Marcus Pein
Seit dem sich am 24.08.1991 die Ukraine für unabhängig erklärte, bildet sie den territorial größten Staat Europas. Das Staatsgebiet der Ukraine umfaßt 603.700 qkm. Auf ihm leben ca. 50.5 Millionen Einwohner ( Angaben unterscheiden sich von Quelle zu Quelle ), was einer Bevölkerungsdichte von 85 Einwohnern/qkm entspricht. Die Ukraine grenzt an die Staaten Russland, Moldau, Rumänien, Ungarn, Slowakei, Polen und Weissrussland, sowie an das Schwarze und das Asowsche Meer. In Kiew, der Hauptstadt der Ukraine leben ca. 2,7 Millionen Menschen. Als eines der ersten Gründungsmitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ( GUS ) beschreitet die Ukraine seither einen beschwerlichen Weg der Transformation, dessen langfristiges Ziel die Integration in die Gemeinschaft der westeuropäischen Staaten sein soll.Die Verfassung von 1996 bestimmt die Ukraine als Präsidialdemokratie mit Gewaltenteilung, zudem enthält sie einen umfassenden Menschenrechtskatalog.
Der offizielle Name ist Ukraine. Staats- und Amtssprache ist Ukrainisch, jedoch wird in einigen Teilen des Landes, wie z.B. im Süden und Osten, auch russisch gesprochen. Der Präsident der Republik, der gleichzeitig das Staatsoberhaupt des Landes verkörpert, wird alle 4 Jahre in freien Wahlen bestimmt. ( derzeit Leonid Kutschma ) Er ernennt den Regierungschef ( derzeit Ministerpräsident Anatolij Kinach ), welcher vom Parlament bestätigt werden muss. Das Parlament heißt "Werchowna Rada" ( was soviel bedeutet wie "Oberster Rat" ), sie hat 450 Sitze und wird für eine Legislaturperiode von 4 Jahren gewählt ( nächste Wahl 2002 ). Als Staatsfeiertag wird der Tag der Unabhängigkeit der Ukraine gefeiert, der 24. August 1991.
Die Ukraine ist in 24 Verwaltungsbezirke aufgeteilt ( Oblaste ), zudem die Autonome Republik Krim, sowie die beiden republikunmittelbaren Städte Kiew und Sewastopol.
Die Ukraine ist Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen wie z.B. seit 1945 der VN ( Gründungsmitglied ), seit 1954 der UNESCO, seit 1992 der OSZE und der GUS und seit 1995 der IMF und der Weltbank.
Die Bevölkerung ist ethnisch gemischt, mit etwa 73% Ukrainern, 22% Russen, 0,9% Weissrussen und schätzungsweise 100 verschiedenen anderen Volksgruppen unter denen sich auch etwa 40000 Deutsche finden. 68% der 50,5 Millionen Einwohner leben in Städten und etwa 32 % leben auf dem Lande. Bedingt durch die hohe Anzahl verschiedener Volksgruppen, wird eine Vielzahl von Konfessionen und Religionen gepflegt und ausgeübt, so z.B. die russisch- orthodoxe Kirche, die ukrainisch-orthodoxe Kirche, die griechisch-katholische Kirche, die evangelische Kirche, sowie die katholische Kirche und der jüdische Glaube. Dabei nehmen die orthodoxen Christen den größten Teil ein. Da die ukrainisch - orthodoxe Kirche zu Sowjetzeiten der russisch - orthodoxen Kirche angehörte, trug sie bis 1991 den Namen ukrainisch - orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats und untersteht damit dem Metropolit Wolodymyr. Nach der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1991 wollte der ukrainische Klerus nicht mehr der moskauer Führung unterstehen und spaltete sich ab. Seitdem nennt sie sich ukrainisch - orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats, welches vom Metropolit Filaret geführt wird.
Die soziale und die wirtschaftliche Lage der ukrainischen Bevölkerung ist sehr schwierig. Seit einigen Jahren ist das Bevölkerungswachstum der Ukraine rückläufig. Eine oft zu hörende Begründung ist die Abwanderung junger Menschen aus der Ukraine in die westeuropäischen Staaten, hinzu kommt eine ständig sinkende Geburtenrate und eine im Verhältnis dazu steigende Sterberate, welche unter anderem auf eine schlechte gesundheitliche Versorgung zurückzuführen ist. Eines der größten Probleme der Ukraine stellt AIDS dar. Nach einer Studie der demographischen Abteilung der ukrainischen Akademie der Wissenschaften wird die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2016 von jetzt 50,5 Millionen Menschen auf 45 Millionen Menschen fallen. Als Gründe hierfür werden ebenfalls die genannte Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen und die extrem gesunkene Geburtenrate angeführt. Dies ist jedoch nicht alles, man rechnet mit Opfern der Immunschwächekrankheit AIDS in einer Größenordnung von 900000 bis 1.9 Millionen Menschen. Die WHO hat die Ukraine als AIDS - Epizentrum in Europa bezeichnet. Die Zahl der Neuinfektionen steigt ständig. Das Problem wurde von der Regierung erkannt und am 1. November 2000 unterzeichnete Präsident Kutschma ein Dekret über die Einsetzung einer Regierungskommission, welche Lösungsmöglichkeiten ausarbeiten soll, um der Lage Herr zu werden. Männer werden im Durchschnitt 62 Jahre alt und Frauen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 72 Jahren.
Weitestgehend gelingt es der ukrainischen Politik durch eine umsichtige Minderheitenpolitik Spannungen zu verhindern, doch gerade der russische Teil der Bevölkerung äußert hin und wieder seinen Mißmut über die zunehmende "Entrussifizierung" in Schulen, Universitäten und öffentlichen Einrichtungen.
