz darauf sein Programm des wissenschaftlichen Sozialismus, was Somalia und dessen Diktator zu einem Alliierten der Sowjetunion machte. Zunächst war der Putsch in der Bevölkerung sogar populär. Aber mit zunehmenden innenpolitischen Problemen suchte der Diktator die Flucht in eine aggressive Außenpolitik und propagierte die Zusammenführung aller Somalis in einem Staat. In allen Nachbarstaaten - in Kenia, Djibouti und besonders Äthiopien - lebten damals Somalis. 1978 entschloss sich Barre Äthiopien anzugreifen, um die Provinz Ogaden Somalia einzuverleiben. Äthiopien war lange ein Alliierter der Vereinigten Staaten, aber kurz vor dem Krieg, im Jahre 1974, stürzte Mengistu Haile Mariam den äthiopischen Kaiser in Addis Abeba. Mit dem Putsch wechselte auch Äthiopien die Seiten im Kalten Krieg und war fortan ebenfalls Alliierter der Sowjetunion. Der Ogaden-Krieg war also ein Krieg unter sowjetischen Bruderstaaten und der Ausgang hing davon ab, auf welche Seite die Sowjetunion sich schlagen würde. Diese stand zu ihrem jüngeren und größeren Alliierten Äthiopien und unterstützte die Regierung Mengistu mit Militärberatern und kubanischen Truppen. Trotz somalischer Anfangserfolge und nach blutigen Auseinandersetzungen konnte Äthiopien letztlich die Oberhand gewinnen und Barre musste seinen Eroberungsfeldzug aufgeben. Enttäuscht über die Haltung der Sowjetunion machte er Somalia zum Alliierten der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig begann die Erosion seiner Macht, die er ausgleichen wollte, indem er die verschiedenen Clans gegeneinander ausspielte und sie zu diesem Zweck zum Teil auch bewaffnete. So ließ sich der Verfall des Staates kaum noch aufhalten. Als dann zeitgleich mit dem Ende des Kalten Krieges das Regime Mengistu in Äthiopien zusammenbrach, flossen mehr und mehr kleinkalibrige Waffen (small a rms) zu Spottpreisen nach Somalia. Damit war der Bürgerkrieg geradezu unausweichlich geworden. Mit den einsetzenden Gefechten verschiedener Clans und Fraktionen verschlechterte sich die humanitäre Situation derart, dass die internationale Gemeinschaft sich unter der Federführung der Vereinigten Staaten zur Intervention entschloss, ursprünglich nur, um die sichere Verteilung der Lebensmittel zu garantieren. Doch bald wurde klar, dass das allein nicht reichen würde, um die Situation einigermaßen zu verbessern und nachdem UNO-Soldaten immer wieder beschossen wurden, entschlossen sich die USA zu einer härteren Linie gegenüber den warlords: Milizionäre wurden verhaftet, Gewalt wurde weniger toleriert.[5] Zur selben Zeit führten Terroristen der Al-Ittihad Al-Islamiya, die in Kenia von Afghanistan Veteranen der al-Qaeda im Abschießen von Helikoptern trainiert worden waren, erstmals Angriffe auf die UNO-Truppen aus.[6] Nachdem im Oktober 1993 18 U.S. Soldaten im Kampf mit Truppen von warlord Mohammad Farah Aideed starben, entschlossen sich die Vereinigten Staaten sich aus dem Land zurückzuziehen. Die letzten UN-Truppen folgten diesem Entschluss 1995 und seither ist das Land dem völligen Zerfall preisgegeben.[7]
Eine besondere Hypothek für den Einsatz der IGASOM (IGAD Peace Support Mission for Somalia) ist die mehr als fragile Sicherheitslage in Somalia. Auch in den vergangenen Monaten kam es wieder zu zum Teil heftigen bewaffneten Auseinandersetzungen. Der Einsatz der Friedenstruppe muss angesichts der zahlreichen Kämpfe der letzten Monate wohl als eine peacemaking- (friedensschaffende) Mission und nicht als peacekeeping- (friedenserhaltende) Mission gewertet werden. Selbst in Städten im Süden Somalias, die zwischenzeitlich als relativ ruhig eingestuft wurden, kam es erneut zu Kampfhandlungen. So kämpften in der ersten und zweiten Juniwoche 2005 in der Stadt Beledweyne zwei Subclans - den Jeljelle und den Galjel - wegen Landstreitigkeiten.[8] Seit letztem Jahr wird auch in den ebenfalls südlich gelegenen Provinzen Mudug und Galgudud gekämpft, bei den Kämpfen sollen mehrere hundert Menschen gestorben sein.[9] Schon im Januar starben sieben Menschen bei Kämpfen in der Provinzstadt Hiindawo.[10] Baidoa, eine Stadt in relativer Nähe zu Somalias eigentlicher Hauptstadt Mogadischu, die vorübergehender Sitz der Übergangsregierung werden soll, bis die Lage in Mogadischu als sicher genug für eine Rückkehr angesehen werden kann, wurde Ende Mai 2005 ebenfalls Schauplatz heftiger Gefechte, nachdem Milizen von Ministern der Übergangsregierung versuchten, die Stadt einzunehmen. Der derzeitige Herrscher der Stadt Mohammad Ibrahim Habsade lehnt die Beherbergung der Übergangsregierung ab, obwohl er Mitglied des Übergangsparlaments ist.[11] Die neue Regierung selbst aber bestreitet jede Verwicklung in die Kämpfe.[12] Die Gefechte im Frühjahr dieses Jahres waren so heftig, dass die Europäische Union den Friedensprozess für gefährdet hielt und alle Fraktionen aufford erte an den Verhandlungstisch zurückzukehren.[13] Auch die Afrikanische Union befürchtet, dass die neuerlichen Gewaltausbrüche den bisher gemachten Fortschritt gefährden könnten.[14]
Die heftigen militärischen Auseinandersetzungen in Somalia machen eine Stationierung der Friedenstruppe auch deshalb schwierig, weil sie von vielen Somalis ohnehin abgelehnt wird. Es lassen sich grob vier Meinungsgruppen zur Stationierung der Friedenstruppe unterscheiden:
Wie schwierig es für die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Friedenstruppe der IGAD sein dürfte, in Somalia Fuß zu fassen, zeigen die Zwischenfälle aus Februar und Mai dieses Jahres. Noch während des Aufenthaltes einer Fact-Finding-Mission der Afrikanischen Union, die nach geeigneten Standorten für Einrichtungen der Friedenstruppe und der Übergangsregierung suchte, kam es in Mogadischu zu einer Bombenexplosion, die sich gegen die Delegation der Afrikanischen Union richtete.[15] Der Premierminister der Übergangsregierung Ali Mohammed Gedi besuchte Mogadischu im Mai 2005 und sprach vor einer Gruppe Menschen im Stadion, als er von einem Angreifer mit einer Handgranate attackiert wurde. Gedi überlebte unverletzt, während der Attentäter und ein Leibwächter Gedis starben. Diese beiden aufeinanderfolgenden Attacken zeigen den Widerstand, der der Übergangsregierung in Mogadischu entgegenschlägt, sowohl von warlords als auch von der Bevölkerung.[16] Seit dem 7. Juni sind 100 Mitglieder des Übergangsparlaments in Mogadischu und verhandeln dort mit Clan-Führern über die Sicherheit in der Stadt.[17] Allerdings stehen die Übergangsparlamentarier in Opposition zur Übergangsregierung, die von den Parlamentariern eine Rückkehr nach Jowhar fordert. Die Parlamentarier selbst haben zu einem großen Teil Verbindungen mit den warlords der Stadt oder sind selbst warlords, während die Übergangsregierung zumeist aus warlords zusammengesetzt ist, die aus anderen Städten stammen.[18] Die Spannungen zwischen den beiden Gruppen innerhalb der Übergangsinstitutionen sind inzwischen so stark, dass Beobachter einen bewaffneten Konflikt befürchten.[19] Ein solcher Konflikt wird in jüngster Zeit um so wahrscheinlicher, als Yusuf in der äthiopischen Stadt Ferfer mittlerweile puntländische Tru ppen sammelt und sich offensichtlich auf eine gewaltsamen Konflikt vorbereitet.[20]
