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Fortsetzung: Deutschland und die Europäische Union als Teile der Trilateralen Welt

Michael Kreile

Die Triade als außenpolitisches Handlungsfeld

In der Außenpolitik der Triadenmächte hat die Gestaltung derjenigen Zweierbeziehungen Vorrang, die lebenswichtige Interessen berühren. Dies erklärt, warum es bisher nur in Ansätzen gelungen ist, die strukturell gegebenen gemeinsamen Interessen der Triade in eine umfassende trilateral konzertierte Politik umzusetzen, wie sie die Trilaterale Kommission seit mehr als 20 Jahren zu fördern sucht. Der Kommission ist es zwar gelungen, die Japaner in das transatlantische Elitennetzwerk zu kooptieren, aber die Einbindung Japans »durch internationale Institutionen in mehr globale Funktionen«[2] gilt als Herausforderung und als Programm, von dem die politische Elite Japans noch überzeugt werden müsse.[3]Die Grenzen des Trilateralismus sind mithin in der Geometrie der Triade angelegt. Die militärische Sicherheit Japans und Westeuropas läßt sich kaum trilateral organisieren, und die Existenz privilegierter bilateraler Beziehungen, welche die Partner auch in Konflikten aneinander binden, eröffnet Optionen eines pazifischen bzw. atlantischen Regionalismus, bei denen die USA als Scharniermacht den einzigen echten trilateralen Akteur abgeben würden. Diese Feststellungen unterstreichen, daß die trilaterale Kooperation ausbaufähig ist und daß dieser Ausbau einer Aufwertung der Beziehungen zwischen der EU und Japan bedarf.

Wenn es darum geht, deutsche Interessen und Optionen in der »trilateralen Welt« zu bestimmen, sind folgende Voraussetzungen zu beachten: Die deutschen Interessen ergeben sich weitgehend, aber nicht ausschließlich, aus den Bedürfnissen des Handelsstaates, der Rolle der D-Mark als internationaler Anlage- und Reservewährung und der wachsenden Internationalisierung von Produktion und Dienstleistungen. Sie sind pfadabhängig, d.h. durch frühere Weichenstellungen präformiert, und haben sich durch die deutsche Vereinigung nicht wesentlich verändert. Sie werden nicht zuletzt dadurch geprägt, daß Deutschland zwar eine »globale Währung«, aber noch keine »globale Wirtschaft« hat.[4]Kompliziert wird die Bestimmung deutscher Interessen dadurch, daß diese wegen der Einbindung der Bundesrepublik in die Europäische Union »verflochtene Interessen«[5]sind, folglich durch die Organe der Union »mediatisiert« werden und dort den Zwängen der Koalitionsbildung und des Kompromisses unterliegen. Deshalb müssen zugleich Leitlinien für die Außen- und Außenwirtschaftspolitik der Europäischen Union formuliert werden, für die es die Unterstützung der Partner zu gewinnen gilt.


[2]Joseph S. Nye, Jr. et al., Globale Kooperation nach dem Ende des Kalten Krieges: eine Neueinschätzung des Trilateralismus (Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Arbeitspapiere zur Internationalen Politik, Nr. 67), Bonn 1992, 5. 62.
[3]Vgl. ebd., S. 36-38.
[4]Vgl. William R. Smyser, The Economy of United Germany. Colossus at the Crossroads, New York 1992, S. 176.
[5]Dieter Senghaas Verflechtung und Integration, in: Karl Kaiser/Hanns W. Maull (Hrsg.), Die Zukunft der deutschen Außenpolitik (Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Arbeitspapiere zur Intemationalen Politik, Nr. 72), Bonn 1992, 5. 35-52; hier 5. 35.

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Veröffentlicht am 2. Juni 2008

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