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Fortsetzung: Geschichte der NATO 1949-1990

Andreas Wendlberger

2.2. Der Aufbau der NATO 1949-1955

Das erste Jahr: August 1949 bis Juli 1950

Mit dem NAV hatten die Vertragsparteien den Grundstein für eine intensive Zusammenarbeit in ihrer Militär-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik gelegt. Das Abkommen war allerdings so formuliert, daß noch viel Gestaltungsraum offen blieb; nun galt es, den Vertrag mit Leben zu füllen. Dabei war im April 1949 noch keineswegs absehbar, welche konkreten Maßnahmen die neuen Bündnispartner ergreifen würden, um ihre politischen Zielsetzungen in die Tat umzusetzen. In den Aufbaujahren drehten sich die Diskussionen innerhalb des Bündnisses im wesentlichen um zwei Fragen:

  1. Wie hoch soll der militärische und politische Integrationsgrad innerhalb der NATO als Organisation sein?
  2. Welche Strategie sollen die Bündnispartner zu ihrer Verteidigung verfolgen?

Kurz nach der Ratifizierung des NAV durch die alle Mitglieder fand im September 1949 das erste Treffen des Nordatlantikrates statt; im Dezember des selben Jahres folgte die erste Tagung des Verteidigungsausschusses. Im Verlauf dieser Konsultationen einigten sich die Bündnispartner auf die Grundlinien einer gemeinsamen Strategie und eines gemeinsamen Verteidigungsplanes. Die einzigen zwei Gremien, die im NAV genannt sind (Artikel 9), hatten damit ihre Arbeit ordnungsgemäß aufgenommen; zusätzlich wurden ein Militärausschuß und fünft Regionale Planungsgruppen gegründet. Doch an den Aufbau einer voll entwickelten und auf Dauer angelegten Nordatlantikvertrag Organisation – wie sie heute existiert – schien in den ersten Monaten nach Inkrafttreten des NAV keiner der Verantwortlichen zu denken.

Der Aufbau einer militärischen Organisationsstruktur nach Ausbruch des Korea-Krieges 1950-1952

Diese Haltung änderte sich erst mit dem Beginn des Korea-Krieges, der als Katalysator für den organisatorischen Auf- und Ausbau der Allianz wirkte. Am 25. Juni 1950 griffen Truppen des kommunistischen Nordkorea das kurz zuvor von den Amerikanern geräumte Südkorea an. Von westlichen Staaten wurde dieser Überfall als Auftakt zu einer globalen Offensive des Kommunismus interpretiert, deren Drahtzieher im Kreml vermutet wurden. Die Aggression Nordkoreas schürte Befürchtungen, die Sowjetunion würde nun versuchen, auch den Westen Europas durch einen militärischen Vorstoß in ihre Gewalt zu bringen. Glaubte man an eine unmittelbar bevorstehenden Angriff, mußten die bis Anfang 1950 verabschiedeten Planungen und Strukturen der Allianz als völlig unzureichend für eine erfolgreiche Verteidigung Westeuropas erscheinen.

Um besser gegen einen Angriff gerüstet zu sein, verabschiedete der Rat am 19. Dezember 1950 Pläne zur Errichtung einer integrierten europäischen Verteidigungsstreitmacht, einer einheitlichen Kommandostruktur mit integrierten Stäben und eines obersten Hauptquartiers. Zum ersten Obersten Alliierten Befehlshaber in Europa (Supreme Allied Commander Europe, SACEUR) wurde der amerikanische General Dwight D. Eisenhower bestellt. Gleichzeitig brachten die Westunion-Staaten ihre militärischen Strukturen in die NATO ein. Da deren militärischen Arm erst aufgebaut werden mußte, bildeten diese europäischen Strukturen die Keimzelle für die militärische Organisation des Nordatlantischen Bündnisses.

Die im Dezember gefaßten Beschlüsse wurden zügig umgesetzt: Bereits am 2. April 1951 konnte der Alliierte Kommandobereich Europa (Supreme Headquaters Allied Powers Europe, SHAPE) seine Arbeit in Rocquencourt bei Paris aufnehmen. Ein Jahr später, am 10. April 1952, wurde das Hauptquartier des Obersten Alliierten Befehlshaber Atlantik (Supreme Allied Commander Atlantic, SACLANT) mit Sitz in Norfolk, Virginia eröffnet.

