Florian Steinmeyer
Chile gilt vielen Beobachtern als das Land Lateinamerikas, das gegenwärtig das höchste Entwicklungsniveau in der Region erreicht hat und zudem die besten Zukunftsaussichten bietet.
Die politische Lage seit dem Ende der Diktatur im Vergleich zu vielen anderen Schwellen- und Entwicklungsländern relativ stabil. Das demokratische System sorgt zwar nicht immer für eine ausreichende Repräsentanz der Bevölkerung, muss aber nicht wie in anderen Staaten der Region als „defekt“ bezeichnet werden [1]. Michelle Bachelet, die im Mai 2006 zur Präsidentin gewählt wurde, hat sich bisher vor allem auf soziale Themen konzentriert und die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen zum Hauptthema ihrer Amtszeit erklärt. Nach wie vor aber bleibt Chile ein Land mit extrem verschiedenen Lebensniveaus zwischen den Einkommensschichten.
Die chilenische Volkswirtschaft gilt als die offenste in ganz Lateinamerika. Schon das Militärregime unter General Augusto Pinochet orientierte sich eher am Modell offener Märkte, als an der Abschottungspolitik durch Importsubstitution. Dies hat sich unter den demokratisch gewählten Regierungen ab 1990 nicht geändert, so dass Chile heute über ein enges Netz von internationalen Freihandels- und Assoziationsabkommen verfügt. Nicht zuletzt der dadurch entstehende Außenhandel bescherte der chilenischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von durchschnittlich sechs Prozent.
Dieser Artikel soll einen Überblick über die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chiles der letzten Jahre geben. Im ersten Teil stehen dabei sozialpolitische Maßnahmen und ihre Auswirkungen im Vordergrund. Bei der Analyse der Wirtschaftspolitik im zweiten Teil werde ich vor allem auf die Außenhandelsbeziehungen des Landes zu verschiedenen Weltregionen eingehen. Dazu zählen Lateinamerika, die USA, die Europäische Union (EU) und Ostasien. Zudem wird kurz zur Position Chiles in der Welthandelsorganisation (WTO) Stellung genommen, da diese Organisation das wichtigste internationale Forum zur multilateralen Handelsliberalisierung darstellt.
Im März 1990 wurde unter Präsident Patricio Aylwin die erste demokratisch gewählte Regierung nach der Pinochet-Diktatur eingesetzt. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Verbrechen der Militärregierung aufgearbeitet, allerdings zunächst sehr zögerlich. Erst als Pinochet 1998 auch als Oberbefehlshaber des Heeres abtreten musste, begannen die Gerichte offensiver gegen Vertreter des alten Regimes vorzugehen. Bis 2006 sind 94 Personen verurteilt worden, weitere 405 Verfahren sind noch offen [2].
Die Zeit der Diktatur hat noch heute Auswirkungen auf das politische System Chiles. Nicht nur die vergleichsweise offene Wirtschaftspolitik ist Erbe dieser Periode, sondern auch eine auf Eliten ausgelegte Bildungs- und Sozialpolitik. Beispielsweise haben Kinder aus sozial höheren Schichten aufgrund des zentralistisch aufgebauten Schulsystems eine wesentlich bessere Chance auf eine gute Ausbildung [3]. Auch werden durch traditionelle Einflussstrukturen die alten Eliten (vorwiegend aus dem Militär) bei der politischen Entscheidungsfindung bevorzugt und die Partizipation breiter Bevölkerungsschichten verhindert.
Ferner ist Chile bezüglich der Schuldfrage Pinochets gespalten. Während die Menschenrechtsverbrechen des Ex-Diktators von der Mehrheit der Bevölkerung verurteilt werden, trauern andere der Zeit der Militärregierung nach. Dieses ist vor allem kurz nach dem Tod Pinochets im April 2006 deutlich geworden [4].
Am 15. Januar 2006 wurde mit Michelle Bachelet zum ersten Mal in der Geschichte des Landes eine Frau zur Staatspräsidentin gewählt. Unter dem Militärregime wurde ihre Familie verfolgt, weshalb sie von 1974 bis 1979 im Exil in der ehemaligen DDR lebte.