Die Bemühungen der Internationalen Gemeinschaft, Frieden nach Somalia zu bringen waren mit dem Scheitern der UNO-Mission nicht beendet. Die afrikanischen Nachbarstaaten versuchten immer wieder, einen Friedensprozess in Gang zu bringen; die Übergangsregierung ist Ergebnis des mittlerweile vierzehnten Anlaufs. In der kenianischen Hauptstadt Nairobi wurde zwischen Oktober 2002 und Oktober 2004 ein Nationales-Versöhnungs-Komitee (das Somali National Reonciliation Council - SNRC) abgehalten und mit relativ hohem Erfolg abgeschlossen: das Dokument, das diese Friedensgespräche einleitete, wurde von Yusuf Ahmed und 21 weiteren Kriegsherren und Politikern unterschrieben.[21] Während des Versöhnungsprozesses wurden die vermeintlich wichtigsten Kriegsherren und Ältesten des Landes versammelt, um eine Übergangsregierung zu bilden. Um allen Interessen gerecht zu werden, wuchs das Kabinett der Übergangsregierung auf knapp 100 Mitglieder. Damit waren aber bei weitem nicht so viele Interessen berücksichtigt worden, als dass die so gebildete Übergangsregierung nach Mogadischu hätte zurückkehren können. Im Gegenteil ist die Sicherheitslage in Mogadischu so katastrophal schlecht, dass jeder Versuch der Rückkehr unausweichlich zu sofortigen Kämpfen führen würde. Daher hat sich die Afrikanische Union (AU) entschlossen der Übergangsregierung eine Friedensmission mitzuschicken, die für die notwendige Sicherheit der neuen somalischen Führung sorgen soll. Mitentscheidend für den Erfolg dieser Friedensmission wird sein, ob die gemachten Zusagen an Truppenkontingenten, deren Mandat und Ausstattung der angespannten Sicherheitslage entsprechen. Daher soll in diesem Kapitel Aufstellung und Mandat der IGASOM näher untersucht werden.
Abdullah Yusuf Ahmed, derzeitiger Präsident der Übergangsregierung forderte von der Afrikanischen Union ursprünglich eine Friedenstruppe, die mindestens zwischen 15.000 und 20.000 Mann umfassen sollte. Selbst mit einer so hohen Zahl von Soldaten würde die fragile Situation in Somalia allerdings kaum in den Griff zu bekommen sein. Schon die Vereinigten Staaten hatten mit ihren Alliierten im Rahmen der Mission Restore Hope in den frühen 1990er Jahren mit mehr als 30.000 Soldaten Probleme die Situation im Land auch nur annähernd unter Kontrolle zu bringen. Wie afrikanische Soldaten, mit ihrer meist mangelhaften Ausrüstung, schlechten Logistik und dürftigen Moral und Ausbildung einen solchen Konflikt beruhigen sollen, ist daher mehr als fraglich.[22] Ohnehin aber werden so viele Soldaten nicht entsandt werden. Gerade einmal acht Bataillone wird die Intergovernmental Authority on Development (IGAD) im Rahmen der IGASOM (IGAD Peace Support Mission for Somalia) nach Somalia verlegen, bei voller Truppenstärke also zwischen 6.000 und 7.000 Mann. Diese acht Bataillone sollen nicht nur die Sicherheit der Übergangsregierung gewährleisten, sondern auch humanitäre Hilfe leisten. Ihr Mandat ist nicht auf Mogadischu oder den vorläufigen Sitz der Übergangsregierung in Baidoa und Jowhar beschränkt, sondern umfasst das gesamte ehemalige somalische Staatsgebiet mit Ausnahme des heutigen Somalilands.

Die IGAD ist eine Regionalorganisation, die 1996 aus der IGADD (Intergovernmental Authority on Drought and Development) hervorging, die ursprünglich auf Initiative Djiboutis gegründet wurde, um die landwirtschaftliche Produktion am Horn von Afrika zu fördern. Wie viele andere Regionalorganisationen sah sich die IGAD in den 1990er Jahren aber zunehmend mit Krisen und Konflikten konfrontiert und erfuhr so eine schleichende Ausweitung ihrer Tätigkeiten. In und zwischen den Staaten der IGAD gibt es derzeit 17 low intensity conflicts, die jederzeit zu ernsthaften Krisen eskalieren könnten.[23] Aktiv involviert ist sie in den Konflikt im Sudan und den Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. Die größte Herausforderung steht der noch relativ jungen Regionalorganisation aber nun erst unmittelbar bevor. Mit der Übernahme der Planung und Durchführung der Friedensmission in Somalia im Mandat der Afrikanischen Union (AU) steht die IGAD erstmals in der Verantwortung eine Friedensmission aufzustellen. Der IGAD steht damit wohl eine einmalige Feuertaufe als Sicherheitsorganisation bevor. Truppensteller werden die direkten Nachbarn Somalias - Djibouti, Kenia und Äthiopien -, sowie die Regionalmächte Uganda und Sudan sein. Uganda und Sudan werden als erste Truppen nach Somalia entsenden. Das folgt freilich politischem Kalkül, denn es wird damit gerechnet, dass Truppen aus Uganda und Sudan auf weniger Widerstand in Somalia und insbesondere Mogadischu stoßen werden, als Truppen aus den direkten Nachbarländern Somalias. Beide Staaten werden jeweils ein Bataillon als erstes Kontingent entsenden, zeitgleich mit der Rückkehr der Übergangsregierung. Sudan und Uganda haben inzwischen bestätigt, dass die Friedenstruppe verlegt werden kann, sobald die Finanzierung gesichert ist. Als der Ministerrat der IGAD am 12. Juni 2005 zusammenkam, um die somalische Übergangsregierung vor ihrer Rückkehr zu verabschieden, stand die Finanzierung allerdings noch nicht auf festen Beinen.[24]
Die Entsendung der IGASOM ist zunächst auf neun Monate angelegt, anschließend soll eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM - African Union Mission in Somalia), den Einsatz übernehmen. Die AMISOM soll personell deutlich stärker ausgestattet werden, insgesamt 20.000 Mann werden angestrebt.[25] In dieser zweiten Phase könnte die Friedenstruppe bereits auf die Friedensbemühungen der IGASOM zurückgreifen, der Einsatz der AMISOM wäre also mit weniger Risiken behaftet. Wegen der erst kürzlich wieder aufgeflammten heftigen Kämpfe und der Opposition vieler warlords im Land gegen die Übergangsregierung und besonders gegen eine Friedenstruppe, die ihre Rückkehr begleiten könnte, muss der Einsatz als peacemaking- (friedensschaffende) Mission angesehen werden. Denn das die Friedenstruppe auch dann verlegt wird, solange der Widerstand einiger Warlords als gesichert angenommen werden kann, stellte der derzeitige Vorsitzende der IGAD, Ugandas Präsident Yoweri Museveni, klar:
"We are going to deploy with or without the support of the warlords."[26]
Doch ein eigentlich notwendiges friedensschaffendes Mandat hat die Afrikanische Union der IGASOM nicht erteilt. Das Mandat des Peace and Security Councils derAfrikanischen Union gewährt zwar das Recht zur Selbstverteidigung, nicht aber das Recht zur Durchsetzung des Gewaltmonopols der neuen Regierung; in ihren Einsatzgebieten soll sie die Sicherheitslage nur beobachten. Auf einem indirekten Weg aber soll die Friedenstruppe dennoch zur Verbesserung der Sicherheitslage beitragen können. Sie wird ausdrücklich beauftragt, die neu aufzustellenden Sicherheitskräfte des Landes zu trainieren.[27] Wie genau das funktionieren soll, ist aber mehr als unklar. In der Vergangenheit hatten die afrikanischen Armeen, die in Friedensmission eingesetzt wurden kaum genügend Ausbildung, Moral und Ausstattung, um überhaupt erstmal Sicherheit gewährleisten zu können. In Sierra Leone etwa konnte die Friedenstruppe ECOMOG der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) nur mit Hilfe der privaten Militärfirma Sandline International die Oberhand gegenüber den Rebellen wahren.[28] Die Ausbildung von Sicherheitskräften ist zudem personalintensiv und bei der nur mäßig Personalausstattung der Streitkräfte kaum zu bewerkstelligen.
