Home > Regionen > Naher u. Mittlerer Osten > Gesamtregion > Grundlagen > Fortsetzung: Jordanien und Isr...

Fortsetzung: Jordanien und Israel

Claudia Noack

3. Fazit

Fast ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis der Zeitpunkt für einen Friedensvertrag reif war. Hussein hatte sich dadurch für sein Land wirtschaftlichen Aufschwung erhofft; großzügige finanzielle Unterstützung hatte er vom Ausland insbesondere in Form von Friedensdividenden erwartet. Zwar erließen die Vereinigten Staaten, Großbritannien und auch Deutschland dem Haschemitschen Königreich einen großen Teil der ausstehenden Schulden, der erhoffte Boom blieb jedoch weitgehend aus. Trotz der Qualified Industrial Zone, die günstige Bedingungen für den Export in die Vereinigten Staaten schafft, sind es hauptsächlich die mühsam zu bewältigenden bürokratischen Bestimmungen, die unattraktiv auf ausländische Investoren wirken. Um zunächst euphorisch geplante Projekte mit dem Ausland, wie der geplante israelisch-jordanische „Flughafen des Friedens,“ ist es ruhig geworden. Husseins Sohn Abdallah II wird nun dafür verantwortlich sein, die wirtschaftlichen Bedingungen in seinem Land attraktiver zu gestalten, nicht nur für die ausländischen Geldgeber, sondern vor allem für sein Volk. Bei einer Arbeitslosenquote von 25-30 Prozent sowie einem Bevölkerungswachstum von etwa 3,6 Prozent erscheint dies für die Zukunft unbedingt notwendig.[41]

Den Weg zum Frieden mit Israel musste Jordanien stets unter Berücksichtigung der palästinensischen Interessen im eigenen Land bewältigen, und auch heute ist es nicht einfach, die Politik gutnachbarschaftlicher Beziehungen mit Israel fortzusetzen. In den besetzten palästinensischen Gebieten wohnen zahlreiche Freunde und Familien jordanischer Staatsbürger. Mit jedem israelischen Angriff auf Palästinenser wächst in Jordanien die Wut über seine Nachbarn von neuem. Die Unruhen in jüngster Zeit führen zu den größten Protesten seit 50 Jahren. Zehntausende Jordanier gehen auf die Straßen, um ihrem Widerstand gegenüber Israel Ausdruck zu verleihen.[42] Die jordanische Regierung gerät zunehmend unter Druck. Sie demonstriert einerseits die Verbindung zu beiden Seiten, kommt andererseits nicht umhin, die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel zu kritisieren. Sie klagt Israel an, keine Unterschiede zwischen palästinensischen Machthabern und Zivilpersonen zu machen.[43] Neun Jahre nach der Prinzipienerklärung zwischen PLO und Israel sowie acht Jahre nach Verabschiedung des jordanisch-israelischen Friedensvertrages, befindet sich Jordanien erneut zwischen Israel und Palästinensern. Es bleibt abzuwarten, inwiefern König Abdallah die mühevoll aufgebauten diplomatischen Beziehungen zu Israel aufrechterhalten und gleichzeitig als Verfechter der palästinensischen Interessen auftreten wird. Es gilt zu hoffen, dass der Friedensvertrag „nicht nur ein Stück Papier sein [wird], das von den Verantwortlichen unterzeichnet und von der Welt gepriesen wird.[...]“[44]

 

Bibliographie

Monographien

Zeitschriften

Zeitungen

Aufsätze in Sammelbänden

Offizielle Dokumente



[41] vgl. „Jordan“, in: http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/jo.html
[42] vgl. Salameh Nematt, Straßen voller Wut, in: Die Zeit 16/2002
[43] „Jordan´s Position on Current Conflict between Israel and the Palestinians“, in: http://www.jordanembassyus.org/new/me/indexme1.shtml
[44] Originaltext in: Angelika Volle und Werner Weidenfeld (Hrsg.), Frieden im Nahen Osten? Chancen, Gefahren, Perspektiven, Bonn 1997, S. 210


bookmarken bei...

Mister Wong del.icio.us Facebook Furl YiGG Yahoo MyWeb Diigo Folkd StumbleUpon Google Technorati

Sachgebiete

Lektüre

Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.

Weitere Informationen auf der Webseite der DGAP

Home | Newsletter | Suche | Impressum | Datenschutz | DGAP | RSS

Regionen

Service

Locations of visitors to this page

anzeige