Home > Sachgebiete > Weltwirtschaft und Globalisierung > Grundlagen > Fortsetzung: Internationaler K...

Fortsetzung: Internationaler Kaptialverkehr

Stormy Mildner

1.1 Begriffe

Unter Weltwirtschaft versteht man grundsätzlich alle Beziehungen und Verflechtungen, die durch den internationalen Handel, Bewegung von Kapital und Arbeit zwischen den Volkswirtschaften entstehen. Die Weltwirtschaftsordnung ist das System aller vertraglichen Regelungen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Als Weltfinanzsystem bezeichnet man die zugrundeliegende Mikrostruktur für die Abwicklung von Finanzaktionen, wobei die Finanzinstitute und Märkte für Finanztransaktionen das Rückgrat des Weltfinanzsystems bilden. Das Weltwährungssystem ist die Gesamtheit aller institutionellen und praktischen Regelungen, die die reibungslose Durchführung von zwischenstaatlichen wirtschaftlichen Transaktionen gewährleisten. Zu diesen Transaktionen zählen insbesondere der Zahlungs- und Kreditverkehr. Zum Weltwährungssystem gehören vor allem die Vereinbarungen, die innerhalb des IWF, der OECD, BIZ und der EU getroffen wurden.

Währungsordnungen

Es gibt unterschiedliche Währungssysteme. Dazu zählen unter anderem das System fester Wechselkurse (wie das Bretton Woods System fester Wechselkurse von 1945-1973), die Währungsunion (wie die Europäische Währungsunion), der Goldstandard (wie im 19. Jahrhundert) und das System flexibler Wechselkurse (flexible Wechselkurse zwischen den G-8 Ländern heute).

Bei der Einführung eines Währungssystems ist zu beachten, dass die drei Ziele: 1. freier Kapitalverkehr, 2. Autonomie der Geldpolitik und 3. stabile Wechselkurse nicht gleichzeitig erreicht werden können. Sollen insbesondere die Wechselkurse stabil gehalten werden, muss man entweder auf eine eigenständige Geldpolitik wie im Goldstandards verzichten oder auf die Kapitalverkehrsfreiheit wie im Bretton Woods System fester Wechselkurse. Bevorzugt man eine Kapitalverkehrsfreiheit und möchte die Eigenständigkeit der Geldpolitik bewahren, so muss man die Stabilität der Wechselkurse aufgeben. Bevorzugt man ein System fester Wechselkurse bei einer gleichzeitigen Wahrung der eigenständigen Geldpolitik, so muss die Kapitalverkehrsfreiheit eingeschränkt werden.

Die Wahl des Währungssystems wird grundlegend von nationalen Interessen und internationalen Verflechtungen beeinflusst. Ein Land, das im hohen Maße von Exporten abhängig ist, enge Handelsbeziehungen mit seinen Nachbarn unterhält und in dem der Exportsektor politisch sehr einflussreich ist, wird ein System fester Wechselkurse befürworten. Beispiele hierfür sind das Europäische Währungssystem und die Europäische Währungsunion. Bei Beibehaltung der Kapitalmobilität und bei Einführung einer gemeinsamen Währung muss die nationale Geldpolitik aufgegeben werden. Ist für ein Land die eigenständige Geldpolitik wichtiger und der Finanzsektor sehr einflussreich, der Einschränkungen der Kapitalverkehrsfreiheit ablehnt, so wird das entsprechende Land Wechselkursstabilität zugunsten von Kapitalverkehrsfreiheit und Autonomie der Geldpolitik aufgeben. Ein Beispiel hierfür sind die USA seit den 1970er Jahren.

Wechselkurse

System flexibler Wechselkurse

In einem System flexibler (freier, floatender, schwankender) Wechselkurse ergibt sich der Gleichgewichtskurs durch das freie Spiel der Marktkräfte am Devisenmarkt: Devisenangebot und Devisennachfrage. Der Wechselkurs ist der Kurs, der Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringt. Umtausch der Devisen in Inlandswährung, beziehungsweise Umtausch der Inlandswährung in Devisen ist nur am Devisenmarkt, nicht bei der Zentralbank möglich.

System fester Wechselkurse

Im System fester Wechselkurse sind die Notenbanken, anders als im System flexibler Wechselkurse, verpflichtet, ausländische Währungen zu einem gesetzlich festgelegten oder vertraglich geregelten, fixierten Kurs in inländische Währung umzutauschen. Die Notenbanken sind verpflichtet, diesen Kurs zu halten. Im Falle eines Abwertungsdrucks auf die inländische Währung sind sie verpflichtet, diese auf dem Devisenmarkt anzukaufen, so dass das Angebot der inländischen Währung sinkt und folglich ihr Preis wieder steigt. Ist der Abwertungsdruck durch Inflation im Inland entstanden, müssen sie die Geldmenge reduzieren.