Ein weiteres Problem für die Friedenstruppe resultiert aus den Konflikten innerhalb der Übergangsregierung. Denn diese ist gespalten, eine Hälfte will die Rückkehr nach Mogadischu, die andere Hälfte unter Führung Yusuf Ahmeds will in Jowhar eine Verbesserung der Sicherheitslage in Mogadischu abwarten. Beide Seiten verhandeln derzeit nicht miteinander.[29] Der Sprecher des Übergangsparlaments, Sharif Hassan Sheikh Aden, hat mit 100 Parlamentariern seine Amtsgeschäfte in Mogadischu aufgenommen. Schwierig ist dieser Konflikt deshalb, weil nicht klar ist, wo dann die Friedenstruppe stationiert werden soll. Ihrem Mandat, für die Sicherheit der Regierung zu sorgen, kann sie in Mogadischu kaum gerecht werden, besonders dann nicht wenn die Truppen zum Teil in Jowhar gebunden sind.
Angesichts der fragilen Sicherheitslage, der nur geringen Zahl zugesagter Truppen und des breit angelegten Mandats steht die Friedensmission vor einer Herausforderung, die sie kaum wird bewältigen können:
Nachdem Siad Barres Macht allmählich erodierte, versuchte er durch das Ausspielen verschiedener Clans gegeneinander, seine Macht zu sichern. Dabei ging er sogar soweit, dass er einige dieser Clans bewaffnete.[32] Die Verbreitung von kleinkalibrigen Waffen, den sogenannten small arms, und deren Austeilung an nichtstaatliche Akteure ist einer der wesentlichen Faktoren, die letztlich zum Zusammenbruch der zentralen Ordnung beigetragen haben.[33] Noch immer können solche Waffen auf einfachen Wegen nach Somalia gelangen.[34] Den Nachschub für solche Kriegsherren zu unterbinden, die die Friedenstruppe ablehnen, hätte eine der Prioritäten in der Vorbereitung der Mission und den Entscheidungen der Übergangsregierung sein müssen.
Darüber hinaus ist auch die Zusammensetzung der Übergangsregierung als solches ein Problem. Die nahezu 100 Mitglieder des Übergangskabinetts finden in vielen entscheidenden Fragen nur schwerlich einen Konsens. So bewiesen sie am 18. März dieses Jahres, wie leicht politische Fragen schon innerhalb der Übergangsregierung zu Handgreiflichkeiten eskalieren können. Damals sollte entschieden werden, ob die Übergangsregierung bei der Rückkehr sofort nach Mogadischu zieht oder nicht besser in eine sicherere Transitstadt in Somalia, um eine Verbesserung der Sicherheitslage in der Hauptstadt abzuwarten. Dabei ist es eine besondere Ironie der jüngeren Geschichte des Friedensprozesses, dass es kein Konzept gibt, mit dem die Sicherheit in der Hauptstadt wiederhergestellt werden soll.[35] Nachdem der Streit darüber zunächst in Handgreiflichkeiten und schließlich offener Prügelei ausartete, musste die kenianische Polizei die Sicherheit in der Übergangsregierung wiederherstellen.[36] Die Disziplin innerhalb der Übergangsregierung und ihrer Institutionen wiederherzustellen, dürfte aber gegenüber drei anderen zentralen Problemen geradezu ein Kinderspiel sein:
1) Noch immer ist der endgültige völkerrechtliche Status der nordwestlichen Provinz Somaliland ungeklärt und das obwohl dort eine einigermaßen funktionierende demokratische Administration etabliert werden konnte.
2) Erhebliche diplomatische Spannungen bestimmen noch immer die bilateralen Verhältnisse vieler Länder am Horn von Afrika. Der Friedensprozess könnte erneut ein Opfer verschiedener realpolitischer Interessen werden.
3) Als am schwersten zu nehmende Hürde dürfte sich die Kriegsökonomie im Land erweisen.
Um zu erklären, warum die Beseitigung dieser Gefahren im Vorfeld der Friedensmission hätte angegangen werden müssen, soll im Folgenden näher auf diese Probleme eingegangen werden.
Die grundlegende Charter, mit der die Beendigung der Kampfhandlungen in Somalia vereinbart wurde und die den Grundstein für die Versöhnungsgespräche in Nairobi im Oktober 2002 legte, fordert eine territoriale Integrität Somalias in den Grenzen von 1991.[37] Mit der Unterstützung des Friedensprozesses hat sich auch die internationale Gemeinschaft auf diese Linie festgelegt. Mit einem Erfolg des Friedensprozesses in Somalia wird damit auch ein weiterer Krieg am Horn von Afrika provoziert: Die Regierung der nordwestlichen Provinz Somaliland hat bereits klargestellt, dass sie Angriffe auf ihre territoriale Integrität nicht dulden würde und sie nötigenfalls mit militärischen Mitteln vereiteln würde.[38] Das Problem ist auch deshalb so schwerwiegend, weil weder die Übergangsregierung noch die IGAD ein wirkliches Konzept für eine endgültige Lösung des Problems haben, die IGAD strebt nur einen vage gehaltenen Dialog mit Somaliland an, obwohl auch sie sich darüber im klaren ist, dass der erfolgreiche, demokratische Prozess im Land honoriert werden müsste.[39] Ein dauerhafter Frieden am Horn kann allerdings nur erreicht werden, wenn Somalilands Unabhängigkeit völkerrechtlich anerkannt wird. Um das zu zeigen, sollen in diesem Abschnitt die Entwicklungen in Somaliland seit der Unabhängigkeitserklärung wiedergegeben werden.
Im Gegensatz zum Rest Somalias war Somaliland nicht italienische Kolonie, sondern englische Kolonie: British Somaliland. Nachdem Somaliland und Somalia unabhängig wurden, trat Somaliland dem neuen Staat Somalia bei. Gut zwanzig Jahre später, in den 1980er Jahren, verlor die Regierung in Mogadischu die Kontrolle über die Provinz. Nach dem gescheiterten Feldzug gegen Äthiopien zur Eroberung der Provinz Ogaden, war es das Somali National Movement (SNM), das für die Unabhängigkeit Somalilands und gegen die Regierung in Mogadischu kämpfte.[40] Barre versuchte die Unabhängigkeitsbewegung zu unterdrücken und befahl 1989 schließlich die Bombardierung der Provinzhauptstadt Hargeisa. Mehr als 40.000 Menschen starben durch Bomben der eigenen Luftwaffe und anschließender Angriffe durch Barres Armee. Viele der damals im Kabinett Barres Verantwortlichen fanden und finden sich heute in der Übergangsregierung.[41]

[Karte Nordsomalias: Im Westen (orange) der quasi-unabhängige Staat Somaliland, im Osten Puntland (grün), das wohl eine dominante Stellung in einem friedlichen Somalia ohne Somaliland einnehmen könnte. Die Grenzen zwischen beiden Provinzen sind noch immer Gegenstand von Streitigkeiten, beide Seiten führten über den Grenzverlauf bereits Krieg][42]
Nach der Vereinigung Somalilands mit Somalia wurde die ehemalige italienische Kolonie schnell der dominante Teil des neuen Staates; besonders die Militärdiktatur Barres konzentrierte die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Putsch 1969 auf den Süden.[43] Doch heute ist es ausgerechnet der ehemals britische Teil, der das völlige Chaos vermeiden konnte. Denn nachdem die Regierung Somalilands nach dem Zusammenbruch jeglicher Ordnung in Somalia am 18. Mai 1991 die Unabhängigkeit des Landes verkündete, baute das Land sukzessive eine eigene Administration auf. Heute verfügt Somaliland über einzigartige Fähigkeiten innerhalb Somalias: Eine funktionierende Administration, eine Verfassung und einen vergleichsweise demokratisch gewählten Präsidenten.[44] Doch diese Errungenschaften wurden von der internationalen Gemeinschaft bisher wenig honoriert.