Historisch ist die Ukraine ein agrarisch geprägtes Land, selbst noch beim "Arbeitsteiligen Prozess" der Warschauer Pakt Staaten kam der Ukraine die Rolle "der Kornkammer" Russlands zu. Dies ist nicht unwesentlich damit verbunden, dass das Land rund 30% des weltweiten Vorkommens an sehr fruchtbaren Schwarzerde - Böden besitzt.
Im Militärtechnologiesektor stellte die Ukraine zu Zeiten des "Kalten Krieges" rund 40% des gesamten Rüstungsoutputs der Sowjetunion her. Der hohe Anteil an Schwerindustrie ( Stahlindustrie, Lokomotivbau, Maschinenbau ) ist wohl eine unmittelbare Folge dieser Entwicklung. Leichtindustrie ist nur unwesentlich ausgebildet.
Doch die heutige Situation ist ungleich schwieriger.
Die Ukraine verfügt über sehr reiche Rohstoffvorkommen ( Eisenerz, Blei, Kohle, Uran ), kann diese fördern und ist auch in der Lage einen Teil davon zu exportieren, um somit Devisen zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite ist sie auf Rohstofflieferungen ( Erdgas und Erdöl aus der Russischen Föderation ) angewiesen. In jüngster Zeit war die Ukraine nicht mehr in der Lage ihren Bedarf an Energieträgern wie beispielsweise Erdöl und Erdgas, vollständig zu finanzieren, weshalb sie in eine finanzielle Abhängigkeit zu Russland geriet.
Insbesondere die seit Mitte 1992 stetige Verteuerung der Energieträger erwies sich für die Ukraine als großes Problem. Die Folge war ein extremer Einbruch der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ( Höhepunkt 1994: BIP sinkt um 23% ) der zudem von einer sich ständig beschleunigenden Inflation begleitet war. ( 1993 lag die monatliche Inflationsrate bei 100% )
Mit der Wahl Leonid Kutschmas erhielt das Land eine neue Chance aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herauszufinden. Schritte auf diesem Weg waren unter anderem; die Freigabe des Preises, die Wiederaufnahme der Privatisierung, die Liberalisierung des Außenhandels und die Einführung der neuen Währung . ( Hrywnja; Wechselkurs 1 DM = 2,34 UAH ; 1 US$ = 5,37 UAH ) Doch schon 1998 wurde diesem "Projekt" ein jähes Ende gesetzt, denn infolge der Russlandkrise des Jahres 1998 wurde auch die Ukraine in diesen Sog gezogen.
Russland ist der wichtigste Handelspartner für die Ukraine. Sowohl bei der Ausfuhr ( Anteil ca. 25% im Jahr 2000 ) als auch bei der Einfuhr ( Anteil ca. 42 % im Jahr 2000 ) belegt Russland den ersten Platz. Der wichtigste Handelspartner der Ukraine unter den EU - Staaten ist Deutschland. Beide Staaten, die Ukraine und Deutschland, unterhalten sehr gute wirtschaftliche Beziehungen, die Grundlage dafür bilden eine geraume Anzahl von bilateralen Handels- und Wirtschaftsverträgen. Stellvertretend sollen hier nur der "Vertrag über die Entwicklung einer umfassenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Technik" vom 10.06.1993 und der "Vertrag über den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen" vom 15.02.1993, welcher die wesentliche Voraussetzung für deutsche Investoren bildet, um in der Ukraine ihr Kapital zu investieren, genannt werden. Schätzungsweise 900 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in der Ukraine tätig.
Nachdem im Jahr 1999 die Talsohle der wirtschaftlichen Krise erreicht war, konnten im Jahr 2000 erstmals wieder "schwarze Zahlen" geschrieben werden ( BIP-zuwachs von 4,2%, Zahlen unterscheiden sich von Quelle zu Quelle ). Das für die gesamte Weltwirtschaft erfolgreiche Jahr 2000, stellte auch das erfolgreichste Jahr für die Ukraine dar. Sie profitierte von gestiegenen Exportvolumina, der Außenhandelsumsatz wuchs um ca. 20% in den ersten neuen Monaten des Jahres 2000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Industrieproduktion wuchs im selben Zeitraum um 11,6 % gegenüber dem Vorjahr, auch Verbraucherpreise und Preise für Dienstleistungen stiegen an, was in der Folge eine Erhöhung der Nominallöhne mit sich brachte. Der Ukraine ist es gelungen den Aufwärtstrend aufrecht zu erhalten und alle wichtigen wirtschaftlichen Parameter zu verbessern.
Auch in der Landwirtschaft scheint die Talsohle der Transformation durchschritten zu sein, fast alle Kolchosen wurden privatisiert, Lohnrückstände wurden aufgeholt und wichtige Reformen wurden durchgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, am eingeschlagenen weg festzuhalten und die Entwicklung weiter voranzutreiben. Entscheidend bleibt für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine, dass der Reformkurs beibehalten wird. Hierfür ist eine stabile Regierung von aller größter Notwendigkeit. Eine Krise wie Anfang des Jahres 2000 kann in diesem Fall nur dazu beitragen den Reformprozess zu verlangsamen. Wachstumsprognosen der Wirtschaftsexperten sehen für das Jahr 2001 ein Wirtschaftswachstum von 4- 4,5 % voraus.
Mit der gemeinsamen Vereinbarung über Gaslieferungen aus der Russischen Föderation vom 22.12.00 hat man zunächst eine gesicherte Versorgung für 2001 und auch Zeit gewonnen. Zeit die dringend benötigt wird um Konzepte zu formulieren und durchzusetzen, die eine solide und langfristige Energiepolitik garantieren.
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