Goldstandard

In einem Goldstandard legt jedes beteiligte Land den Wert seiner Währung zum Gold fest. Innerhalb des klassischen Goldstandards des 19. Jahrhunderts betrug der Preis einer Unze Gold in New York um 1914 zum Beispiel 20 Dollar und in Großbritannien 5 Pfund. Dadurch ergab sich ein fester Wechselkurs zwischen dem US-Dollar und dem Pfund von 5 Dollar für ein Pfund. Die festen Wechselkurse wurden zwischen den nationalen Währungen aufrecht erhalten.

Ein Goldstandard zeichnet sich durch folgende drei Charakteristika aus:

Es werden vier verschiedene Formen der Goldstandards unterschieden:

Während des Goldstandards des 19. Jahrhunderts waren die Deckungsvorschriften (die Deckung des umlaufenden Geldes durch Gold) unterschiedlich. Betrug in England die Deckungsvorschrift 100%, lag sie in anderen Ländern darunter.

Funktionsweise: Grundlegende Annahme sind Vollbeschäftigung und vollkommen flexible Preise, wobei der Goldpreis starr/fixiert ist. Vier Mechanismen haben zur Funktionsweise und Stabilisierung des internationalen Goldstandards beigetragen:

Interaktion von Goldproduktion und Preisniveau zur Sicherung der Preisniveaustabilität: Die gleichmäßige Gold- und Geldversorgung wird durch die Interaktion von Goldproduktion und Preisniveau gesichert. Eine ansteigende Goldproduktion führt zu einer steigenden Geldmenge. Die steigende Geldmenge führt zu Inflation, also steigenden Preisen. Durch das steigende Preisniveau steigen die Kosten der Produktion von Gold. Dahingegen bleibt der Goldpreis, wie bereits erwähnt, gleich. Durch die steigenden Produktionskosten wird weniger Gold produziert/abgebaut und die daraus folgende Geldschöpfung geht wieder zurück. Folglich sinkt das Preisniveau wieder.

Durch die Interaktion von Goldproduktion und Preisniveau wird ein langfristig stabiles Preisniveau gesichert. Kurzfristig kann es zu Schwankungen kommen. Hier muss angemerkt werden, dass eine Innovation der Goldproduktion, die zu einer langfristigen Verbilligung der Produktion führt, das Preisniveau dauerhaft verändert.

Goldarbitrage zur Sicherung der Stabilität der Wechselkurse: Die Stabilität der Wechselkurse wird durch die Goldarbitrage gesichert. Dieser Mechanismus läßt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: In Land A kommt es aufgrund steigender Importe aus Land B zu einer steigenden Nachfrage nach Devisen. Durch diese steigende Nachfrage ist das Gleichgewicht am Devisenmarkt gestört: durch das steigende Angebot der Währung des Landes A wird die Währung des Landes abgewertet. Durch die steigende Nachfrage nach der Währung des Landes B, wird diese Währung aufgewertet. Der Anstieg des Wechselkurses führt dazu, dass der Goldpreis in Land A relativ zu dem in Land B sinkt. Arbitrageure werden nun im Inland Gold zu einem geringeren Preis kaufen und in Land B verkaufen, wobei sie das ausländische Geld auf dem Devisenmarkt gegen ihre eigene Währung umtauschen. Dadurch steigt das Angebot der Währung des Landes B, so dass der Preis der Währung fällt. Dahingegen steigt die Nachfrage nach der Währung des Landes A, wodurch der Preis der Währung steigt. Die Währung des Landes A wird wieder aufgewertet, die Währung des Landes B wird abgewertet. Dadurch steigt der Goldpreis wieder in Land A, während der Goldpreis in Land B sinkt. Der Wechselkurs hat sich wieder stabilisiert.

Dieser Mechanismus funktioniert nur, wenn sich die Goldarbitrage auch lohnt. Das heißt, dass die Erträge aus der Preisdifferenzen die Kosten der Goldarbitrage, also des Goldexportes/importes übersteigen. Die Punkte, an denen sich die Goldarbitrage rentiert, sind der Goldimport- und Goldexportpunkt. Zwischen diesen Punkten ist die Goldarbitrage zu gering, da die Kosten den Ertrag überschreiten. Folglich greift der Stabilisierungsmechanismus hier nicht, und die Wechselkurse können frei schwanken.