Das Verhältnis der internationalen Gemeinschaft zu Somaliland war schon während des UNO-Einsatzes in Somalia problematisch. Um die bereits damals stattfindenden Versöhnungsgespräche zu fördern, unterstützte die UNOSOM in den frühen 1990er Jahren diejenigen Clans in Somaliland, die die Unabhängigkeit der nördlichen Provinz ablehnten. Schließlich zog Somaliland die Notbremse und wies die UNOSOM aus Somaliland aus.[45] Bis heute lehnen sowohl die Afrikanische Union, als auch die Arabische Liga eine volle Unabhängigkeit des Landes ab. Somaliland ist auch für die Europäische Union ein schwieriges Feld gemeinsamer Außenpolitik, denn die Haltung verschiedener europäischer Nationalstaaten zum Drang nach Unabhängigkeit Somalilands war und ist zum Teil sehr anachronistisch. So hat zwar Großbritannien zur Anerkennung Somalilands eine relativ offene Haltung, Italien aber lehnt eine Unabhängigkeit besonders ab, fürchtet es doch seinen Einfluss am Horn von Afrika endgültig zu verlieren.[46] Es ist sicher kein Zufall, dass Italien gerade in dieser für Somalia so entscheidenden Phase den Vorsitz des IGAD-Partnerforums übernommen hat.[47] Hoffnung auf Fortschritt kommt daher vor allem aus den USA. Denn die Vereinigten Staaten haben eine grundsätzlich offenere Politik gegenüber staatlichen Entwicklungen und zudem ein strategisches Interesse in der Region. So sind es die Vereinigten Staaten, die Somaliland einen ähnlichen Status einräumen könnten, wie ihn bereits die Palästinensische Autonomiebehörde innehat. Denn mit Zugang zum Golf von Aden spielt die Region eine geostrategisch wichtige Rolle.[48] So könnte die somaliländische Hafenstadt Berbera wieder als amerikanischer Marinestützpunkt dienen. Zumindest soll Hargeisa ein solches Angebot schon unterbreitet haben.[49]
In der Wissenschaft zeichnet sich schon länger ein Konsens ab, dass Somaliland international anerkannt werden sollte. Damit einhergehend ist bereits eine grundsätzliche Diskussion um die Anerkennung neuer Staaten in Afrika geführt worden. Denn der durchschnittliche afrikanische Staat hat fast die doppelte Größe Frankreichs, gleichzeitig sind die afrikanischen Nationalstaaten aber weniger zentralisiert und konsolidiert und meist auch geringer bevölkert. Waren die europäischen Grenzen ständigen Veränderungen ausgesetzt, sind sie in Afrika seit der Erlangung der vollen Souveränität der meisten afrikanischen Staaten unverändert geblieben.[50] Da Somaliland britische Kolonie war, ginge eine völkerrechtliche Anerkennung aber nicht mal mit einem Bruch der kolonialen Grenzziehungen einher. Aber erst ein Scheitern des derzeitigen Friedensprozesses würde den Weg zur vollen Souveränität des Landes wohl endgültig freimachen.[51]
Ein Erfolg der Friedensmission macht paradoxerweise einen Krieg zwischen Somalia und Somaliland unausweichlich. Denn für den Umgang mit Somaliland gibt es kein Konzept, obwohl ein dauerhafter Frieden nur durch eine solche Anerkennung möglich wäre. Betrachtet man den ausgeprägten Willen nach Unabhängigkeit in der Bevölkerung Somalilands, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die militärischen Kapazitäten des Landes wird klar, dass Somaliland einen solchen Krieg für sich entscheidenden könnte. Das wäre vermutlich auch das Ende der Übergangsregierung in Somalia.
Dass Somalia sich auch nach 14 Jahren noch immer in einem derart desolaten Zustand befindet, liegt auch daran, dass zentrale Akteure am Horn von Afrika ein Interesse an der dauerhaften Instabilität des Landes hatten und zum Teil noch haben. Dass die neuen Anläufe zur Wiedererrichtung eines Staatswesens in Somalia aber erstmalig einen ernstzunehmenden Charakter annehmen, ist auf sich ändernde Interessen und wechselnde Akteure zurückzuführen.[52] Eine wichtige Rolle spielen dabei die Nachbarn Somalias. Es ist ein Friedensprozess mit Interessen, sowohl von den arabischen als auch von den afrikanischen Nachbarn am Horn. Auf arabischer Seite waren es lange Ägypten, Libyen und der Jemen; auf afrikanischer Seite Eritrea, Äthiopien, Djibouti und der Sudan, die zum Teil völlig verschiedene Interessen in Somalia verfolgten und zum Teil noch verfolgen.[53] Die Somalis selbst erwarteten vor allem aus dem arabischen Raum ein starkes Engagement zur Wiederherstellung zentralstaatlicher Ordnung in Somalia, daher kam es für sie überraschend, dass es vor allem die afrikanischen Nachbarn sind, die den letzten Anlauf für eine Friedenslösung unternommen haben:
"Most Somalis believe that the solution to their problem will come from the Middle East, whereas the countries keenest to solve the Somali problem are the East African states that are members of IGAD."[54]
Die arabischen Nachbarn begrüßen und unterstützen mittlerweile den Friedensprozess.[55] Die afrikanischen Anrainer hingegen sind direkt über die IGAD in den Friedensprozess eingebunden, obwohl sie freilich nach wie vor durchaus unterschiedliche Interessen in Somalia verfolgen:
"The region is deeply divided. With the kind of conflict we are experiencing in the region, how can we create a consensus on our own?"[60]
Es lassen sich durchaus Parallelen mit der Situation im Mittleren Osten ziehen. Besonders in der deutschen Öffentlichkeit wurde sowohl von Politikern als auch von Wissenschaftlern die These vertreten, dass der israelisch-palästinensische Konflikt vor der Irak-Invasion hätte gelöst werden müssen. Am Horn von Afrika hätte der Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea beigelegt und die IGAD politisch deutlich aufgewertet werden müssen, bevor eine Friedensmission in Somalia tatsächliche Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Ein Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen Äthiopien und Eritrea um die Region Badme oder eine Zuspitzung in den Beziehungen zwischen Sudan und Äthiopien könnte die IGAD jederzeit lähmen und die Friedensmission so scheitern lassen.[67]
Obwohl zwischenzeitlich einige Staaten Afrikas als schwach bezeichnet werden können, viele Staaten nur durch äußere Intervention vor dem völligen Zerfall bewahrt werden konnten (Sierra Leone, Liberia), so ist doch kein Staat über einen so langen Zeitraum ohne jede Form der Administration gewesen wie Somalia. Selbst Afghanistan hatte unter den Taliban zwar im ständigen Kriegszustand gelebt, aber es gab immerhin eine zentrale Autorität. In Somalia gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt überhaupt keine zentralstaatliche Ordnung mehr. In diesem Zeitraum konnte sich eine mehr oder weniger stabile Kriegsökonomie herausbilden und festigen. Diese Ökonomie zu brechen, ist eine der zentralen Herausforderungen jeder Friedensmission in Somalia. Die IGAD hat für den Umgang mit der Kriegsökonomie und den warlords, die von ihr profitieren allerdings kein Konzept und auch nicht die notwendigen finanziellen Mittel. Dass einige der somalischen warlords an der Übergangsregierung beteiligt worden sind, wird nicht reichen, um Stabilität dauerhaft zu gewährleisten.
