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Einführung

Alexander Reimer

von Alexander Reimer

Am Kaspischen Meer liegen fünf Staaten - Aserbaidschan, Iran, Kasachstan, die Russische Föderation und Turkmenistan. Drei von ihnen sind Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Die geografischen Besonderheiten, die ökonomischen, ethnischen und religiösen Verhältnisse in der Region veranlassen dazu, anreihende Staaten Mittelasiens - Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan sowie die Kaukasusstaaten - Armenien und Georgien in die Betrachtung miteinzubeziehen. So meinen wir also Zentralasien, wenn wir über die Kaspische Region sprechen. Die strategische Bedeutung der Region ist einerseits in den Rohstoffreserven einiger Länder begründet, andererseits in ihrer Rolle als Brücken-Region zwischen Europa und Asien.

Die Interessen der verschiedenen Akteure laufen bei den reichen Öl- und Gasvorkommen zusammen, die sich auf dem Schelf des Kaspischen Meeres befinden bzw. dort vermutet werden. Im Ergebnis ist heute weder der rechtliche Status des Kaspischen Meeres und damit die Zugehörigkeit der Lagerstätten geklärt, noch herrscht Einigkeit über die Marschrouten der wichtigsten Exportpipelines.

Nach verschiedenen Expertenschätzungen befinden sich in der Region 2 bis 7 Prozent der Weltrohölreserven und 6 Prozent der weltweiten Gasressourcen. Damit könnte die Kaspische Region hinter dem Nahen Osten den zweiten Platz einnehmen. Da die Region über keinen natürlichen Zugang zum offenen Meer und damit zu den Abnehmermärkten verfügt, kommt der Auswahl des optimalen Exportweges zu den Verbrauchern, insbesondere nach Europa, eine enrome Bedeutung zu. Zwischen den Staaten der Region, aber auch anderen politischen Kräften um die unmittelbare oder mittelbare territoriale Kontrolle der Exportwege herrschen große Interessenskonflikte. Die Frage, welche der verschiedenen geplanten Pipelines zur Hauptexportleitung wird, ist noch offen. Im wesentlichen konkurrieren die "nördliche" Marschroute über das Territorium der Russischen Föderation zum Schwarzmeerhafen Noworossijsk sowie die "südliche" Variante von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Weitere Projekte sehen Pipelines durch den Iran, nach China und über Afghanistan nach Pakistan vor.

Eine Reihe ethnischer Konflikte erschwert die ohnehin schon komplizierte Lage in der Region. Der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um Nagornij-Karabach ist nach wie vor ungelöst. Eine ähnliche Situation herrscht in den zu Georgien gehörenden Gebieten Abchasien und Südossetien. In Tschetschenien tobt ein Partisanenkrieg und islamistische Strömungen drohen aus Afghanistan auf die zentralasiatischen Länder überzuschwappen. Nicht zuletzt sind die militärischen Auseinandersetzungen der Türkei mit den Kurden zu erwähnen. Diese "heißen" und "kalten" Konflikte werden von den verschiedenen (geo)politischen Akteuren für ihre eigenen Interessen ausgenutzt. Einige Staaten verfügen dabei über erhebliches Destabilisierungspotential.

Das Hauptproblem, vor dem die Regierungen der zentralasiatischen- und kaspischen Staaten stehen, ist die Erhaltung der Stabilität in der Region, die Lösung der schwelenden Konflikte und die Eindämmung des islamistischen Fundamentalismus. Hinzu kommt die teilweise katastrophale Wirtschaftsentwicklung und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten sowie die exzessive Drogenproduktion, unter der auch immer stärker Europa leidet.

Die europäischen Interessen in dieser Region zielen daher auf die Gewährleistung politischer und wirtschaftlicher Stabilität sowie auf zukünftige Energielieferung aus der Region (die Ölvorräte in der Nordsee werden nach Expertenschätzungen in 10-14 Jahren zur Neige gehen; hinzu kommt die steigende Instabilität in der Golfregion).


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Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

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