Die Reorganisation der politischen Organisation 1952

Die verstärkten Aktivitäten und wachsenden Aufgaben des Nordatlantikrates führten nicht nur zu einem Ausbau der militärischem, sondern auch der zivilen Strukturen innerhalb des Bündnisses. Während der Ratstagung in Lissabon im Februar 1952 beschlossen die Außenminister der NATO Staaten, die politischen Beratungs- und Entscheidungsmechanismen stärker als bisher zu formalisieren und zu institutionalisieren. Sie machten damit deutlich, daß sich die NATO nicht allein auf militärische Aufgaben beschränken würde, sondern sich gleichermaßen als politische Organisation verstand. Um die politischen Bande zwischen den Alliierten zu festigen, wurde ergänzend zu den periodischen Ratstreffen auf Ministerebene der Nordatlantikrat als dauerhaftes Gremium der NATO-Organisationsstruktur eingerichtet und mit Ständigen Vertretern aus allen Mitgliedsländern beschickt. Zu seiner Unterstützung erhielt der Rat einen Generalsekretär, der das Generalsekretariat mit seinem internationalen Stab leiten sollte. Zum ersten NATO-Generalsekretär ernannten die Mitgliedsstaaten am 12. März 1952 den britischen Commonwealth-Minister Hastings Lionel Ismay. Schließlich einigten sich die Minister darauf, alle zivilen Gremien nach Paris zu verlegen, um so eine effektive organisatorische Zentrale für das Bündnis zu schaffen.

Die strategische Ausgangslage 1949

Ausgangspunkt der strategischen Überlegungen des Westens war die zahlenmäßige Überlegenheit der Roten Armee gegenüber den NATO-Streitkräften im konventionellen Bereich. Zwar besaß die USA zu diesem Zeitpunkt noch das Atomwaffenmonopol; für die Entwicklung einer nuklearen Strategie war die Zeit in dieser Frühphase des Atomzeitalters jedoch noch nicht gereift. Weder verfügten die USA dafür über eine ausreichende Zahl von Nuklearwaffen, noch war die strategische Bedeutung dieser qualitativ neuen Art von Waffe bereits voll erkannt worden. In einem möglichen Einsatz von Atombomben sahen amerikanische Strategen damals kaum mehr als die Fortsetzung von konventionellen Luftbombardements auf quantitativ höherem Niveau (vgl. den amerikanischen Einsatz zweier Atombomben gegen Japan am Ende des 2. Weltkrieges).

Die Entwicklung einer konventionellen Strategie 1950

Angesichts der militärischen Lage in Europa im Gründungsjahr der Allianz und des damaligen Standes des strategischen Denkens erscheint es daher logisch, daß die NATO-Partner zunächst ebenfalls auf eine konventionelle Strategie setzten. Die Überlegenheit der Roten Armee sollte durch den Ausbau der westlichen Armeen verringert werden. Im Mai 1950 verabschiedete der Nordatlantikrat zu diesem Zweck einen mittelfristig angelegten Verteidigungsplan (Medium Term Defense Plan, MTDP), der die beim Ratstreffen in Lissabon von 1952 verabschiedeten Streitkräftezielen vorzeichnete. Bis 1954 sollten 49 aktive und 50 Reserve-Divisionen sowie 8.000 taktische Flugzeuge einsatzbereit sein. Nach der Aufnahme Griechenlands und der Türkei plante man sogar, 90 aktive Divisionen in Europa aufzustellen.

Auch von den USA forderten die europäischen Partner nun einen verstärkten militärischen Beitrag ein; schließlich war bewußt einem amerikanischer General das Oberkommando über die NATO-Truppen in Europa übertragen worden. Die USA dagegen hatten ihrerseits ursprünglich nicht geplant, ein größeres Kontingent von Bodentruppen auf unbestimmte Dauer in Europa zu stationieren. Im Falle eines Angriffs auf Westeuropa hätten sie sich zunächst auf strategische Bombardements und Marineoperationen beschränken wollen. Bis zum Herbst 1950 jedoch war die amerikanische Regierung zur Einsicht gelangt, daß eine dauerhafte militärische Präsenz auf dem Kontinent unabdingbar war, um den Verteidigungsmaßnahmen der NATO das notwendige Maß an Glaubwürdigkeit und Nachdruck zu verleihen. In den USA entzündete sich daraufhin 1950/1951 eine innenpolitische Diskussionen um die Frage, ob der US-Präsident überhaupt die Autorität habe, weitere Truppenkontingente nach Europa zu entsenden. Am Ende dieser sog. "Great Debate" genehmigte der US-Kongreß schließlich, zu den zwei bereits bestehenden vier zusätzliche amerikanische Divisionen in Europa zu stationieren. Prinzipiell blieben amerikanische Militärs und Politiker jedoch bei ihrer Haltung, daß das Gros der Bodentruppen auf dem europäischen Kontinent von den Europäern selbst zu stellen sei.