Es sind die jungen Manager, die im westlichen Verständnis fast traditionelle Unternehmen betreiben, die dem jüngsten Friedensanlauf eine Chance geben könnten. Denn es sind vor allem sie, die von einem Frieden profitieren würden. Ihre Einbindung in den Friedensprozess ist von wesentlicher Bedeutung.
Die Afrikanische Union und die IGAD gehen in den Friedenseinsatz ohne ein Konzept für die Trockenlegung dieses Gewaltmarktes. Dabei ist es keineswegs unmöglich Gewaltökonomien in Friedenseinsätzen erfolgreich zu begegnen. Den Warlords unterliegen einem besonderen Handelssystem, das Georg Elwert treffend beschrieben hat:
"Daher ergibt sich für diese Akteure ein strategisches Dreieck aus Gewalt, Handel und Zeit. Zwischen diesen Polen optimiert der Kriegsherr. Er kalkuliert das Verhältnis von Aufwand und Ertrag."[77]
Zeigt eine Friedenstruppe nur Präsenz, so wird es ihr nicht gelingen, dieses Dreieck zu durchbrechen. Eine wirkungsvolle Strategie muss versuchen, alle Eckpunkte aufzugreifen: Erstens muss das Gewaltmonopol, unter Umständen mit militärischen Mitteln, wieder hergestellt werden. Dazu gehört auch die Entwaffnung von Clans und Milizen sowie die Kontrolle über Besitz und Handel mit kleinkalibrigen Waffen. Zweitens ist die Kontrolle der Handelswege unabdingbar. Dazu gehört eine wirkungsvolle Überwachung des Grenzverkehrs ebenso wie im Falle Somalias die Kontrolle der Seewege. Drittens muss die Zivilgesellschaft wieder aufgebaut werden, damit die wiederherzustellende Autorität des Staates auch legitimiert und damit dauerhaft etabliert werden kann. Diese Aufgaben sind für den Erfolg oder Misserfolg einer Friedensmission von entscheidender Bedeutung und verlangen sowohl genügend große Truppenkontingente, als auch umfangreiche Finanzmittel. Die IGAD und die Afrikanische Union haben weder genügend Truppen um wenigstens das Gewaltmonopol durchzusetzen, noch können sie die finanziellen Ressourcen bereitstellen, die nötig sind, um die über Jahre stabilisierte Gewaltökonomie durch eine Zivilgesellschaft zu ersetzen.
Die Zusammensetzung der Übergangsregierung ist an sich bereits ein zentrales Problem. Der derzeitige Präsident der Abdullah Yusuf war während des Bürgerkriegs selbst Kommandeur einer Miliz und zwischenzeitlich sogar in Äthiopien inhaftiert.[78] Er verursachte bereits 2001 neue Kämpfe in der nördlichen Provinz Puntland, als sein dortiges Präsidentschaftsmandat ablief und er es selbst verlängerte. Erst eine Ältestenversammlung musste ihn absetzten, was kurzzeitig neue Kämpfe nach sich zog.[79] Neben ihm sind viele Mitglieder der Regierung entweder wichtige warlords, die zum Teil eine Friedenstruppe selbst ablehnen, oder ehemalige Minister des Barre Regimes, was Konflikte mit Somaliland geradezu garantiert und ihr Standing in der Bevölkerung verschlechtert. Bei all diesen und den zuvor bereits dargestellten Problemen stellt sich die Frage, was geschehen müsste, um Erfolgsbedingungen für eine Friedensmission zu schaffen.
Die Westliche Welt und insbesondere die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben ein genuines Interesse am der Wiederherstellung staatlicher Ordnung in Somalia und anderen failed states. Schwache Staaten in Afrika bieten drei Gefahren für die internationale Gemeinschaft: Sie können als Rückzugsraum für Terrororganisationen genutzt werden, bieten mit den vielen Hilfsorganisationen weiche Ziele und nicht zuletzt Möglichkeiten der Geldwäsche. Interventionen sind aus sicherheitspolitischer Perspektive durchaus geeignet, um für mehr Sicherheits zu sorgen, wie einige führende amerikanische Wissenschaftler jüngst betonten:[81]
"Weak and Failed states pose a twenty-first-century threat that must be met by streamlined, centralized, twenty-first-century operations."[82]Das bedeutet keineswegs, dass die USA eine Intervention im Stile der Afghanistan Intervention anführen müssten. Im Gegenteil wäre es durchaus denkbar, die Bemühungen der Afrikanischen Union und der IGAD zu unterstützen. Der, einer militärischen Intervention vorhergehende, Friedensprozess muss allerdings viel breiter angelegt werden. Bereits vor der Intervention in Somalia muss die Intervention für Somalia stehen: Eine wirkungsvolle Trockenlegung des Gewaltmarktes. Das verlangt besonders vom Westen, der im Gegensatz zu vielen afrikanischen Staaten über die notwendigen militärischen Kapazitäten verfügt, einen Einsatz mit militärischen Mitteln zur Grenzsicherung und Überwachung des Waffenembargos, besonders zur See. Das Ziel aber bleibt gleich: Frieden für Somalia. Es fragt sich aber, wie ausgerechnet eine Übergangsregierung aus ehemaligen warlords in der Lage sein soll, Frieden nach Somalia zu bringen.
Zur Person:
Dustin Dehéz, geboren 1978 in Bremen, ist seit 2001
Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und studierte von
2000 bis 2003 Neuere und Neueste Geschichte, Philosophie
und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der
Universität Freiburg. Anschließend ging er von
2003 bis 2004 mit einem Stipendium an das History
Department der University of Durham in
Großbritannien. Ende 2004 war er Hospitant am
Institut für Afrikakunde in Hamburg und arbeitete im
Frühjahr 2005 beim verteidigungspolitischen Sprecher
der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Christian
Schmidt. Seit Dezember 2004 ist Dustin Dehéz
Mitglied beim Düsseldorfer Institut für
Außen- und Sicherheitspolitik und seit Mitte 2005 ist
er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Direktorium Greater
Middle East des DIAS, wo er sich hauptsächlich mit dem
Horn von Afrika und failed states beschäftigt. Derzeit
lebt und arbeitet Dustin Dehéz in Frankfurt am
Main.
Kontakt: dustin_dehez@yahoo.co.uk
[1] Ich danke Cornelia Frank
für Ihre kritische und konstruktive Durchsicht
des ersten Manuskripts dieser Analyse.
[2] Welche Schwierigkeiten der Übergangsregierung bevorstehen, zeigte sich
schon kurz darauf: Wegen mangelnder Beleuchtung auf
der Landepiste wurde die Maschine, die Yusuf nach
Jowhar bringen sollte, nach Djibouti umgeleitet. Von
dort flog Yusuf zunächst nach Qatar, dann nach
Yemen statt nach Somalia. Somalia: Interim
Government starts relocation , <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506130177.html>; For
Somalia’s President, There’s
Still No Place Like Home, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506140149.html>;
Ken Ramani, Kenya Pays Sh1 Billion for Hosting
Somali Government, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506200722.html>;
(Zugriff jeweils am 29.6.2005). Alle
Internet-Dokumente liegen dem Autor in gedruckter
Form vor und können bei ihm eingesehen
warden.
