Große Pandemien in der Geschichte und bedeutende
Infektionskrankheiten (Beispiele):
Pest: wird durch eine Bakterienart
hervorgerufen; Pandemien: 1347-1352, Verbreitung in
Europa, ca. 25 Millionen Tote (ein Drittel der
Bevölkerung Europas); 1896- ca. 1945, Verbreitung
weltweit, ca. 12 Millionen Tote; heute noch begrenzte
Endemiegebiete in Amerika, Afrika, Asien, Russland,
Kasachstan
Pocken: Virusinfektion; war seit der Antike
in Europa vorhanden, im 18. Jahrhundert starben
jährlich bis zu 400.000 Menschen an der Krankheit;
1980 erklärte die WHO die Krankheit für
ausgerottet
Malaria: hervorgerufen von einzelligen
Parasiten der Gattung Plasmodium; an der
Tropenkrankheit erkranken laut WHO jährlich 300
bis 500 Millionen Menschen, 90 Prozent davon leben in
Afrika; 1,5 bis 2,7 Millionen sterben, etwa 50 Prozent
Kinder unter fünf Jahren
Tuberkulose: durch Bakterien hervorgerufen;
jedes Jahr sterben zwei bis drei Millionen Menschen;
die Krankheit ist in Afrika neben AIDS die
häufigste Todesursache; in den letzten Jahren
zeichnet sich eine dramatische Entwicklung in Osteuropa
ab
Influenza A:
1918-1920: Spanische Grippe, verursacht
durch den Influenza-A-Subtyp H1N1, weltweite
Ausbreitung (Pandemie), ca. 500 Millionen Erkrankungen,
zwischen 20 und 50 Millionen Toten; besonders hohe
Sterblichkeit in der mittleren Altersgruppe zwischen 20
und 45 Jahren
1933: die britischen Forscher W. Smith, C.
H. Andrews und P. P. Laidlaw isolieren am National
Institute for Medical Research in London zum ersten Mal
einen menschlichen Influenza-Stamm
1957: Asiatische Grippe, von China
ausgehend, Pandemie; der dafür verantwortliche
Erreger entstand durch einen Antigenshift, bei dem eine
Vermischung der Genome des H1N1-Subtyps mit einem
Vogelgrippe-Virus stattfand, das Ergebnis war der
Subtyp H2N2; ca. 1 Million Tote
1961: Aus Seeschwalben wird in
Südafrika das Vogelgrippe-Virus H5N1 isoliert
1968: Hongkong-Grippe, wiederum durch
Antigenshift ausgelöst, Pandemie: H2N2 vermischte
sich mit einem Vogelgrippe-Virus zum Subtyp H3N2;
700.000 bis 1 Million Tote
1977: erneuter Ausbruch des H1N1-Subtyps,
sog. Russische Grippe
seit 1977 treten die Subtypen H1N1 und H3N2
simultan bzw. im zufälligen Wechsel auf und sind
bis heute für jährliche Grippeepidemien
verantwortlich
Mai-Dezember 1997: erstmals
H5N1-Vogelgrippeviren im Menschen nachgewiesen,
Hongkong; 18 Fälle mit ähnlichen Symptomen
wie bei der Spanischen Grippe (schwere multiple innere
Blutungen), sechs Tote; als Reaktion werden
sämtliche Nutzgeflügelbestände der Stadt
gekeult (ca. 1,5 Millionen Tiere), was eine weitere
Ausbreitung verhindert
2002/2003: Ausbruch der Vogelgrippe in der
südchinesischen Provinz Guangdong, wahrscheinlich
durch H5N1
2003: erneut zwei Fälle menschlicher
Infektionen mit H5N1 in Hongkong; 1 Toter
2003: durch den Influenza-A-Subtyp H7N7
ausgelöste Geflügelpest in den Niederlanden
und Belgien; 89 Infektionen von Menschen, 1 Toter
seit Anfang 2004: endemisches
Geflügelpestgeschehen in mehreren Ländern
Südostasiens, insbesondere China, Vietnam,
Thailand und Indonesien
