Paul Rogers, Simon Whitby, Malcolm Danooy
Hinter dieser Kurzform verbirgt sich die „Konvention über das Verbot der Entwicklung Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen und über Ihre Vernichtung“. Abgeschlossen im April 1972, trat das Abkommen im März 1975 in Kraft. Seitdem haben über 140 Staaten es unterzeichnet, teilweise jedoch noch nicht ratifiziert. Zu den Vertragsstaaten gehören unter anderem alle NATO-Mitglieder, die Staaten Mittel- und Osteuropas sowie etwa die Hälfte der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion Die Bundesrepublik ratifizierte den Vertrag im April 1983. Sie hatte bereits in den Pariser Verträgen vom 23.10.1954 einseitig und freiwillig auf die Herstellung von atomaren, biologischen und chemischen Waffen verzichtet.
Was entsprechende B-Waffeneinsätze zur Erntevernichtung anrichten könnten, zeigt sich im Vergleich mit natürlichen Epidemien; In den Jahren 1845-1850 verursachte die von einem Pilz ausgelöste Kartoffelfäule die ,,Große Hungersnot“ in Irland, in deren Verlauf über eine Million Menschen starben und eine weitere Million das Land verließ. Über zwei Millionen Menschen verhungerten zwischen 2942 und 1943 in Bengalen, als ein Teil des Reises durch den Pilz Bipolaris oryzae befallen wurde. Auch der wirtschaftliche Schaden kann bedeutend sein. 1970 verursachte der Pilz Helminthosporium maydis, der Erreger von Maisbrand, im Süden der USA Schäden im Wert von einer Milliarde US-Dollar. Periodisch wiederkehrende Epidemien von Getreiderost oder Getreidebrand bringen weltweit nicht selten Einbußen von Hunderten Millionen US-Dollar Kaffeerost vernichtete im 19. Jahrhundert zahlreiche Pflanzenbestände in Südostasien und entwickelte sich in den letzten zwanzig Jahren in Lateinamerika zu einem großen Problem.
Eine durch B-Waffen ausgelöste Epidemie unter Nutzpflanzen dürfte wie ein natürlicher Befall erscheinen, so daß bei einem heimlichen Anschlag dem Aggressor nichts angelastet werden kann. Tückisch sind die Waffen auch in anderer Hinsicht. wenn eine Regierung für offene feindselige Maßnahmen gegen ein anderes Land öffentliche Zustimmung sucht, mag ein militärischer Schlag gegen Pflanzen, ähnlich Wirtschaftssanktionen, psychologisch vertretbarer wirken als direkte Angriffe auf lebende Personen. Milzbrandbazillen in einer Großstadt freigesetzt, ließen hunderttausende Bewohner rasch auf qualvolle Weise sterben. Demgegenüber erscheint eine Zerstörung der Ernte, bei der Menschen nicht direkt betroffen sind, vergleichsweise harmlos.
Tatsächlich jedoch können auch diese Maßnahmen fatale Folgen haben. In einem armen Land, in dem Millionen von Menschen überwiegend von einer einzigen Getreidesorte wie Reis leben, führen drastische Einbußen der Ernte zu einem Mangel an Grundnahrungsmitteln, der besonders die einkommensschwachen Schichten trifft. Über die direkte Bedrohung einer Hungersnot hinaus, schwächt Unterernährung die Abwehrkräfte gegen eine Vielzahl gewöhnlicher Krankheiten, und dann steht das Leid in der Bevölkerung dem eines Milzbrandangriffs nicht nach. Ein gezielter, gravierender biologischer Schlag gegen die Ernte kann in diesem Fall durchaus ähnlich viele Leben, wenn nicht mehr, kosten wie die direkte Infizierung einer Großstadtbevölkerung mit der Seuche. In jedem Fall richtet sieh der Einsatz in erster Linie gegen die Zivilbevölkerung, wobei der Angreifer nicht einmal vorgeben kann, militärische Ziele avisiert zu haben.
Seit nunmehr hundert Jahren werden energische Versuche unternommen, eine internationale gesetzliche Kontrolle der Kriegsführung allgemein zu etablieren; der jüngste Erfolg ist das Verbot von Landminen. Vor allem geht es darum, Angriffe auf die wehrlose Zivilbevölkerung zu minimieren. B-Waffen jedoch würden eben diese Menschen am ehesten treffen. Eine scheinbar schmerzlose Form des Kriegs - ohne Explosionen, Kugeln, Minen oder Bomben – könnte in Wirklichkeit ein erschreckendes Massensterben auslösen. Theoretisch sind biologische Kampfstoffe gegen Nutzpflanzen somit ein wichtiger Bestandteil des staatlichen Waffenarsenals - kein Wunder, daß die. ses Potential schon seit etlichen Jahrzehnten weites Interesse gefunden hat. Frankreich begann beispielsweise 1921, biologische Waffen zu entwickeln, und nahm Ende der dreißiger Jahre auch die Kartoffelfäule sowie den Kartoffelkäfer ins Programm.
Großbritannien hingegen konzentrierte sich während des Zweiten Weltkrieges auf Milzbrand. Die im Rahmen dieses Programms durchgeführten Freilandversuche auf der Gruinard-Insel vor der schottischen Küste machten das Eiland 50 Jahre lang für Menschen unbewohnbar. Die bedenkliche Nähe zum Festland führte dazu, daß die Tests 1943 auf die Versuchsstation Suffield verlagert wurden, mitten in die freie Prärie der kanadischen Provinz Alberta. Ebenso investierten die Briten in die Entwicklung von Kampfstoffen zur Nutzpflanzenvernichtung, wobei sie sich auf diverse chemische Herbizide konzentrierten. Einige dieser Pflanzenvernichtungsmittel wurden in den fünfziger Jahren bei der Bekämpfung kommunistischer Rebellen in West-Malaysien verwendet. Letztlich bereiteten sie den USA den Weg für einen umfangreichen Einsatz chemischer Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg, also in den sechziger und siebziger Jahren.
Auch im Deutschen Reich wurde während des Zweiten Weltkriegs an Waffen gegen Menschen wie auch gegen Nutzpflanzen geforscht. In einer nach dem Krieg durch die USA ausgearbeiteten Analyse heißt es, wahrscheinlich hatten die Forscher der Abteilung Kampfstoffe gegen Pflanzen mehr Pläne und Ideen entwickelt als jede andere. Mehrfach und nachdrücklich wird ein möglicher Einsatz verschiedener Kampfstoffe gegen England betont, in einem Fall wird speziell Amerika erwähnt. Die Deutschen untersuchten zahlreiche Pflanzenkrankheiten - so die Kraut- und Knollenfäule an Kartoffeln, Reisbrand sowie verschiedene Arten Weizenrost -daneben aber auch einige Schadinsekten. Im Jahre 1943 war bereits ein groß angelegtes Programm zur Zucht von Kartoffelkäfern angelaufen. Aufzeichnungen weisen darauf hin, daß die Tiere wohl im Juni 1944 einsatzbereit gewesen wären -zu spät allerdings, um die britische Kartoffelernte desselben Jahres noch zu schädigen. Infolge der deutschen Kapitulation im Folgejahr unterblieb glücklicherweise die Erprobung.

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