Nach einer Phase der Isolation in Anschluss an den Friedensvertrag mit Israel 1978/79 nimmt Ägypten seit einiger Zeit wieder seine alte Rolle als Führungsmacht in der arabischen Welt ein. Dies entspricht nicht nur seiner faktische Größe und Stärke, sondern wird u.a. durch strategische Beziehungen zu den USA einerseits und dem saudiarabischen Nachbarn andererseits bewusst unterstrichen. Gleichzeitig ist Ägypten seit Anfang der neunziger Jahre von wirtschaftlichen Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen geplagt. Während die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform des autoritären Regimes seit langem gefordert wird, hatte der Staat in den achtziger und neunziger Jahren mit einer breiten Terrorkampagne islamistischer Gruppierung zu kämpfen, auf deren Aktionen er mit schweren Repressionen reagierte. Seitdem scheint zumindest die Gefahr von Seiten islamistischer Radikaler gebannt, während im Inneren der Druck zu demokratischen Reformen wächst. Weder die Westbindung des Landes, noch der Friede mit Israel sind in der Bevölkerung populär – eine Stimmung, die sich nach dem Dritten Golfkrieg noch verstärkt hat und vor allem die junge Generation auf die Straße treibt. Gerade aber auch die unbeliebte US-Politik am Golf scheint heute ein Gefühl der Dringlichkeit zur Umsetzung der lange diskutierten Reformen zu erzeugen, das sich in einem deutlich artikulierten Willen zu breitem Konsens unter den politischen Kräften und in der Bevölkerung äußert.
Grundlagen
Analysen
Ausgewählte Literatur
von Alexander Schwertner und Stefanie Agerer
Aktuelle Literatur
erstellt von
der Bibliothek und Dokumentationsstelle der DGAP, Stand Jannuar
2003