Januar 2004: in Vietnam und Thailand
erkranken elf Menschen durch H5N1; acht Tote
Februar 2004: Laut WHO waren bis zu diesem
Zeitpunkt 33 Menschen durch H5N1 erkrankt, von denen 22
starben
September 2005: Verdacht der
Übertragung des H5N1-Virus von Mensch zu Mensch in
Thailand; nicht bestätigt
Oktober 2004: Neun Thailänder
erkranken, acht sterben
Januar 2005: Die WHO warnt vor einer
Pandemie mit Millionen von Toten
April 2005: Veröffentlichung des
Nationalen Influenzapandemieplans durch das
Robert-Koch-Institut in Berlin
Mitte 2005: Ausbreitung der Vogelgrippe
über China und Kasachstan in den asiatischen Teil
Russlands; H5N1 in Zugvögeln nachgewiesen
Herbst 2005: Einschleppung nach Europa durch
Zugvögel, betroffen sind Rumänien,
Türkei, Kroatien, Ukraine, Russland; Erlass des
ersten Aufstallungsgebotes für Nutzgeflügel
in Deutschland
10. Oktober 2005: Die EU verhängt ein
Importverbot für Geflügel und Federn aus der
Türkei
14.Oktober 2005: Japanische Wissenschaftler
berichten über Resistenz eines H5N1-Isolats gegen
Oseltamivir (Tamiflu)
Dezember 2005/Januar 2006:
großflächige Ausbrüche in der
Türkei
Anfang Januar 2006: in der Türkei erste
menschliche Infektionsfälle mit H5N1
außerhalb Chinas und Südostasiens
(zwölf Fälle, vier Tote)
Anfang Februar 2006: Ausbrüche der
Geflügelpest in Nigeria
11./12. Februar 2006: H5N1 bei Schwänen
auf Sizilien entdeckt, H5 bei einem Wildschwan in
Slowenien
Mitte Februar: erste verendete Schwäne
auf Rügen, H5N1 wird als Ursache
bestätigt
17. Februar: ein erneutes Aufstallungsgebot
für Nutzgeflügel tritt in Kraft
18. Februar: Ausrufung des
Katastrophenalarms auf Rügen
24. Februar: Die H5N1-Vogelgrippe erreicht
Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg
11. Februar 2003: China meldet der WHO
offiziell einen Ausbruch von Atemwegserkrankungen, der
Mitte November 2002 in der Provinz Guangdong begonnen
habe; 300 Erkrankungen, fünf Tote
21. Februar 2003: Ein Arzt aus Guangdong
übernachtet in einem Hotel in Hongkong; dort
steckt er mehr als ein Dutzend Menschen an, die die
Krankheit nach Hanoi, Toronto und Singapur tragen
28. Februar 2003: Identifizierung eines
Falls in Vietnam durch Carlos Urbani: der WHO-Arzt, der
später selbst an SARS stirbt, erkennt eine neue
Krankheit und nennt sie „schweres akutes
respiratorisches Syndrom“
12. März 2003: Die WHO arlamiert
über ihr „Global Outbreak Alert and Response
Network“ die Welt wegen einer schweren
Atemwegserkrankung, die sich in Kliniken in Hongkong
und Vietnam rasch ausbreitet
15. März 2003: Erster SARS-Fall in
Deutschland und gleichzeitig Europa (Frankfurt); die
WHO bezeichnet SARS als weltweite Gesundheitsbedrohung
und empfiehlt, Reisen in betroffene Gebiete Asiens
möglichst zu verschieben
24./25. März 2003: Das amerikanische
Center for Disease Control and Prvention in Atlanta und
das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg entdecken ein
neuartiges Corona-Virus als SARS-Ursache
23. Mai 2003: Die WHO zieht ihre Empfehlung
zurück, dass nicht notwendige Reisen nach Hongkong
und Guangdong verschoben werden sollten.