[3] Die Begriffe „failed
state”, „weak state” und
„failing state“, die die
wissenschaftliche Diskussion bestimmen, sind leider
ausgesprochen unpräzise. Selbst ein falied
state wie Somalia ist nicht grundsätzlich zu
jeder Zeit an allen Orten vollkommen ohne
Administration. Die Forschung hat aber bisher keine
besser handhabbaren Begriffe geliefert. Dazu: Robert
I. Rotberg (Hrsg.), When States Fail. Causes and
Consequences, (Princeton und Oxford: Princeton
University Press, 2004).
[4] Zu Liberia: Dirk van den Boom,
Regionale Kooperation in Westafrika, (Hamburg: Institut
für Afrikakunde, 1996), hier
S. 87-91; zu Sierra Leone und Liberia: Jimmy Kandeh, Coups from Below. Armed Subalterns and State
Power in West Africa, (Houndmills und New York:
Palgrave, 2004), hier S. 97-118 und 143-178; zur
gesamten Konfliktregion Westafrika: Alhaji M S Bah, „West Africa“,
in: African Security
Review 14:2 (2005), S. 77-83; zu Nigeria: Kevin
Mazi Ani, Nigeria: The Last of Africa’s
Pseudo Federations (Unveröffentlichtes
Manuskript, 2005).
[5] Hermann J. Cohen,
Intervening in Africa. Superpower Peacemaking in
a Troubled Continent, (Houndsmills, Basingstoke:
Macmillan, 2000), S.197-217, hier besonders S. 208 -
217.
[6] Paul Watson und Sidhartha
Barua, Somalian Link Seen to Al-Qaeda, <http://www.why-war.com/news/2002/02/25/Somalian.html>
(Zugriff 21.1.2005); N.N.: „Al Qaeda bases on
the continent?“, in: African Terrorism
Bulletin 2 (2005), S. 1 und Faye Bowers, “Attacks in Kenya signal Al Qaeda’s
expanding war”, in: Christian Science
Monitor 12:2002, S. 4. Dass die Gefahr durch
terroristische Attacken in Somalia immer noch ernst
genommen werden muss, zeigten Angriffe auf
Mitarbeiter des World Food Programme (WFP) im Jahr
2002. Jakkie Cilliers, „Terrorism and
Africa“, in: African Security Review,
12:4 (2003), S. 91-103, hier S. 99.
[7] Zur Zeitgeschichte Somalias:
Dustin Dehéz, Country Study Somalia,
(Düsseldorf: Düsseldorfer Institut
für Außen- und Sicherheitspolitik., April
2005).
[8] > Swisspeace, Somalia.
Semi-Annual Risk Assessment. January to June
2005, hier S. 9.
[9] N.N., Somalia: Heavy fight
in Beledweyne, <http://somalinet.com/news/world/Somalia/552> (Zugriff:
8.6.2005).
[10] N.N., „AU entsendet
Truppen nach Somalia”, in: IAD-Dienst
21:1 (2005), S.8.
[11] N.N: For Somalia’s
President, There’s Still No Place Like Home, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506140149.html> (Zugriff:
29.6.2005).
[12] Guled Mohamed, Somalia:
Renewed Fighting in Baidoba, <http://somalinet.com/news/world/Somalia/483> (Zugriff:
8.6.2005).
[13] Rat der Europäischen
Union, Declaration by the Presidency on behalf of
the European Union on Somalia, vom 7. April
2005. Dokument 7877/05 P 035/05.
[14] African Union Document, Peace
and Security Council, 29th meeting,
PSC/PR/Comm.(XXIX), Communique of the
29th Meeting of the Peace and Security
Council.
[15] African Union Document, Peace
and Security Council, 29th meeting, PSC/PR/2(XXIX):
Report of the Chairperson of the Commission on
the Outcomes of the Fact-Finding/Reconaissance
Mission to Somalia and the IGAD Military Planning
Meetings, hier S. 12.
[16] Jackson Mwalulu, „The
Somali Conundrum”, in: Africa Today. Voice
of the Continent, 11 (Juni 2005), S. 26-27.
[17] N.N. Somalia: Interim
Government starts relocation, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506130177.html> (Zugriff:
29.6.2005).
[18] Jackson Mwalulu, „The
Somali Conundrum”, in: Africa Today. Voice
of the Continent 11 (Juni 2005), S. 26-27.
[19] UN Integrated Regional
Information Network, Somalia: Monitoring
Committee Warns of Rising Tensions, <http://allafrica.com/stories/printable/200507070280.html> (Zugriff:
09.07.2005).
[20] Angeblich versammeln sich
dort mit äthiopischer Unterstützung
zwischen 800 und 2000 Kämpfer aus Puntland.
Obwohl inzwischen General Muse Adde Präsident
Puntlands ist, scheint Yusuf weiterhin über
Steuereinnahmen und Militär zu verfügen.
Swisspeace, Somalia. Semi-Annual Risk
Assessment, January to June 2005, hier S. 3.
[21] Darunter auch Mohammed Farah
Aideed: Declaration on Cessation of Hostilities,
Structures and Principles of the Somalia National
Reconciliation Process. Somalia National
Reconciliation Process, (Eldoret, Kenya,
27th October 2002).
[22] Arno Meinken,
Militärische Kapazitäten und
Fähigkeiten afrikanischer Staaten. Ursachen und
Wirkungen militärischer Ineffektivität in
Subsahara-Afrika, (Berlin: Stiftung Wissenschaft
und Politik, 2005).
[23] Strengthening the Role
of IGAD in Regional Peace Initiatives and Post
Conflict Reconstruction>, IGAD Document
(Nairobi, Kenya: December 2003), S. 3.
[24] Nach Schätzungen der
Afrikanischen Union belaufen sich die Kosten pro
Bataillon für die ersten neun Monate der
Mission auf knapp US$ 52 Millionen: African Union
Document, Peace and Security Council, 29th meeting,
PSC/PR/2(XXIX): Report of the Chairperson of the
Commission on the Outcomes of the
Fact-Finding/Reconaissance Mission to Somalia and
the IGAD Military Planning Meetings, hier S. 24.
Das wirft die Frage auf, warum die Übergangsregierung ohne gesicherten
militärischen Schutz nach Somalia
zurückkehrt. Ganz freiwillig dürfte die
Rückkehr der Übergangsregierung wohl nicht
gewesen sein. Die kenianische Regierung wollte schon
lange die Rückkehr, denn besonders für sie
wurde die Unterbringung der Übergangsregierung
finanziell immer aufwendiger. Fünf Tage vor der
Rückkehr hatten die Hotels, die die Mitglieder
mehr als 3 Jahre beherbergten die Politiker gebeten,
ihre Zimmer zu räumen. Seit Oktober 2002 waren
zwischenzeitlich fast 4000 Delegierte in den besten
Hotels der Stadt untergebracht gewesen. Joint
Communiqué by the 25th Session of
IGAD Council of Ministers Meeting on the Somali
National Reconciliation Conference, and Sudan Peace
Conference (Nairobi, Kenya: 12th June
2005) und N.N., Somalia: Interim Government
starts relocation, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506130177.html> (Zugriff:
29.6.2005).
[25] African Union Document, Peace
and Security Council, 29th meeting, PSC/PR/2(XXIX):
Report of the Chairperson of the Commission on
the Outcomes of the Fact-Finding/Reconaissance
Mission to Somalia and the IGAD Military Planning
Meetings, hier S. 1.
[26] Integrated Regional
Information Network, >
<http://www.irinnews.org/ReportID=46113> (Zugriff: 4.6.2005).
[27] African Union Document: Peace
and Security Council, 29th meeting,
PSC/PR/Comm.(XXIX): Communique of the
29th Meeting of the Peace and Security
Council.