Bachelet war die Kandidatin des mitte-links Parteienbündnisses „Concertación“, das schon die drei vorhergehenden Präsidenten stellte. Im Wahlkampf hatte sie auf sozialpolitische Themen, wie die Förderung gering-qualifizierter Arbeitnehmer, eine bessere Stellung von Frauen im Berufsleben und die Reform des Rentensystems gesetzt. In diesen Bereichen konnte sie während ihrer bisherigen Amtszeit auch einige Veränderungen erzielen. Zum einen wurden Mindestlöhne und -renten eingeführt, was vor allem den ärmeren Teilen der Bevölkerung zugute kommt. Zum anderen setzte die Regierung die Bereitstellung eines breiteren medizinischen Angebotes des staatlichen Gesundheitssystems durch [5].
In anderen Bereichen gibt es jedoch nach wie vor keine Verbesserungen. So ist die angekündigte Reformierung des Schulsystems bisher ausgeblieben. Diese Reform sollte auch Kindern aus armen Familien eine gute Schulbildung ermöglichen, da deren Qualität momentan stark von Beziehungen und Einkommen der Eltern abhängt. Zudem ist es der Regierung im verfassungsrechtlichen Bereich bisher nicht gelungen das Wahlsystem zu erneuern. Durch das jetzige werden die konservativen Parteien chronisch bevorzugt [6]. Aufgrund dieser Mängel konnte die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Politik nicht verringert werden. Eine breitere Akzeptanz und Partizipation ist aber dringend notwendig, um das demokratische System langfristig zu stärken.
Die aktuelle Innenpolitik Chiles ist also bezüglich ihrer Fähigkeit die sozialen Probleme des Landes zu lösen differenziert zu betrachten. Auf der einen Seite legt die Regierung den Fokus auf die Verringerung der großen Ungleichheiten zwischen den Bevölkerungsschichten. Die bisherigen Maßnahmen dazu umfassen einige wichtige sozialpolitische Bereiche und können die Situation zum Teil verbessern. Dieses betrifft vor allem Personen, die vorher nahezu ohne sozialen Schutz waren. Andererseits ist eine grundlegende Angleichung der Lebensverhältnisse nicht zu erwarten. Der Anteil von Armen an der Gesamtbevölkerung liegt in Chile immer noch bei 27 Prozent [7].
Die aktive Rolle, die Chile bei der Aushandlung von Freihandelsvereinbarungen einnimmt, lässt sich durch die favorisierte Entwicklungsstrategie erklären. Es gibt einen weitgehenden gesellschaftlichen Konsens, dass wirtschaftlicher Fortschritt am besten durch die Öffnung nach Außen erreicht werden kann [8]. Dieses führte dazu, dass Chile seit dem Ende der Diktatur ein sehr breites Netz an Handelsabkommen verschiedener Tiefe aufgebaut hat. Nach einem kurzen Überblick über die wirtschaftliche Lage, werden die wichtigsten dieser Abkommen vorgestellt.
Die wirtschaftliche Situation Chiles hat sich nach dem Ende des Militärregimes in vielerlei Hinsicht gebessert. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner (BIP per Capita) wuchs seit 1990 um mehr als das 3,5-fache an, die Arbeitslosenquote liegt momentan bei regional vergleichsweise geringen 6,8 Prozent und die Inflation betrug in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt lediglich 2,5 Prozent [9].
Obwohl die chilenische Wirtschaft von der Asienkrise (und den darauf folgenden Krisen in Argentinien und Brasilien) Ende der neunziger Jahre zunächst schwer getroffen wurde, fand schon ab 2002 eine Erholung statt. Hier zeigte sich die relative wirtschaftliche Stabilität im Vergleich zu anderen Staaten der Region [10]. Dem Land kommen dabei auch seine riesigen Kupfervorkommen zugute. In den letzten Jahren ist der Weltmarktpreis für Kupfer stark angestiegen, was Chile große Exporterlöse einbrachte.