5. Juli 2003: Die WHO teilt mit, dass in
China und Taiwan als letzten beiden betroffenen
Ländern die Kette der
Mensch-zu-Mensch-Übertragung unterbrochen
wurde
5. Januar 2004: Erster SARS-Fall
außerhalb eines Labors nach Ende des Ausbruchs im
Sommer
19. April 2004: Erster Todesfall 2004,
China; sechs Kontaktpersonen erkranken
18. Mai 2004: Laut WHO wurde menschliche
Übertragungskette in China unterbrochen
Insgesamt forderte der SARS-Ausbruch
weltweit ungefähr 800 Todesopfer.
HIV/AIDS:
1959: HIV wird erstmals in einem Menschen
nachgewiesen
1981: bei Homosexuellen in Los Angeles/USA
wird eine ungewöhnliche Immunschwäche
festgestellt
1983/84: Luc Montagnier (Frankreich) und
Robert Gallo (USA) finden heraus, dass das HI-Virus das
erworbene Immunschwächesyndrom AIDS (acquired
immune deficiency syndrome) verursacht
1984/85: erster HIV-Test
1985: erste Welt-AIDS-Konferenz in Atlanta,
USA; seitdem bis 1994 jährlich Konferenzen, ab
1994 alle zwei Jahre
1987: Der Wirkstoff Azidothymidin (AZT) wird
als erstes Medikament gegen AIDS zugelassen
1995/96: Medizinische Fortschritte,
Einführung neuer Medikamente gegen AIDS
1996: Gründung von UNAIDS:
Koordinierungsprogramm der Vereinten Nationen mit dem
Ziel, die AIDS-Pandemie zu bekämpfen;
hervorgegangen aus dem Global Program on
HIV/AIDS der WHO; Sitz in Genf
1997: deutlicher Rückgang der
AIDS-Toten in den USA
Januar 2000: zum ersten Mal ist mit
„AIDS in Afrika“ ein Gesundheitsthema auf
der Agenda des UN-Sicherheitsrates
Frühjahr 2001: Die CIA nennt HIV/AIDS
die „größte Bedrohung“ für
Demokratie, Sicherheit und Stabilität in
Afrika
Juni 2001: Eine Sondersitzung der
UN-Generalversammlung befasst sich mit HIV/AIDS und
beschließt die „Declaration of Commitment
on HIV/AIDS“
Juli 2004: 15. Welt-AIDS-Konferenz in
Bangkok mit dem Thema „Access for All“; mit
20.000 Teilnehmern die bislang größte und
teuerste
2004: die WHO startet die Initiative
„3 by 5“: bis Ende 2005 sollen drei
Millionen HIV-Infizierte den Zugang zu antiretroviralen
Medikamenten erhalten
2005: Das Robert-Koch-Institut in Berlin
teilt in seinem Halbjahresbericht mit, dass die Zahl
der HIV-Neuinfektionen im ersten Halbjahr 2005 in
Deutschland drastisch angestiegen sei
Ende 2005:AIDS Epidemic Update von
WHO und UNAIDS: 1. Todesfälle weltweit seit Beginn
der Epidemie: über 25 Millionen; 2. HIV-Infizierte
weltweit 2005: ca. 40,3 Millionen, davon 25,8 Millionen
im subsaharischen Afrika; 3. Neuinfektionen weltweit
2005: ca. 4,9 Millionen, davon 3,2 Millionen im
subsaharischen Afrika;
Ende 2005: AIDS in Deutschland (Daten des
Robert-Koch-Instituts): 1. Todesfälle seit Beginn
der Epidemie: ca. 26.000; 2. HIV-Infizierte: 49.000,
davon 39.500 Männer; 3. Neuinfektionen 2005: ca.
2600, davon 2250 Männer
[1] Aus: Glasmacher, Susanne;
Kurth, Reinhard: Globaler Alarm, in: Spektrum
der Wissenschaft Spezial: Moderne Medizin,
2.7.2004
Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)
Veröffentlicht am 2. Juni 2008
Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.