[28] Arno Meinken,
Militärische Kapazitäten und
Fähigkeiten afrikanischer Staaten. Ursachen und
Wirkungen militärischer Ineffektivität in
Subsahara-Afrika, (Berlin: Stiftung Wissenschaft
und Politik, 2005).
[29] N.N., For Somalia’s
President, There’s Still No Place Like
Home, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506140149.html> (Zugriff:
29.6.2005).
[30] <http://www.afrol.com/articles/15850> (Zugriff:
29.6.2005).
[31] African Union Document, Peace
and Security Council, 29th meeting, PSC/PR/2(XXIX): Report of the Chairperson of the Commission on
the Outcomes of the Fact-Finding/Reconaissance
Mission to Somalia and the IGAD Military Planning
Meetings, hier S. 24.
[32] Daniel Compagnon, “Somali
Armed Units. The Interplay of Political Entrepreneurship & Clan-Based
Factions”, in: Christopher Clapham (Hrsg.), African Guerillas (Oxford:
Oxford University Press, 1998), S. 73-90, hier S. 76.
[33] Stellvertretend für den
Stellenwert von small arms in afrikanischen
Konflikten: Lucien Mufor Atanga, Tackling Small
Arms in Africa, (Bonn: Bonn International
Conversion Centre, 2003), hier S. 5,8 und Thomas
Labalm, „Politische Ökonomie Somalias:
Zwischen traditioneller Nomadengesellschaft und
moderner Staatsklasse“, in: Stefan Brüne,
Volker Matthies (Hrsg.), Krisenregion Horn von
Afrika, (Hamburg: Institut für Afrikakunde,
1990), S. 153-186, hier S. 175f.
[34] N.N., Somalia arms embargo
still undermined, <http://www.afrol.com/articles/15035> (Zugriff:
5.7.2005).
[35] Der von der Übergangsregierung vorgestellte Mogadishu
Security and Stabilisation Plan (MSSP) ist
inzwischen Makulatur, die Streitigkeiten innerhalb
der Übergangsregierung über den
vorläufigen Regierungssitz haben die Pläne
für Mogadischu auch deshalb durchkreuzt, weil
es keinen Konsens zum Umgang mit Mogadischu und den
dort ansässigen warlords gibt. Der MSSP
hätte bis zum 10. Mai 2005 voll implementiert
sein sollen, dieser Zeitplan ist allerdings nicht
eingehalten worden. African Union Document, Peace
and Security Council, 29th meeting, PSC/PR/2(XXIX): Report of the Chairperson of the Commission on
the Outcomes of the Fact-Finding/Reconaissance
Mission to Somalia and the IGAD Military Planning
Meetings, hier S. 26.
[36] Guled Mohamed, Somalia:
Renewed Fighting in Baidoba, <http://somalinet.com/news/world/Somalia/483> (Zugriff:
8.6.2005) und Economist Intelligence Unit, Country Report Eritrea, Somalia, Djibouti,
(London: EIU, August 2004), S. 16-18.
[37] Declaration on
Cessation of Hostilities, Structures and Principles
of the Somalia National Reconciliation Process >, Somalia
National Reconciliation Process, (Eldoret, Kenya, 27th October 2002).
[38] N.N., Somaliland warns of
possible war with Somalia, <http://www.afrol.com/articles/14505>
(Zugriff: 5.7.2005); erschwerend kommt hinzu, dass
die Bevölkerung im Süden auch
Verhandlungen zwischen einer somalischen Regierung
und der Regierung Somalilands ablehnt und diese als
Verrat interpretieren würde. Matt Bryden,
Somalia and Somaliland: Envisioning a dialogue on
the question of Somali unity, in: African
Security Review, 13:2 (2004), S. 23-33, hier S.
25.
[39] Strengthening the Role
of IGAD in Regional Peace Initiatives and Post
Conflict Reconstruction>, IGAD Document
(Nairobi, Kenya: December 2003), S. 26.
[40] Zur jüngeren Geschichte
Somalilands seit der
Unabhängigkeitserklärung: Maria Brons, Somaliland.
Zwei Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung. (Hamburg:
Institut für Afrikakunde, 1994), besonders S.
4-38.
[41] Dustin Dehéz, Country Study Somalia, (Düsseldorf: Düsseldorfer
Institut für Außen- und Sicherheitspolitik, April
2005), S. 5f.
[42] Thomas Scheen: „Ein
paar Leute müssen sterben“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2.12.2004,
S. 3.
[43] Asteris Huliaras, „The
Viability of Somaliland: Internal Constraints and
Regional Geopolitics”, in: Journal of
Contemporary African Studies, 20:2 (2002), S.
157-182.
[44] Ian S. Spears, „Reflections on Somaliland and Africa’s
Territorial Order”, in: Review of African
Political Economy, 30:95 (2003), S. 89-98, hier
Seite 89-92.
[45] Daniel Compagnon, „Somali
Armed Units. The Interplay of Political Entrepreneurship & Clan-Based
Factions”, in: Christopher Clapham (Hrsg.), African Guerillas,
(Oxford: Oxford University Press, 1998), S. 73-90, hier Seite
89.
[46] Asteris Huliaras, „The
Viability of Somaliland: Internal Constraints and
Regional Geopolitics”, in: Journal of
Contemporary African Studies, 20:2 (2002), S.
157-182, hier S. 171.
[47] Strengthening the Role
of IGAD in Regional Peace Initiatives and Post
Conflict Reconstruction>, IGAD Document
(Nairobi, Kenya: December 2003), S. 3.
[48] Asteris Huliaras, „The
Viability of Somaliland: Internal Constraints and
Regional Geopolitics”, in: Journal of
Contemporary African Studies, 20:2 (2002), S.
157-182.
[49] Asteris Huliaras, „The
Viability of Somaliland: Internal Constraints and Regional
Geopolitics”, in: Journal of Contemporary
African Studies, 20:2 (2002), S. 157-182, hier
S. 172.
[50] Ian S. Spears, „Debating Secession and the Recognition of new
States in Africa”, in: African Security
Review, 13:2 (2004), S. 35-48, hier Seite 36f.
und Iqbal Jhazbhay, „Somaliland.
Africa’s best kept secret, a challenge to the
international community?”, in: African
Security Review, 12:4 (2003), S. 77-82.
[51] Matt Bryden, „Somalia
and Somaliland. Envisioning a dialogue on the
question of Somali unity”, in: African
Security Review, 13:2 (2004), S. 23-33, hier
Seite 31.
[52] Ken Menkhaus, „State
Collapse and Security Threats in Somalia”, in:
Erich Reiter (Hrsg.), Jahrbuch für
Internationale Sicherheitspolitik 2004, (Hamburg
und Berlin: Mittler, 2004), S. 917-931.
[53] Mugumo Munene, Who Will
Stop Somalia’s Warlords? <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506280993.html>,
(Zugriff: 29.6.2005)
[54] John G Yoh Nyuot, „Peace Processes and Conflict Resolution in
the Horn of Africa”, in: African Security
Review, 12:3 (2003), S. 83-93, hier Seite
91.
[55] Strengthening the Role
of IGAD in Regional Peace Initiatives and Post
Conflict Reconstruction>, IGAD Document
(Nairobi, Kenya: December 2003), S. 16.
[56] Angeblich seien noch 2001 äthiopische
Truppen auf somalischem Boden stationiert gewesen. UN Integrated
Regional
Information Network, Ethiopia-Somalia. An Uneasy
Relationsship, <http://www.coding-zone.co.uk/articles/art/030100ethsom.shtml> (Zugriff:
10.7.2005)
[57] Auswärtiges Amt, Länderinformation Äthiopien, <http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/ laender/laender_ausgabe_html?type_id =11&land_id=12#3> (Zugriff:
5.7.2005) und International Crisis Group, Counter-Terrorism in Somalia: Losing Hearts and
Minds?, (Brussels and Nairobi: Africa Report No.
