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Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? - Ägyptens Kampf um Stabilität

Alexander Schwertner

Inhalt:

1. Einleitung
2. Konflikthintergründe
  2.1 Politischer Islam
  2.2 Der ägyptische Staat
3. Militanter Islamismus in Ägypten
  3.1 Takfiri
    3.1.1 Ideologie
    3.1.2 Handlungsweisen und Aktivitäten
    3.1.3 Internationale Verbindungen
  3.2 Jihadi
    3.2.1 Ideologie
    3.2.2 Handlungsweisen und Aktivitäten
    3.2.3 Internationale Verbindungen
4. Die Antwort des ägyptischen Staates
5. Stille Islamisierung
  5.1 Die Muslim-Bruderschaft (al-Ihkwan al-Muslimun)
  5.2 Die politische Dimension
  5.3 Die gesellschaftliche Dimension
  5.4 Zusammenfassung
6. Ausblick
Bibliographie

 

"The question here is really: what is the secret behind this conflict? Why does each trend try to put the other aside? The Islamic trend puts the secular trend aside because it believes that the secularists draw away from the principles of the Islamic nation, and adopt a cultural, political and social project that would increase our dependence on, and subordination to, the West. On the other hand, the secular trend puts the Islamic trend aside, believing that it depends on obscure, pompous slogans that do not compensate for the absence of a political, social project with clear objectives and procedures. The secular trend believes that the project of the Islamic trend is based on illusions of the past glory."

(Dr. Abu Zaid, 1999)[1]

1. Einleitung

Während weltweit islamistische Gruppierungen und Splittergruppen durch blutige Anschläge und Attentate auf sich aufmerksam machen, scheint sich in Ägypten die Lage nach der Gewaltwelle der 90er Jahre, die 1997 ihren Höhepunkt in der Ermordung von 58 Touristen und vier Ägyptern durch eine Splittergruppe der al-Jama´a al-Islamiyya in Luxor fand, beruhigt zu haben. Gerges fragte daraufhin 2000 in einem Artikel des Middle East Journal: „The end of the Islamist Insurgency in Egypt?“, um daraufhin festzustellen:

„Once again the Egyptian state appears to have survived another paramilitary challenge by populist protest movement“ (Gerges, 2000)

Es scheint wahr, dass die Regierung Mubarak die Lage im Land wieder weitgehend im Griff hat, nachdem zwischen 1990 und 1997 Gruppen wie al-Jama´a al-Islamiyya und al-Jihad,vor allem in den ländlichen Gebieten Oberägyptens und den armen Vorstadtvierteln Kairos, die Staatsgewalt herausforderten. Doch wie groß war die Gefahr wirklich, welche von den unterschiedlichen militanten islamistischen Gruppen ausging? Waren die Anschläge der frühen 90er nicht eher der verzweifelte Versuch einzelner Splittergruppen ohne die geringste Chance, den gut organisierten Militär- und Polizeiapparat Mubaraks zu besiegen? Auf der anderen Seite muss man auch fragen, ob das Fehlen von Bombenanschlägen und politischen Morden ein Indikator für politische Stabilität oder sogar für einen Rückzug der islamistischen Fundamentalisten darstellt. Ist nicht gerade eine „stille Islamisierung“, wie sie von der Muslim-Bruderschaft (al-Ihkwan al-Muslimun) betrieben wird, eine viel größere Gefahr für einen Staat, der als aufgesetzt empfunden wird, dem seine reine Existenzberechtigung aufgrund fehlender Legitimation in der Region abgesprochen wird und dem ein anderes, vermeintlich gewachsenes, in der Region verankertes System entgegengesetzt wird.

Der folgende Text soll daher einige grundlegende Elemente des politischen Islam in Ägypten darstellen. Dabei wird neben einer kurzen Einführung in die Wurzeln, Hintergründe und Grundlagen dieser Bewegung, einer Darstellung der unterschiedlichen Strömungen und Gruppierungen, vor allem ihre Wirkung auf den Staat und die Gesellschaft untersucht, ohne dabei regionale und internationale Netzwerke und Verbindungen zu vernachlässigen. Hierbei bildet das wechselseitige System von Ideologie und Realität sowie Staat, Gesellschaft und islamistischen Akteuren den Kern der Analyse, vor dessen Hintergrund der Kampf Ägyptens gegen islamistische Gruppen als sichtbare Folge aus der Divergenz von Weltanschauungen, Ordnungsvorstellungen und politischen Machtansprüchen stattfindet.


[1]Auszug aus einem Interview mit Dr. Nasr Hamid Abu Zaid, welches in drei Teilen in Al-Arab am 7,14 und 21.11.99 veröffentlicht wurde. Quelle: http://www.geocities.com/lrrc.geo/Zaid/zaidarabiinterview.htm

Fortsetzung: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

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