Die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit innerhalb Lateinamerikas erweist sich oftmals als nicht einfach, da viele der übrigen Staaten eine andere Entwicklungsstrategie verfolgen. Besonders die Mitglieder des Mercosur setzen eher auf Handel mit anderen Entwicklungs- und Schwellenländern und sind nicht bereit sich gegenüber den Industriestaaten so weit zu öffnen, wie die chilenische Regierung es getan hat. Dadurch wird Chile manchmal skeptisch als „Freihandelsstreber“ gesehen, der sich nicht für die lateinamerikanische Integration interessiere. Tatsächlich würde eine vollständige Integration Chiles in das lateinamerikanische Wirtschaftssystem hohe Kosten mit sich bringen [11].
Da Chile weder Mitglied des Mercosurs, noch des Andenpaktes ist, gehört das Land (neben den Kleinstaaten Guyana und Surinam) als einziges in Südamerika keinem der wichtigen regionalen Wirtschaftsblöcke an. Es gibt lediglich Assoziationsabkommen mit den beiden Bündnissen (seit 1996, bzw. 2006), die freien Handel bestimmter Produkte erlauben, Chile jedoch nicht in die Zollunionen einbinden. Darüber hinaus bestehen mit Peru (1999), Kolumbien (1994) und Ecuador (1994) umfassendere Handelsabkommen [12]. Auch mit einigen Staaten Mittelamerikas wurden Freihandelsverträge abgeschlossen, u.a. mit Mexiko (1999).
Obwohl die Außenhandelsstrategie Chiles von denen vieler Staaten der Region abweicht, gibt es doch einen engen wirtschaftlichen Austausch. Dies lässt sich beispielsweise an den chilenischen Direktinvestitionen in den übrigen lateinamerikanischen Staaten ablesen, die in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen sind [13]. Lediglich zu Bolivien ist das Verhältnis angespannt; die dortige Regierung fordert immer noch die Rückgabe der Küstenregion um Antofagasta, die von Chile im Salpeterkrieg (1879-1884) besetzt wurde. Durch die Abtretung verlor Bolivien seinen Zugang zum Pazifik. Vor allem die Energieversorgung Chiles ist durch diesen Konflikt beeinträchtigt, da sich die bolivianische Regierung weigert Erdgas zu liefern. Als Land nahezu ohne fossile Rohstoffe, ist Chile auf Öl- und Gasimporte angewiesen [14].
Eine interessante neue Kooperation stellt die Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) dar, die 2004 gegründet wurde und alle südamerikanischen Staaten umfasst. Bisher ging allerdings wenig wirtschaftliche Initiative von diesem Bündnis aus, obwohl es sich als großer Integrationsrahmen für den regionalen Handel anbieten würde [15].
Schon unter Pinochet bestanden enge Beziehungen zwischen den USA und Chile. Dieses gilt sowohl politisch (die USA sollen an dem Militärputsch Pinochets beteiligt gewesen sein), als auch wirtschaftlich [16]. Die Chicagoer Schule hatte starken Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des Militärregimes und bis heute sind die USA der wichtigste Handelspartner Chiles [17].
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und Chile begannen im Dezember 2000. Greifbare Fortschritte gab es allerdings erst, nachdem der US-Kongress Präsident Bush Mitte 2002 eine Fast-Track Authority erteilte. Die Verhandlungen wurden dadurch konkreter und konnten schon im Juni 2003 erfolgreich abgeschlossen werden. Wichtigste Vertragsgegenstände sind die Abschaffung der Einfuhrzölle und -quoten auf sämtliche Produkte (bis spätestens 2015) und die Öffnung der Märkte für die allermeisten Dienstleistungen. Zudem wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket über die Verringerung nicht-tarifärer Hemmnisse, wie Einfuhr-, Herkunfts- und Arbeitsschutzregeln verabschiedet [18].
Aus chilenischer Perspektive ist das Abkommen durchaus positiv zu bewerten. Der Bilanzüberschuss des Handels mit den USA ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und lag im Jahr 2006 bei über vier Milliarden US-Dollar [19]. Wirtschaftlich hat das Freihandelsabkommen somit zu einer engeren Verflechtung der beiden Volkswirtschaften geführt [20].