95, July 2005), hier S. 2 und 11.
[58] Im Gegenzug unterstütze
der Jemen Jama Ali Jama in Puntland mit Waffen, der
gegen Yusuf agierte. Richard Cornwell, Short
Commentary on Somalia: Plus ça
Change…?, (Pretoria: Institute for
Security Studies, January 2005), hier besonders S.
1-4 und Sabrina Grosse-Kettler, External Actors
in stateless Somalia. A War Economy and its
Promoters, (Bonn: Bonn International Conversion
Center, Paper 39, 2004), hier S. 27.
[59] John G. Nyuot Yoh, „Peace Processes and Conflict Resolution in
the Horn of Africa”, in: African Security
Review, 12 (3:2003), S. 83-93, hier S. 90 und
Dustin Dehéz: Länderbericht
Djibouti (Düsseldorf: Düsseldorfer
Institut für Außen- und
Sicherheitspolitik, April 2005), S. 4f.
[60] Zitiert nach: International
Crisis Group, Biting the Somali Bullet,
(Brussels and Nairobi: Africa Report No. 79, May
2004), hier S. 10.
[61] Matt Bryden, “Somalia
and Somaliland: Envisioning a dialogue on the
question of Somali unity”, in: African
Security Review, 13:2 (2004), S. 23-33, hier S.
169.
[62] Swisspeace, Somalia.
Semi-Annual Risk Assessment, January to June
2005, hier S. 6.
[63] Eric E Otenyo, “New
Terrorism. Toward an Explanation of Cases in
Kenya”, in: African Security Review
13:3 (2004), S. 75-84, hier S. 76, 78.
[64] Wafula Wamunyinyi, Exploit
Commercial Chances in Somalia, <http://www.allafrica.com/stories/printable
/200506170424.html>, (Zugriff: 29.6.2005).
[65] Dustin Dehéz, Länderbericht
Uganda, (Düsseldorf:
Düsseldorfer Institut für Außen und
Sicherheitspolitik, Januar 2005), hier S. 4-6,8.
[66] Darüber hinaus hat der
Sudan auch andere Gruppen in Somalia
unterstützt, die islamistische oder
sezessionistische Ziele verfolgen, so etwa die
„Islamic Oromo Organisation“ und die
„Islamic Front for the Liberation of Oromiya
(IFLO)“: Eric E Otenyo, „New Terrorism.
Toward an Explanation of Cases in Kenya”, in: African Security Review 13:3 (2004), S.
75-84, hier S. 78f.
[67] So wurde Somalia bereits
Schauplatz eines Stellvertreterkrieges während
des 1998/1999er Krieges zwischen Äthiopien und
Eritrea. Dustin Dehéz: Länderstudie
Eritrea (Düsseldorf: Düsseldorfer Institut
für Außen und Sicherheitspolitik, 2005),
hier S. 4f. International Crisis Group, Biting
the Somali Bullet, (Brussels and Nairobi: Africa
Report No. 79, May 2004), hier S. 10.
[68] Zu Parallelen der
Kriegsökonomie in failed states und dem
dreißigjährigen Krieg: Herfried
Münkler, Die neuen Kriege, (Hamburg:
Rowohlt, 2001), hier S. 80.
[69] Michael T Klare, „The
Deadly Connection. Paramilitary Bands, Small Arms
Diffusion, And State Failure”, in: Robert I.
Rotberg (Hrsg.), When States Fail. Causes and
Consequences, (Princeton und Oxford: Princeton
University Press, 2004), S. 115-134.
[70] Abdi Samatar, Phil
O’Keefe, „Revisiting Somalia”, in: Review of African Political Economy, 31:101
(2004), S. 533-536, hier Seite 533f.
[71] Mugumo Munene, Who Will
Stop Somalia’s Warlords?, <http://www.allafrica.com/stories/printable/200506280993.html>,
(Zugriff: 29.6.2005).
[72] Andreas Mehler, „Mehr
Wissen, bessere Interpretation, schlüssigere
Strategie. Afrikawissenschaftliche Beiträge zur
Krisenprävention“, in: Sabine Kurtenbach,
Andreas Mehler (Hrsg.), Die Vielfalt von
Gewaltkonflikten. Analysen aus
regionalwissenschaftlicher Perspektive, (Hamburg: Deutsches Übersee-Institut,
2002), S. 23-56.
[73] Jutta Bakonyi, „Somalia
im Visier der Anti-Terror-Allianz. Hintergründe
des Staatszerfalls“, in: Blätter
für deutsche und internationale Politik, 2
(2002), S. 229-236 und Tatah Mentan, Dilemmas of
Weak States. Africa and Transnational
Terrorism in the Twenty-First Century,
(Aldershot, Burlington: Ashgate, 2004), hier S.
262f.
[74] Die al-Qaeda Operationen in
Somalia 1993 sollen direkt von al-Qaedas damaligen
Chef der militärischen Planung, Abu
Uba’idah al Banshiri koordiniert worden sein.
Ziel sei es gewesen, den amerikanischen
Streitkräften ein zweites Beirut zu bereiten.
Siehe auch Fußnote 6 und International Crisis
Group, Counter-Terrorism in Somalia: Losing
Hearts and Minds?, (Brussels and Nairobi: Africa
Report No. 95, July 2005), hier S. 7.
[75] Stefan Mair, Terrorismus
und Afrika. Zur Gefahr weiterer Anschläge in
Afrika südlich der Sahara, (Berlin:
Stiftung Wissenschaft und Politik, 2002). Al-Ittihad
wird auch mit einem Anschlag auf den ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak in
Äthiopien in Verbindung gebracht. Tatah Mentan, Dilemmas of Weak States. Africa and Transnational
Terrorism in the Twenty-First Century,
(Aldershot, Burlington: Ashgate, 2004), hier S.
263.
[76] International Crisis Group,
Counter-Terrorism in Somalia: Losing Hearts and
Minds?, (Brussels and Nairobi: Africa Report No.
95, July 2005), hier S. i und 5.
[77] Georg Elwert, „Ein
zerstörerisches Geschäft. Über
Bürgerkriege in Afrika und Chancen des
Aufbaus“, in: Katja Böhler, Jürgen
Hoeren (Hrsg.), Afrika. Mythos und Zukunft, (Bonn: Bundeszentrale
für politische Bildung,
2003), S.135-150, hier Seite 140/141.
[78] Daniel Compagnon, „Somali
Armed Units. The Interplay of Political Entrepreneurship & Clan-Based
Factions”, in: Christopher Clapham (Hrsg.), African Guerillas,
(Oxford: Oxford University Press, 1998), S. 73-90, hier S. 81.
[79] Bakonyi, Jutta: „Somalia im Visier der Anti-Terror-Allianz.
Hintergründe des Staatszerfalls“, in: Blätter für
deutsche und internationale Politik, 2 (2002), S. 229-236.
[80] Wie viele andere
Regionalorganisationen plant auch die IGAD eine
schnelle Eingreiftruppe im Umfang einer Brigade, die
EASBRIG. Alex Morrison, „Prepare and
Participate. Africa’s Contribution to
Peacekeeping“, in: African Security
Review 13:4 (2004), S. 123-126 und Nelson
Alusala, „African Standby Force. East Africa
moves on.”, in: African Security
Review, 13:2 (2004), S: 113-121, hier S.
115.
[81] Mair, Stefan: Terrorismus
und Afrika. Zur Gefahr weiterer Anschläge in
Afrika südlich der Sahara, (Berlin:
Stiftung Wissenschaft und Politik, 2002), hier Seite
4f.
[82] Stuart Eizenstaat, John
Edward Porter, Jeremy Weinstein, „ Rebuilding
Weak States”, in: Foreign Affairs 84:1
(2005), S. 134-147, hier Seite 135.
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