Geldmengenpreismechanismus und Geldmengenzinsmechanismus: Beide Mechanismus sollen anhand eines Beispiels illustriert werden: Angenommen wird wieder, dass Land A aufgrund eines exogenen Schocks mehr Güter aus Land B nachfragt als umgekehrt. Land A hat gegenüber Land B ein Handelsbilanzdefizit, wohingegen Land B einen Handelsbilanzüberschuss hat. Folglich kommt es zu einem Goldabfluss aus Land A nach Land B, wodurch die Zahlungsbilanz in beiden Ländern ins Ungleichgewicht gerät.

Durch den Goldfluss von Land A nach Land B verringert sich die Geldmenge in Land A, wohingegen sie in Land B steigt.

Geldzinsmechanismus: Durch die steigende Geldmenge in Land B sinken nun die Zinsen, wobei die Zinsen in Land A aufgrund der sinkenden Geldmenge steigen. Durch die höheren Zinsen fließt Kapital von Land B nach Land A. Land A hat eine positive Kapitalverkehrsbilanz, Land B eine negative, die den Handelsbilanzsalden gegenüber stehen. Die Kapitalflüsse von Land B nach Land A finden solange statt, bis sich die Zinsen wieder angeglichen haben. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Investitionsgütern in Land B, so dass die Importe von Investitionsgütern steigen. Währenddessen sinken die Investitionen in Land A durch die steigenden Zinsen und die Nachfrage nach Investitionsgütern und die Importe gehen zurück. Sowohl die Anpassungen über den Gütermarkt als auch über den Kapitalmarkt tragen dazu bei, dass die Zahlungsbilanzen wieder ins Gleichgewicht kommen.

Geldmengenpreismechanismus: Mit dem Anstieg der Geldmenge in Land B steigt in Land B die monetäre Nachfrage, während in Land A die monetäre Nachfrage aufgrund der sinkenden Geldmenge fällt. Folglich kommt es zu einem Preisniveauanstieg in Land B und zu einer Preisniveausenkung in Land A, wodurch sich die Waren aus Land A relativ zu denen aus Land B verbilligen (der Wechselkurs ist aufgrund der Goldarbitrage stabil). Dadurch steigen die Exporte von Land A, während die Importe von Land B steigen. Der Goldabfluss von Land A nach Land B kehrt sich um. Die Zahlungsbilanz kommt wieder ins Gleichgewicht.

Zahlungsbilanz

Erfassung der wirtschaftlichen Transaktionen mit dem Ausland in einer Periode. (In einer Bilanz werden Transaktionen in einer Periode (Stromgröße), nicht zu einem Zeitpunkt erfasst.)

Die Zahlungsbilanz unterteilt sich in die Leistungsbilanz und die Kapitalverkehrsbilanz (oft nur Kapitalbilanz genannt).

Leistungsbilanz:

1) Handelsbilanz: (Warenverkehr) Export - Import.

In der Handelsbilanz (auch Außenhandelsbilanz genannt) werden die Exporte und Importe von Waren erfasst. Im Handelsbilanzsaldo wird dargestellt, ob mehr Waren importiert oder exportiert werden.

2) Dienstleistungsbilanz: In der Dienstleistungsbilanz werden die Ex-und Importe von Dienstleistungen erfasst.

Werden die Salden aus Handels- und Dienstleistungsbilanz zusammengefaßt, erhält man den Außenbetrag zum Bruttoinlandsprodukt.

3) Übertragungsbilanzsaldo: Gegenbuchung zu einseitigen Transfers, z.B. Beiträge an internationalen Organisationen. Es handelt sich um Übertragungen, wenn keine Gegenleistung erfolgt.

4) Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen: Hier werden die an das Ausland geleisteten Erwerbs- und Vermögenseinkommen (z.B. Zinsen und Löhne) verbucht.

2. Kapitalverkehrsbilanz: Veränderung der Kapitalforderungen in einer Periode: hier werden Veränderungen von Forderungen bez. Verbindlichkeiten des Inlands gegenüber dem Ausland erfaßt. Saldo: Kapitalimport - Kapitalexport.

Zur Kapitalbilanz gehören die Devisenbilanz (Veränderungen von Forderungen bez. Verbindlichkeiten der Zentralbank des Inlands gegenüber dem Ausland) und die Kapitalbilanz im engeren Sinn, KE (ohne die Auslandstransaktionen der Zentralbank). Die Kapitalbilanz im engeren Sinn wird eingeteilt in: Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Kapitalverkehr und sonstige Transaktionen.