Wie aber sollten die westlichen Truppen im Falle eines Angriffs der Roten Armee konkret eingesetzt werden? Auf der Ratstagung in New York vom 15. bis 18. September 1950 einigten sich die NATO-Staaten auf das strategische Prinzip der "Forward Strategy" ("Vorneverteidigung", "Vorgeschobenen Verteidigung" bzw. "Vorwärtsstrategie", nach dem Dokumentenname auch als "MC 14/1" bezeichnet ). Der Vormarsch der feindlichen Truppen sollte so lange wie möglich in einer sog. "Verzögerungszone" aufgehalten werden, um letztlich eine stabile Verteidigungsfront an einer "Hauptverteidigungslinie" (Anfang 50er Jahre "Rhein", Anfang 60er Jahre "Weser-Lech") aufzubauen. Die NATO-Verbände sollten im Falle eines Angriffs den Kampf mit dem Gegner also möglichst weit im Osten des Kontinents aufnehmen, um so das Territorium aller europäischen Mitgliedsstaaten zu schützen.

Die Anfänge einer nuklearen Strategie 1953

Diese konventionelle Strategie der NATO wurde schon im Verlauf der 50er Jahre von einer dezidiert nuklearen Strategie abgelöst. Viele Faktoren trugen zu dieser relativ früh vollzogenen Kehrtwende bei. Nach dem Tod Stalins und dem Ende des Koreakrieges im Jahr 1953 ließ zunächst das Gefühl einer akuten Bedrohung durch einen bevorstehenden sowjetischen Angriff in Westeuropa nach. In dieser sog. "Tauwetter"-Periode zwischen den rivalisierenden Blöcken glaubten die Regierungen der NATO-Staaten, zumindest das Tempo ihrer konventionelle Aufrüstung verlangsamen zu können. Die Fristen zur Erreichung der Streitkräfteziele wurde über das Jahr 1954 hinaus verlängert. Gleichzeitig mußten westliche Verteidigungsplaner erkennen, daß die ursprünglichen Zielvorgaben aus ökonomischen Gründen ohnehin nicht erreicht werden konnten; sie überstiegen die Leistungsfähigkeit besonders der wirtschaftlich noch schwachen europäischen Mitglieder. Auch wenn diese These durchaus umstritten war, glaubten viele Militärs und Politiker, man könne mit einer Kombination von taktischen und strategischen Atomwaffen wesentlich kostengünstiger einen Ausgleich zur zahlenmäßigen konventionellen Überlegenheit der Roten Armee schaffen. Der US-Verteidigungsminister Charles E. Wilson sprach in diesem Zusammenhang vom "greater bang for the buck". Dieser nukleare Ansatz setzte sich insbesondere nach dem Amtsantritt von Dwight D. Eisenhower als US-Präsident mit seinem "New Look" auf verteidigungspolitische Fragen durch. Nach dieser Konzeption sollten Nuklearwaffen im Falle eines Angriffs auf Westeuropa eingesetzt werden und zwar unabhängig davon, ob der Gegner dies auch tat. Den konventionelle Streitkräften des Westens kam nur noch die Rolle eines "Stolperdrahtes" ("Trip-Wire") oder eines "Schildes" zu, die den sofortigen Einsatz von Atomwaffen, des "Schwertes", auslösen sollen. Diese amerikanische Strategie der "massiven Vergeltung" ("Massive Retaliation") von 1953 wurde von der westlichen Allianz 1957 mit dem NATO-Grundsatzdokument MC 14/2 übernommen.

Die ersten zwei Erweiterungsrunden 1952/1955: Griechenland und die Türkei sowie die Bundesrepublik Deutschland