Insgesamt gibt es umfassende Beziehungen zwischen den beiden Ländern; Chile ist aber keineswegs abhängig von den USA, da es im Außenhandel auch andere wichtige Partner hat. Einer dieser Partner ist die Europäische Union (EU), deren Beziehungen zu Chile im Folgenden beschrieben werden.
Direkte Kontakte zwischen Chile und der EU wurden bereits in den sechziger Jahren aufgenommen. Die EU eröffnete 1967 das erste einer Reihe von lateinamerikanischen Kontaktbüros in Chile. Während der Zeit des Militärregimes wurden die Beziehungen allerdings nicht weiter ausgebaut. Erst als 1990 wieder eine demokratische gewählte Regierung an die Macht kam, wurde ein Kooperationsabkommen geschlossen, durch das primär die Demokratie in Chile erhalten und gestärkt werden sollte. Im Jahr 1995 schlug die chilenische Regierung der EU vor, Verhandlungen über einen Freihandelsvertrag aufzunehmen, was zunächst jedoch abgelehnt wurde [21].
Die Verhandlungen wurden stattdessen erst im Jahr 2000 begonnen, konnten aber schon im November 2002 zum Abschluss gebracht werden. Das daraus entstandene Assoziationsabkommen umfasst eine tiefgreifende Liberalisierung des Warenverkehrs, ein Streitbeilegungsverfahren und Regelungen zum Dienstleistungshandel. Letztere wurden in dieser Form von der EU zuvor noch mit keinem anderen Handelspartner vereinbart [22].
Ähnlich wie im Falle der USA, hat Chile wirtschaftlich durch die Vereinbarungen mit der EU profitiert. Seit dem Bestehen des Abkommens erhöhten sich die Exporte Chiles in die EU um 114 Prozent und der Handelsbilanzüberschuss betrug 2006 ca. zehn Milliarden US-Dollar [23]. Eine Vertiefung der Integration wird von beiden Seiten angestrebt. So wurde im Juli 2007 das „Kooperationsprogramm 2007-2013“ unterzeichnet, das Maßnahmen vorsieht, die über die reine Handelspolitik hinausgehen. Beispielweise soll im Hochschulwesen stärker miteinander kooperiert werden [24].
Allerdings gibt es auch Rückschläge, sowohl im wirtschaftlichen, als auch im politischen Bereich. Seit Februar 2005 werden bestimmte chilenische Exportgüter in Europa wieder mit einem Zoll belegt, obwohl das Assoziationsabkommen den freien Handel dieser Waren vorsieht [25]. Zudem stockt die Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika insgesamt. Beim EU-Lateinamerika-Gipfel 2006 in Wien wurden keine umfassenden Abschlüsse erzielt, die die Integration der Regionen dauerhaft vorantreiben könnten [26].
Zusammenfassend betrachtet ist Chile das Land Lateinamerikas, das wirtschaftlich am stärksten mit der EU verbunden ist. Für die Zukunft wird es zum einen wichtig sein, dass beide Seiten die Integration unabhängig partieller Interessen vertiefen; zum anderen würde eine stärkere Zusammenarbeit zwischen der EU und Lateinamerika insgesamt die chilenische Position verbessern.
Der für Chile momentan interessanteste regionale Markt ist sicherlich Ostasien. Schon heute gehen ein Drittel der Gesamtexporte Chiles in diese Region, womit das Land die höchste Quote aller lateinamerikanischen Staaten hat [27]. Bisher sind die Verhandlungen mit China am weitesten fortgeschritten. Nachdem die beiden Staaten schon im Oktober 2005 eine Vereinbarung über bevorzugte Handelsbeziehungen verabschiedet haben, wurde im Oktober 2006 ein Freihandelsvertrag unterzeichnet. Der Abschluss dieses Abkommens ist sehr attraktiv für Chile, wenn man betrachtet, dass China schon heute der zweitgrößte bilaterale Handelspartner ist [28]. Allerdings beinhaltet der Großteil des Handelsvolumens unverarbeitete Rohstoffe, die China im Zuge seines Wirtschaftswachstums stark nachfragt. Auch mit Japan und Südkorea wurden zunächst vorläufige Beschlüsse verfasst. Im Falle Japans konnten diese im März 2007 ebenfalls in ein Freihandelsabkommen überführt werden [29].
