Daniel Maier, Frank Umbach, Andreas Wendlberger
Unabhängig von der aktuell geführten Diskussion bleibt eines festzuhalten: "Terrorismus" ist ein höchst umstrittener Begriff, der sich kaum auf eine einfache und allgemein akzeptierte Formel reduzieren läßt. Besonders aus zwei Gründen scheint es schwierig zu sein, den Wesenskern des "Terrorismus" zu definieren.
"Terrorismus" bezeichnet ein äußerst komplexes politisches Phänomen, das sich aufgrund seiner vielfältigen und wechselnden Ausdrucksformen einer exakten und endgültigen Definition entzieht. Erschwerend kommt hinzu, daß Terroristen per definitionem im Verborgenen operieren und es daher schwieriger als in anderen Forschungsfeldern ist, an verläßliche und empirisch nachprüfbare Informationen zu gelangen.
Eine endgültige Definition kann es aber auch deshalb nicht geben, da es sich beim Wort "Terrorismus" nicht nur um einen wissenschaftlichen Fachbegriff, sondern v.a. auch um einen politischen Kampfbegriff handelt. Es fällt daher schwer, die Expertendiskussion über dieses Phänomen völlig vom politischen Diskurs zu trennen. Das Wort "Terrorismus" ist eindeutig und ausschließlich negativ besetzt und dient dazu, politische Feinde zu brandmarken und ihre Methoden zu ächten. Kaum ein Mitglied der bekannteren Terrorgruppen würde sich daher selbst als Terrorist bezeichnen. "Niemand der für eine gerechte Sache eintritt," so z.B. Jassir Arafat, "kann als Terrorist bezeichnet werden."[6] Terroristen sehen sich oft als Opfer, die sich gegen ihre vermeintlichen Unterdrücker in einem Freiheitskampf wähnen (vgl. dazu die Namen vieler terroristischer Gruppen, z.B. Nationale Befreiungsfront, Volksfront für die Befreiung Palästinas oder Freiheit für die Baskische Heimat).
Unter "Terrorismus" wird gemeinhin eine spezifische Form von politischer Gewalt bzw. deren Androhung gegen Sachen oder Menschen verstanden. Spezifisch an terroristischen Handlungen ist, daß die ausgeübte Gewalt nicht nur als illegal, sondern auch als politisch und moralisch illegitim verurteilt wird. Letztendlich fließt also immer ein ethisches Kriterium in die Ächtung eines Gewaltaktes als terroristisch mit ein. Sie ist damit zwangsläufig vom eigenen moralischen Standpunkt abhängig. Hinzu kommen weitere Merkmale, die das Phänomen des Terrorismus näher beschreiben.
Psychologische Erklärungsmuster für terroristische Akte werden zwar nicht selten angeführt, von den meisten Experten jedoch abgelehnt (auch wenn gewisse pathologische Dispositionen bei manchen Terroristen durchaus vorliegen können). Gemeinhin wird Terrorismus jedoch als rationales, geplantes und systematisches Handeln in der Form von Gewalttaten verstanden und eben gerade nicht als spontaner oder willkürlicher Akt. Aufgrund dieser strategischen Zweck-Mittel-Relation fällt der Blick automatisch auf die Zielrichtung terroristischer Aktionen.
Die Motive für terroristische Akte sind sehr vielfältig. Als Haupttriebkräfte für terroristische Gewalt werden häufig genannt: religiös-fundamentalistische, sektiererisch-messianische, ideologisch-gesellschaftspolitische, marxistisch-leninistische, fremdenfeindlich-nationalistische, befreiungsideologische oder irredentistisch-sezessionistische.
Egal welche Ziele terroristische Gruppen jedoch im einzelnen verfolgen, deren Zielrichtung ist immer politischer Natur. Sie wollen das Verhalten von Regierungen, Gesellschaften oder einzelner sozialer Gruppen verändern und deren Wertesystem beeinflussen. Terroristen geht es dabei um den Effekt, den ihre Taten auf den Willen, das Denken und die Psyche des Gegners auslösen. Sie suchen das bestehende Herrschaftssystem und den Glauben an die Regierung zu unterminieren und die Gesellschaft durch die Verbreitung von Angst und Schrecken einzuschüchtern. Gleichzeitig soll der Staat zu einer Überreaktion herausgefordert werden.