Am 18. Februar 1952 traten Griechenland und die Türkei der NATO bei. Damit dehnte die NATO ihren Verteidigungsraum bis in die Ägäis und den Mittleren Osten aus. Im Vergleich zu dieser ersten Erweiterungsrunde der NATO gestaltete sich der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland als weitaus problematischer. Nachdem sich die vier Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht auf eine gemeinsame Verwaltung Deutschlands hatten einigen können, waren bis zum Herbst 1949 de facto zwei deutsche Staaten entstanden: die Bundesrepublik Deutschland (bestehend aus den früheren drei westlichen Besetzungszonen) und die DDR (bestehend aus der einstigen sowjetischen Besatzungszone). Unmittelbar nachdem man die Strategie der Vorneverteidigung verabschiedet hatte, kam der NATO-Rat am 26. September 1950 darin überein, daß auch die Bundesrepublik Deutschland zu den Verteidigungsbemühungen in Westeuropa beitragen solle. Denn im Rahmen dieser strategischen Konzeption kam der Bundesrepublik automatisch eine Schlüsselrolle zu. Zum einen konnte nur unter Einbezug des (west-)deutschen Territoriums eine ausreichend große Raumtiefe für eine erfolgreiche Verteidigung geschaffen werden. Die Bundesrepublik lag genau an der Nahtstelle zwischen den zwei Blöcken, so daß ein Angriff dort auch am ehesten zu erwarten war. Zum anderen hielten NATO-Strategen das Potential an deutschen Soldaten für notwendig, um überhaupt genügend Divisionen für die Verteidigung Westeuropas bereitstellen zu können. Besonders auf amerikanischer Seite hatte sich schon früh die Überzeugung durchgesetzt, daß das europäische NATO-Territorium nicht ohne einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik zu verteidigen sei. Umgekehrt versuchte besonders Frankreich aus Furcht vor einem militärischem Wiedererstarken Deutschlands die Wiederbewaffnung Deutschlands zu verzögern bzw. nur in streng kontrollierten Grenzen zuzulassen. Der französische Ministerpräsident René Pleven schlug am 24. Oktober 1950 zu diesem Zweck den Aufbau einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) vor. In eine einheitliche europäischen Armee sollten deutsche Verbände (bis auf Divisionsebene) in supranationale Korps integriert werden, um so den Aufbau einer eigenständigen nationalen deutschen Militärstreitmacht zu verhindern. Diese Initiative scheiterte jedoch am 29. August 1954, als die französische Nationalversammlung dem EVG-Plan nicht zustimmte. Plevens Initiative hatte sich als Sackgasse erwiesen. Einen Ausweg bot nun der britischen Außenministers Anthony Eden mit seinem Vorschlag, die Westunion als diplomatisches Instrument zur Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO zu nutzen. Die sich anschließenden Verhandlungen mündeten in die Pariser Verträge, die am 23. Oktober 1954 unterzeichnet wurden und am 5. Mai 1955 in Kraft traten: Die Souveränität der Bundesrepublik wurde auf diesem Wege weitgehend wiederhergestellt. Mit Wirkung zum 6./9. Mai 1955 trat sie als 15 Mitglied der NATO bei. Zudem wurde sie (zusammen mit Italien) in die zur Westeuropäische Union (WEU) umgewandelte Westunion aufgenommen. Mit dieser Lösung konnten alle Hauptakteure zufrieden sein: Frankreich brauchte sich nicht mehr vor einem wiederbewaffneten (West-)Deutschland fürchten, da sich die Bundesrepublik eine Reihe von Rüstungsbeschränkungen auferlegt hatte und fest in die NATO und WEU eingebunden war. Aus NATO-Sicht versprach dieser Beitritt eines größeres Reservoir an Soldaten, einen größeren Verteidigungsraum und damit zusätzliche Sicherheit. Die Bundesrepublik selbst hatte ein höheres Maß an Souveränität erlangt und gleichzeitig die entscheidenden Hürde auf dem angestrebten Weg hin zur Westintegration genommen.

Die Gründung des Warschauer Paktes 1955

Die Sowjetunion konterte den Abschluß der Pariser Verträge mit dem Aufbau eines eigenen Militärbündnisses. Zuvor hatte sie noch versucht, den Sinn und Zweck der westlichen Allianz ad absurdum zu führen, indem sie selbst einen Antrag auf Aufnahme in die NATO gestellt hatte; dieses Ansinnen konnte freilich nicht auf Zustimmung der NATO stoßen. Mit dem am 14. Mai 1955 unterzeichneten "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" gründete die UdSSR zusammen mit anderen mittel- und osteuropäischen Staaten den sog. "Warschauer Pakt" bzw. die "Warschauer Vertragsorganisation" (WVO). Mitglieder dieses gegen die NATO gerichteten Bündnisses wurden (neben der Führungsmacht UdSSR) Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Mit den meisten dieser Staaten hatte die UdSSR bereits 1948/1949 bilaterale Freundschafts- und Beistandspakte geschlossen (mit Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Polen, Tschechoslowakei). Damit war die Blockbildung in Ost und West nun bündnispolitisch auch formell abgeschlossen.

