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Die euro-mediterrane Partnerschaft - ein aussichtsreiches Konzept zur Stabilisierung der Krisenregion Maghreb?

Andrea Maier

Einführung

Maghreb bedeutet auf Arabisch "Westen", wörtlich "Ort, wo die Sonne untergeht" und bezeichnet im Gegensatz zum Mashrek, dem "Osten", die westlichen Länder der arabisch-muslimischen Welt. Im weiteren Sinne werden, abgesehen von Algerien, Tunesien und Marokko, auch Mauretanien und Libyen mit zum Maghreb gerechnet.[1] Diese fünf Länder Nordafrikas können trotz gewisser Unterschiede als zum selben Kulturraum gehörig angesehen werden. Dafür spricht zum einen die gemeinsame Sprache. Im Westen Ägyptens lässt sich eine Grenze etablieren, die die westarabischen Dialektstrukturen deutlich von jenen der restlichen arabischen Welt abtrennt.[2] Zum anderen ist die Religion ein Aspekt, der die Maghrebländer von anderen arabischen Regionen unterscheidet: Nordwestafrika ist durch die malikitische Rechtsschule des Islams geprägt.[3]

Als Maghreb im engeren Sinne werden jedoch nur die an das Atlasgebirge angrenzenden Länder Marokko, Algerien und Tunesien bezeichnet. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich daher auf diese Region, den sog. "Kernmaghreb".

Die Zeit gegen Ende des Kalten Krieges war in den Maghrebländern, die vorher weitgehend zu den blockfreien Staaten gehört hatten, durch große politische und ökonomische Veränderungen geprägt. Aufgrund von innenpolitischem Druck strebte man eine demokratische Öffnung und wirtschaftliche Liberalisierung an. Diese Phase des Umbruchs war aber auch durch wachsende Instabilität gekennzeichnet, die Anfang der neunziger Jahre dazu führte, dass der Wunsch nach mehr Demokratie den Sicherheitsbedenken untergeordnet wurde. Bedingt durch die geographische Nähe, bekommen die Länder der EU die Auswirkungen der politischen und wirtschaftlichen Instabilität in besonderem Maße zu spüren, sei es in Form von Einwandererströmen, die über die Meerenge bei Gibraltar nach Europa kommen oder auch in Form von terroristischen Anschlägen, wie sie Frankreich Mitte der neunziger Jahre heimsuchten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Maghreb häufig als ein Pulverfass wahrgenommen wird, das eine Bedrohung für Europa darstellt.

Im Folgenden sollen nun die Probleme der nordafrikanischen Staaten veranschaulicht und im Anschluss ein Konzept zur Stabilisierung des nordafrikanischen Raumes durch eine engere Kooperation zwischen der Europäischen Union und dem Maghreb näher beleuchtet werden: das Projekt der euro-mediterranen Partnerschaft.


[1] vgl. Schliephake, Konrad, "Arabische Maghrebstaaten", in: Informationen zur politischen Bildung. Afrika II, Nr. 272/2001, S. 16
[2] vgl. Kirstenfeger, Helmut, Maghreb-Union und Golfrat. Regionale Kooperation in der arabischen Welt, Bonn, 1994, S. 18
[3]Erklärung: http://www.pm.gov.ma/fr/maroc/bref/societe/ i_pratique.html
"Le malékisme privilégie l'opinion personnelle (Ray) et le raisonnement par analogie (Qiyas). Il fait confiance à l'accord unanime des savants et accorde une large place à la coutume et aux traditions locales." Fortsetzung: Die euro-mediterrane Partnerschaft - ein aussichtsreiches Konzept zur Stabilisierung der Krisenregion Maghreb?


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

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