Den strategischen Rahmen der wirtschaftlichen Bestrebungen Chiles in Asien bildet die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation (APEC). Schon seit 1994 ist das Land Teil dieses Wirtschaftsbündnisses, unter dessen 21 Mitgliedern sich unter anderem die USA, China, Russland, Japan und Australien befinden. Für die chilenische Regierung ist die APEC von Interesse, um sich den asiatischen Staaten als möglicher Investitionsstandort und Handelspartner zu präsentieren [30]. Wie schon im Falle der USA und der EU zu Beginn dieses Jahrzehnts, versucht das Land die dadurch entstehenden Kontakte durch Handelsabkommen zu festigen. An den bisherigen Fortschritten ist abzulesen, dass Chile auch hierbei sowohl gegenüber den Staaten der eigenen Region, als auch im Vergleich zu den Industrienationen eine Vorreiterrolle einnimmt.
Zum Schluss soll kurz die Rolle Chiles in der WTO beleuchtet werden. Obwohl das Land mit vielen Industriestaaten z.T. sehr weitreichende Handelsvereinbarungen abgeschlossen hat, steht es innerhalb der WTO eher auf Seiten der Entwicklungs- und Schwellenländer. Während der Verhandlungen in Cancún entschloss sich die Regierung dazu, der neu gegründeten G-20 beizutreten, der u.a. auch Brasilien, Südafrika und Indien angehören. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern, war die Haltung Chiles aber weniger konfrontativ.
Neben den Verhandlungen spielt der Streitschlichtungsmechanismus der WTO eine wichtige Rolle. Da die Gefahr besteht, dass kleine Länder trotz eindeutiger Handelsverträge übergangen werden, stellt dieser Mechanismus eine Art Rückversicherung für Chile dar [31].
Betrachtet man die chilenische Außenwirtschaft insgesamt, wird klar, dass es dem Land gelungen ist, seine Handelsbeziehungen strategisch klug zu diversifizieren. Anstatt sich wie andere Schwellenländer auf einen einzigen Handelspartner, bzw. auf eine Region zu konzentrieren, steht Chile zu etwa gleichen Teilen mit Lateinamerika, Nordamerika, Europa und Ostasien in wirtschaftlichem Kontakt. Mit einer Außenhandelsquote von über 40% besitzt Chile eine stark ex- und importorientierte Volkswirtschaft, wobei die Außenhandelsbilanz ein klares Plus von 23 Milliarden US-Dollar (im Jahr 2006) aufweist [32].
Andererseits ist die chilenische Wirtschaft durch diese Offenheit anfällig für Turbulenzen auf den Weltmärkten, was Ende der neunziger Jahre während der Asienkrise und der anschließenden Krise in Lateinamerika deutlich wurde. Zudem konzentriert sich der Export stark auf Kupfer, Lebensmittel und andere Primärgüter. Um weiterhin hohe Wachstumsraten zu erzielen, wird Chile versuchen müssen, durch zusätzliche Investitionen eine breitere Palette verarbeiteter Produkte anzubieten.
Die momentane Entwicklung Chiles ist gekennzeichnet von einer florierenden, international konkurrenzfähigen Wirtschaft einerseits und großen Reichtumsunterschieden andererseits. Die klar internationale Orientierung der Wirtschaftspolitik sollte deshalb beibehalten werden. Sie hat geholfen, ökonomische Stabilität zu erlangen.