Zwischenfazit 1949-1955

Das Verhältnis zwischen Ost und West

Bereits in den ersten Jahren nach Gründung der NATO wurde deutlich, daß die Qualität des Verhältnisses zwischen den Blöcken und die Wahrnehmung der gegenseitigen Bedrohung keineswegs statisch war. Während der Koreakrieg Befürchtungen vor einer unmittelbare bevorstehenden militärischen Auseinandersetzung geschürt hatte, war nach dem Tod Stalins bereits eine erste "Tauwetter"-Periode eingetreten. Insgesamt verfestigten sich in dieser Phase jedoch die Fronten. Mit der Gründung des WP quasi als "Gegen-NATO" fand die Blockbildung in dieser Phase ihren Abschluß. Und spätestens mit der Einbindung der Bundesrepublik Deutschland in die NATO und der DDR in den WP war eine strategische Frontstellung zwischen den Blöcken entstanden, die sich bis zum Ende des "Kalten Krieges" nicht mehr grundlegend ändern sollte.

Die Beziehungen innerhalb der Allianz

Innerhalb der Allianz waren die Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten von einer zunehmenden Formalisierung und Institutionalisierung der militärischen und politischen Kooperation geprägt. Nach Ausbruch des Koreakrieges sahen sich die Gründungsmitglieder des Nordatlantikpakt genötigt, eine dauerhafte und differenzierte Nordatlantikpakt-Organisation zu schaffen. Dies zeigt nicht nur, wie sehr weltpolitische Entwicklungen die NATO geprägt hat, sondern auch wie flexibel und umfassend das Bündnis auf solche Entwicklungen reagieren konnte. Das "Putting the "O" into NATO" fand indes auf zwei Ebenen statt: Auf militärischem Gebiet wurde nicht nur eine gemeinsames strategisches Konzept für eine integrierte Verteidigung verabschiedet, sondern auch die dafür erforderlichen integrierten Streitkräften und Stäbe unter der Führung einer einheitlichen Kommandostruktur geschaffen. Auf der ziviler Ebene bauten die Mitgliedsstaaten eine dauerhafte politische Organisationsstruktur für das Bündnis auf, die mit dem Hauptquartier in Paris und einem Generalsekretär ihren sichtbarsten Ausdruck fand.

Mit zwei Erweiterungsrunden bereits in den ersten sechs Jahren ihres Bestehens bewies die NATO ihren Willen und ihre Fähigkeit neue Bündnispartner in ihre militärische und politische Organisationsstruktur zu integrieren und bahnte damit weiteren Erweiterungsrunden den Weg. Daß in diesem Zeitraum gleich drei Staaten der Allianz anschließen wollten, unterstreicht gleichzeitig welch große Attraktivität auch schon das sehr junge Bündnis ausstrahlte. Der Beitritt Griechenlands und der Türkei verstärkte die Südostflanke des Bündnisgebiets, das sich nun entlang des Mittelmeers bis in den Nahen Osten ausdehnte. Schon sehr früh demonstrierte die NATO damit, daß es sich keineswegs auf eine rein atlantische oder westeuropäische Ausrichtung festlegen wollte. Wer etwas zu ihrer Sicherheit beitragen konnte und wollte, war (und blieb) im Bündnis willkommen. Die Aufnahme Deutschlands unterstrich dieses hohe Maß an pragmatischer Flexibilität, die sich eben nicht auf geographische Aspekte erstreckte. Die Aufnahme des früheren Kriegsgegners in ein westliches Bündnis bereits zehn Jahre nach Kriegsende bewies die Fähigkeit der NATO-Mitglieder auch ehemalige Gegner nicht nur zu tolerieren, sondern sogar als Partner in einem gemeinsamen Bündnis zu akzeptieren.

Die strategische Ausrichtung der NATO

Auch in ihrer strategischen Ausrichtung durchlief die NATO in dieser Phase grundlegende Wandlungen. Parallel zum Aufbau einer politischen und militärischen Organisation hatten sich die Mitgliedsstaaten zunächst auf eine konventionelle Strategie zur Verteidigung des Bündnisgebiets verständigt. Sie wurde angesichts der konventionellen Überlegenheit der UdSSR jedoch schon bald von einer Strategie abgelöst, deren Kernelement die Abschreckung durch die Androhung des Einsatzes von Nuklearwaffen bildete. Auch wenn sich die Nuklearstrategie der NATO in den Jahrzehnten bis zum Ende des "kalten Krieges" durchaus veränderte, sollte sich an der strategischen Grundkonstellation nichts mehr ändern: der Überlegenheit der UdSSR auf konventionellem Gebiet antwortete die NATO mit einer nukleare Abschreckungsstrategie. Aufgrund der Stellung der USA als stärkste westliche Nuklearmacht blieb die NATO daher von den strategischen Überlegungen Washingtons geleitet.



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Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.

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