Ulla Jasper
Zwar wird die OSZE sowohl von Vertretern der Nato als auch von EU-Vertretern als die "umfassendste europäische Sicherheitsarchitektur" bezeichnet, doch kann dies nicht über ein wesentliches Manko hinwegtäuschen: es fehlen ihr zwingende Mittel und Instrumente zur Durchsetzung ihrer Maßnahmen und Aktivitäten auch in politisch schwierigen Situationen. Die OSZE hat weder dem Kapitel VII der UN-Charta vergleichbare Instrumente, noch sind die Dokumente der OSZE völkerrechtlich bindend. Dennoch kann die Organisation auf Grund ihres weit gefassten Sicherheitsbegriffes und dem daraus resultierenden weiten Aufgabenfeld sowie aus ihre großen Mitgliedschaft einen wesentlich Beitrag zu einer kooperativen europäischen Sicherheitsarchitektur leisten. Die OSZE konzentriert sich in ihrer Arbeit gegenwärtig vor allem auf die Bereiche Frühwarnung, Konfliktprävention, Krisenbewältigung und Konfliktnachsorge. Entsprechend der unterschiedlichen Gegebenheiten unterscheiden sich auch die Missionen, je nach Auftrag und Voraussetzungen im Zielland, in ihrem Inhalt, ihrer Struktur und in ihrer Länge. Beobachtungs- und Erkundungsmissionen, die von mindestens 5 Mitgliedsländern gefordert werden müssen und vom Zielstaat nicht abgelehnt werden können, sollen dazu dienen, die Konfliktparteien anzuhören und gesellschaftliche Gruppen zu treffen, um der OSZE ein objektiveres Bild von der Situation im Land zu verschaffen. Gleichzeitig können Missionen dieser Art helfen, durch Mediation, aber auch durch den entstehenden politischen Druck, der mit der Initialisierung solch einer Mission verbunden ist, zu einer Beschwichtigung des Konflikts – sofern dieser sich noch in einem Anfangsstadium befindet – beizutragen.
Anders ist die Situation bei OSZE-Langzeitmissionen, die in erster Linie dann zum Tragen kommen, wenn der Konflikt so weit fortgeschritten ist, dass internationale Beobachter und Vermittler über einen längeren Zeitraum vor Ort eingesetzt werden müssen:
"The tasks of the OSCE missions include the following: promote contacts and negotiations between parties in conflict, monitor peacekeeping troops with their consent, encourage respect for human rights, help to create democratic institutions, facilitate humanitarian assistance, help refugees and displaced persons to return to their homes, report objectively, and show OSCE presence."[8]
Törnudd weist auch darauf hin, dass die traditionelle Unterscheidung zwischen kurzen Beobachtungs- und Erkundungsmissionen einerseits und längerfristigen Missionen zum Wiederaufbau demokratischer Strukturen etc. andererseits nicht mehr klar aufrecht zu erhalten sei. Die Übergänge zwischen beiden operativen Maßnahmen ist mittlerweile fließend, wie das Beispiel Jugoslawien deutlich gemacht hat:
"The field missions here [in Jugoslawien] have been working both with short term crisis management and fact-finding tasks and with long-term peace building."[9]
Die Übersicht über die Entwicklung der OSZE seit ihrer Gründung im Jahr 1975 hat gezeigt, dass die Organisation zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur herangewachsen ist und einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der früheren WP-Staaten beigetragen hat.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Organisation vor mehreren Problemen steht:[10]
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