Innenpolitisch allerdings sind Maßnahmen notwendig, die auch die armen Schichten der Bevölkerung an der guten wirtschaftlichen Verfassung des Landes teilhaben lassen. Präsidentin Bachelet hat in ihrer bisherigen Regierungszeit durch Reformen im Sozialbereich den ersten Schritt in diese Richtung getan. Um eine spürbare Verbesserung zu bewirken, müssen diese Reformen aber weitergeführt werden. Die staatliche medizinische Versorgung sollte weiter ausgebaut und gesetzlich verankert werden. Die Arbeitsmarktpolitik darf nicht primär den Führungsschichten dienen, sondern sollte allen Bürgern ein Einkommen sichern, das ihrem Arbeitseinsatz entspricht. Wichtig ist zudem, dass der Zugang zu Schulen und Universitäten für Kinder aus armen Familien vereinfacht wird. Letzteres ist schon allein deshalb notwendig, weil die Spezialisierung der Produktion auf hochwertigere Güter nicht ohne zusätzliche Fachkräfte möglich sein wird.
Chile hat momentan die Möglichkeit, sich endgültig aus dem Kreis der Entwicklungsländer zu verabschieden. Es wird vor allem von einer ausgewogenen Wirtschafts- und Sozialpolitik abhängen, ob es diese Chance ergreifen kann.
Literatur
[1] Als „defekte Demokratien“ werden
Regierungssysteme bezeichnet, die zwar eine demokratische
Grundstruktur haben, diese in der Realität aber oft
übergangen wird. Siehe auch: Schmidt, Siegmar (2001):
„Demokratien mit Adjektiven“ Die
Entwicklungschancen defekter Demokratien, in: E+Z –
Entwicklung und Zusammenarbeit, Nr. 7/8, S. 219-223
[2] Fuchs, Ruth/ Nolte, Detlef (2006):
Vergangenheitspolitik in Chile, Argentinien und Uruguay,
in: Aus Politik und Zeitgeschehen, Nr. 42, S. 18-24
[3] Mardones, Rodrigo (2006): Decentralización y
Transición en Chile, in: Revista de Ciencia
Política, Nr. 1, S. 3-24
[4] Die Zeit (2006): Unruhen nach Pinochets Tod, Ausgabe
4/2006, im Internet unter:
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abgerufen: 29.08.2007
[5] Ruderer, Stephan (2007): Vom “neuen
Politikstil” zum Krisenmanagement: Ein Jahr Bachelet,
in: GIGA Focus, Nr. 5
[6] ebd.
[7] The Economist (2007): Destitude no more, Ausgabe vom
16.08.2007, im Internet
unter:http://www.economist.com/displaystory.cfm?story_id=9645174,
abgerufen: 29.08.2007
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externen Strategie Chiles, in: Nolte, Detlef/ Calcagnotto,
Gilberto: Südamerika zwischen US-Amerikanischer
Hegemonie und brasilianischem Führungsanspruch,
Frankfurt am Main
[9] Centro de Economía Internacional (2007):
Estatísticas Internacionales, im Internet unter:
http://cei.mrecic.gov.ar/html/estadis.htm, abgerufen am
29.08.2007
[10] García Hurtado, Álvaro (2006):
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Nations University, im Internet unter:
http://www.wider.unu.edu/publications/
rps/rps2006/rp2006-13.pdf, abgerufen: 29.08.2007
[11] Um sich in der Region zu integrieren, müsste
Chile Verträge mit anderen Handelspartner
aufkündigen. Siehe auch: Lateinamerika Nachrichten
(2005): Sonderfall Chile, Ausgabe Juli/August 2005
[12] Mesquita Moreira, Mauricio/ Blyde, Juan (2006):
Chile´s Integration Strategy: Is There Room for
Improvement?, INTAL-ITD Working Paper 21, Inter-American
Development Bank
[13] Sistema Económico Latinoamericano y del Caribe
(2006): Evolución de la Integración Regional
2005-2006
[14] The Economist (2006): Pisco Sour, Ausgabe vom
24.08.2006, im Internet unter:
http://www.economist.com/world/la/
displaystory.cfm?story_id=7835902, abgerufen:
29.08.2007
[15] Artigas, Álvaro et. al. (2006): La integracion
regional y commercial en America de Sur, Estudios e
Invertigaciones Nr. 54, Notre Europe, im Internet unter:
http://www.notre-europe.eu/uploads/tx_publication/
Etud54-es-Ameriquedusud_01.pdf, abgerufen: 29.08.2007
[16] Die Rolle der USA ist auch heute noch nicht ganz klar;
CIA-Unterlagen zufolge hat es aber eine Unterstützung
gegeben. Siehe auch: Tagesschau (2003): Die Rolle der CIA
beim Putsch in Chile, im Internet unter:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2268652,00.html
[17] U.a. betont die Chicagoer Schule die Vorteile
außenwirtschaftlicher Öffnung. Siehe auch:
Barber, William J. (1995): Chile con Chicago: A Review
Essay, in: Journal of Economic Literature, Vol. 33, S.