Oft wird jedoch übersehen, daß Terrorismus auch eine "positive" Stoßrichtung hat: Er soll die eigenen Sympathisanten durch ein "Erfolgserlebnis" wieder enger zusammenschweißen und andere zur Solidarisierung mit den eigenen Zielen bewegen. Terroristische Akte richten sich also nicht hauptsächlich gegen die unmittelbaren Opfer der terroristischen Tat, sondern gegen die Gesamtgesellschaft und deren politische Ordnung. Daher kann allein schon die glaubwürdige Androhung von Gewalt ein Terrorakt darstellen (Psychoterror). Es geht dem Terroristen nicht um sein unmittelbares Opfer, sondern der Wirkung seiner Taten auf die Gesamtgesellschaft
Der Terrorist versucht immer, mit seiner Tat eine bestimmte Botschaft an Freund und Feind zu senden. Dieses Ziel entscheidet über die Auswahl ihrer Mittel. Um ein Maximum an Wirkung mit einem Minimum an Aufwand zu erzielen, greifen Terroristen auf unkonventionelle Methoden und die Anwendung von sog. "asymmetrische Gewalt" zurück. Sie wollen ihren in der Regel überlegenen Gegner so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten und setzen daher auf selektive, exemplarische, öffentliche und symbolische Akte von Gewalt. Diese "Propaganda der Tat" verspricht einen hohen Nachrichtenwert und ist damit ideal geeignet, die eigene Botschaften zu kommunizieren. Die Rolle der Medien spielt für den Terrorismus daher eine kaum zu überschätzende Rolle, da ein terroristischer Akt erst über die Medien seine Wirkung auf die gesamte Gesellschaft entfalten kann. Daher wird die Berichterstattung oft bewußt in die Planung terroristischer Gewalttaten einkalkuliert.
Gemein ist diesen Motiven, daß sie alle politischer Natur sind. Anders als Kriminellen geht es Terroristen nicht darum, persönliche Vorteile zu gewinnen. Ansonsten wären z.B. Selbstmordattentate als ein terroristisches Mittel nicht denkbar. Folglich legitimieren Terroristen ihre Handlungen auch ausnahmslos mit angeblich "höheren" politischen Zielen, welche die Anwendung von Gewalt rechtfertigen würden.
Es ist schwierig, die Vielzahl von sehr unterschiedlichen terroristischen Gruppen auf einen Nenner zu bringen. Da Terrorismus eine sehr ökonomische Form der politischen Gewalt darstellt, gilt er als eine Waffe der Schwachen, der auch kleinen und marginalsierten Gruppen relativ viel Macht verleiht. Manchmal greifen allerdings auch Staaten zu terroristischen Maßnahmen (Staatsterrorismus)
Einige Beobachter sehen im Terrorismus lediglich eine Form der Kriegsführung. Auch wenn terroristische Aktionen von militärischen Einheiten als zusätzliches Mittel eingesetzt werden, empfahl es sich bisher jedoch, an der Trennung zwischen Krieg und Terrorismus festzuhalten.
Sowohl Krieg als auch Terrorismus gemein ist neben einem kalkulierten Einsatz von Gewalt, das psychologische Moment, die Strategie, auf Denken und Willen des Gegners Einfluß zu nehmen. Insofern wird es heute schwieriger, einem Gewaltakt einen Namen zu geben. Krieg wird gemeinhin als ein gewaltsamer Massenkonflikt beschrieben, der ein gewisses Maß an Kontinuität der Kampfhandlungen aufweist und an dem auf einer Seite der Konfliktparteien Streitkräfte der Regierung beteiligt sein müssen. (Vgl. auch I)

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