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Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Länder des Südens

Tabea Häberlein

1. Begriffsklärungen und einleitende Gedanken

2. Wirkungsfelder der Globalisierung auf die Länder des Südens

2.1 Globalisierung und Wirtschaft

2.1.1 Finanzströme und kurzfristige Kapitalanlagen
2.1.2 Auslandsdirektinvestitionen
2.1.3 Globalisierung und Armut
2.1.4 Reaktionen und potenzielle Regulationsmechanismen
2.1.5 Abschließende Betrachtung zum Thema Wirtschaft und Globalisierung

2.2 Globalisierung und regionale Einheiten

2.2.1 Globalisierung und Nationalstaat
2.2.2 Globalisierung und regionale Entwicklung

2.3 Globalisierung und Gesellschaft

2.3.1 Globalisierung und Zivilgesellschaft
2.3.2 Globalisierung und Kultur

3. Kritische Schlussgedanken zur aktuellen Diskussion

 

1.  Begriffsklärungen und einleitende Gedanken

Globalisierung ist zunächst einmal die Zunahme internationaler Wirtschaftsbeziehungen, die anhand der Ströme von Gütern und Finanzen messbar gemacht werden kann. Darüber hinaus wird Globalisierung inzwischen auch als Schlagwort benutzt, um die zunehmenden Interdependenzen auf vielen weiteren Ebenen der internationalen Beziehungen zu beschreiben. Dabei wird von unterschiedlichen Ausprägungen ausgegangen:

Globalisierung gilt als Prozess, der in allen Teilen der Welt in Erscheinung tritt und auf nahezu alle Teilbereiche des räumlichen, sozialen sowie institutionellen menschlichen Handelns einwirkt. Scholz bezeichnet nach Altvater Globalisierung als Entstehung einer internationalisierten Welt[1], welche jedoch auch im umfassenden Sinne einem weltdurchdringenden Angleichungs- und Homogenisierungsprozess unterworfen ist. Dabei geht der Autor von einem irreversiblen Prozess der Globalisierung aus, der durch entgrenzten Wettbewerb eines globalen Kapitalismus entstanden ist.[2]

Nohlen hingegen fragt, ob es sich bei der Debatte um Globalisierung tatsächlich um einen Prozess des kategorialen Wandels oder lediglich die Zunahme von Interdependenzen im Rahmen einer langfristigen Entwicklung handelt.[3] Auch Senghaas gibt zu bedenken, dass das System von symmetrischen wie asymmetrischen Interdependenzen bereits Jahrhunderte alt ist, das Phänomen Globalisierung deshalb nur als Zuspitzung der sich vertiefenden Interdependenzen bezeichnet werden kann[4]: „Für die Entwicklungsgesellschaften der Welt existierte sie [die Globalisierungsproblematik mit asymmetrischem Verdrängungswettbewerb], lange ehe Globalisierung als Begriff in Umlauf kam.“[5]

Jedoch handelt es sich aufgrund der Intensivierung um eine neue Qualität der bereits bestehenden Interdependenzen, die in ihrer Prozesshaftigkeit näher beleuchtet werden soll. In den folgenden Kapiteln werden die unterschiedlichen Grundpositionen innerhalb einiger ausgewählter Themenkomplexe skizziert.[6]

In dieser Arbeit wird der Sammelbegriff „Länder des Südens“ anstatt der Begriffe „Entwicklungsländer“ oder „Dritte Welt“ verwendet. Diese Entscheidung wurde vor dem Hintergrund gefällt, dass die Ländergruppen, die zuvor als „Entwicklungsländer“ oder „Dritte Welt“ bezeichnet worden waren, den Begriff des „Südens“ als neuen Sammelbegriff bevorzugen. Beide vorhergehenden Begriffe waren im Laufe der Zeit stark in Kritik geraten. Nach Beck hat der Begriff des „Südens“ die Kategorie des Sozialen angenommen[7] und bezeichnet somit nicht mehr die topographische Lage der betreffenden Länder auf der südlichen Erdhalbkugel. Demzufolge wird der Sammelbegriff „Länder des Südens“ hier für die an sich sehr inhomogene Gruppe der „Entwicklungs-“, „Schwellen-“ und „Transformationsländer“ benutzt.

Das Schlagwort Globalisierung auf wirtschaftlicher, politischer sowie kultureller Ebene und ihre Auswirkungen auf die Länder des Südens ist seit spätestens Anfang der 1990er Jahre im Begriff, alle Wissenschaftsbereiche zu durchdringen. In der Diskussion werden deshalb zum Teil recht unterschiedliche Thesen und Argumentationsstränge hervorgebracht. Eine grobe Unterscheidung teilt die Meinungen in zwei konträre Lager: Die einen halten Globalisierung für chancengebend und deshalb vorteilhaft für die Gruppe der Länder des Südens, die anderen sehen in den Auswirkungen der Globalisierung wiederum eine Verschärfung der bereits vorhandenen Gegensätze zwischen den Ländern des Nordens und des Südens. Scholz benennt diese unterschiedlichen Positionen wie folgt: Ausgehend von dem Ansatz der nachholenden Entwicklung hat Globalisierung Wohlstandsvermehrung und Verringerung des Armutsgefälles zur Folge, während die Vertreter des dependenztheoretischen Ansatzes die Aspekte der Massenverarmung und Verschärfung des Wohlstandsgefälles weltweit als unmittelbare Folgen der Globalisierung ansehen.[8] Eine weitere Gruppe von Wissenschaftlern betrachtet Globalisierung als ein keineswegs neuartiges Phänomen und in der momentan inflationären Benutzung als Untersuchungskonzept wenig hilfreich.


[1] Scholz 2000b:2 nach Altvater 1999:54ff
[2] Scholz 2000b:2f
[3] Nohlen 2000:311
[4] Senghaas 2000:349
[5] Senghaas 2002:7
[6] Zur Definition von Globlaliserung siehe auch: Handwörterbuch Internationale Politik 2000:136-147 oder Lexikon Dritte Welt 2000:305-312
[7] Beck 1997:63,106
[8] Scholz 2000b:3-6



Fortsetzung: Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Länder des Südens


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Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.

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