1941-1949
[18] Cronin, Susan P. (2004): The Negotiation of the U.S.
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unter:http://www.kas.de/db_files/dokumente/
7_dokument_dok_pdf_4398_1.pdf, abgerufen: 29.08.2007
[19] DIRECON (2007): Evaluación de las Relaciones
Comerciales Chile-Estados Unidos después de tres
Años de Entrada en Vigencia del TLC, im Internet
unter:
http://www.direcon.cl/pdf/evaluacion_tlc_chile_eeuu.pdf,
abgerufen: 29.08.2007
[20] Politisch ist das Verhältnis allerdings
angespannt, da Chile die USA nicht im Irak
unterstützten. Siehe auch: Serrano, Mónica/
Kenny, Paul (2006): Iraq and World Order: A Latin American
PerspectiveThakur, in: Ramesh/ Singh Sidhu, Waheguru Pal:
The Iraq Crisis and the World Order, New York
[21] Leiva Lavalle, Patricio (2003): The Strategic
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[22] Europäische Union (2002): EU-Assoziationsabkomen
mit Chile heute in Brüssel unterzeichnet,
IP/02/1696, im Internet unter:
http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2004/september/tradoc_113813.pdf,
abgerufen: 29.08.2007
[23] Europäische Union: The EU´s relations with
Chile – Overview, im Internet unter:
http://ec.europa.eu/external_relations/chile/intro/index.htm,
abgerufen: 29.08.2007
[24] Europäische Union (2007): Assoziationsrat
EU-Chile und Unterzeichnung des Kooperationsprogramms
2007-2013, IP/07/1158, im Internet unter:
http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/115
8&format=PDF&aged=0&language=DE&guiLanguage=en,
abgerufen: 29.08.2007
[25] Wittelsbürger, Helmut (2005): EU errichtet
Handelsbarrieren für chilenische Lachsimporte -
bedauerlicher Rückfall in den Protektionismus trotz
völkerrechtlich verankertem Freihandel, Konrad
Adenauer Stiftung, im Internet unter:
http://www.kas.de/db_files/dokumente/
7_dokument_dok_pdf_6104_1.pdf, abgerufen: 29.08.2007
[26] Drekonja-Kornat, Gerhard (2006):
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EU-LAC en Viena, Austria, in: Iberoamericana, VI, 23, S.
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[27] Wilhelmy, Manfred (2005): Chile, Latin America, and
the Asia-Pacific Region, in: Revistas de Ciencia
Política, Nr. 2, S. 190-197
[28] Forbes (2006): China, Chile to start FTA talks on
service trade/investment next Jan-report, Ausgabe vom
29.11.2006, im Internet unter:
http://www.forbes.com/markets/feeds/
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[29] Bundesagentur für Außenwirtschaft (2007):
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http://www.bfai.de/ext/anlagen/PubAnlage_3562.pdf,
aufgerufen: 29.08.2007
[30] Wilhelmy, a.a.O. (Anm. 24)
[31] Maag, Isabel (2005): Chilenische Außenpolitik
seit der Redemokratisierung: Rollenverständnisse eines
Kleinstaates, Arbeitspapiere zur Lateinamerikaforschung,
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[32] Hillebrand, Ernst (2004): Chile: Auf der Suche nach
einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, FES
Analyse, Friedrich Ebert Stiftung, im Internet unter:
http://www.fes.de/lateinamerika/in_la/documents/
fesanalyse_chile.pdf, abgerufen: 29.08.2007
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