3. Bilanz der ungeklärten Restposten: Viele Transaktionen der Zahlungsbilanz sind nur schwer zu erfassen. Insbesondere der Bereich Dienstleistungen ist nur schwer exakt zu fassen. Dieses führt zusammen mit der unabhängigen Erfassung der Teilbilanzen der Zahlungsbilanz

dazu, dass sich die Salden der Teilbilanzen nicht zu Null addieren. In der Bilanz der ungeklärten Restposten werden Größen, die statistisch nicht aufgliederbar sind, erfasst.

Teilbilanz
Aktivseite
Passivseite
Handelsbilanz
Warenexporte
Warenimporte
Dienstleistungsbilanz
Dienstleistungsexporte
Dienstleistungsimporte
Übertragungsbilanz
empfangene Übertragungen
geleistete Übertragungen

Kapitalbilanz

Kapitalimporte
Kapitalexporte
Devisenbilanz
 
Veränderung der Auslands-position der Bundesbank
Ungeklärter Restposten
 
 

Beispiele:

Wie werden folgende Transaktionen in der deutschen Zahlungsbilanz verbucht?

1)      Ein amerikanischer Exporteur liefert Waren im Wert von 3 Mio. Dollar an Deutschland.

2)      Ein deutsches Touristikunternehmen beauftragt seine Handelsbank, 2 Mio. DM an ein Spanisches Hotel zu bezahlen.

3)      Es werden waren im Wert von 4 Mio. DM importiert, für deren Bezahlung sich der Importeur die notwendigen Devisen bei der Zentralbank beschafft.

4)      Ein deutsches unternehmen kauft 30% eines US-amerikanischen Unternehmens für 30 Mio. DM.

5)      Der Bund entrichtet Finanzbeträge an den IWF in Höhe von 10 Mrd. DM. Die Devisen hierfür stammen von er Zentralbank.

6)      Ein deutsches Unternehmen exportiert Waren im Wert von 5 Mio. DM.

 

Teilbilanz
Aktivseite
Passivseite
Handelsbilanz
5 Mio. (6)
3 Mio. (1)
   
4. Mio. (3)
Dienstleistungsbilanz  
2 Mio. (2)
Übertragungsbilanz  
10 Mrd. (5)
Langfristiger Kapitalverkehr  
30 Mio. (4)
Devisenbilanz  
4 Mio (3)
   
10 Mrd. (5)

Die genauere Verbuchung der einzelnen Komponenten erfolgt je nach Land unterschiedlich. Für die internationale Kommunikation ist das folgende Vokabular nützlich: die Balance of Payments (Zahlungsbilanz) besteht aus Current Account (Leistungsbilanz) und Capital Account (Kapitalverkehrsbilanz).

In der Theorie sollten Leistungsbilanz- und Kapitalverkehrsbilanzungleichgewichte einander immer ausgleichen und die Zahlungsbilanz im Gleichgewicht sein. Das heißt, dass ein Land, das mehr importiert als exportiert, also ein Leistungsbilanzdefizit hat, dieses Defizit finanzieren muss, indem es mehr Kapital importiert als es exportiert (ein Kapitalbilanzüberschuss). Insgesamt tätigt jedes Land genau im Umfang seines Leistungsbilanzüberschusses Kapitalexporte, beziehungsweise tätigt Kapitalimporte in Höhe seines Leistungsbilanzdefizits.

Zahlungsbilanzdefizite entstehen zum Beispiel durch sehr große Importmengen, denen keine entsprechenden Exporte gegenüberstehen oder durch mangelnde ausländische Investitionen in dem betreffenden Land. Sie sind typisch für viele Entwicklungsländer, denen ein funktionsfähiger Exportsektor und die Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen fehlen.

Ein Zahlungsbilanzdefizit führt zu Devisenmangel, weil die Exporte und Investitionen nicht in demselben Maße ausländische Währung ins Land bringen, wie sie zur Bezahlung der Importe benötigt werden. In der Theorie gleichen die Marktkräfte jedes Zahlungsbilanzungleichgewicht automatisch wieder aus. Zu den Ausgleichsmechanismen zählen:

Die Funktionsweise dieser Mechanismen ist grundlegend von den institutionellen Rahmenbedingungen und von dem gewählten Währungssystem abhängig:

System fester Wechselkurse: In einem System fester Wechselkurse kommen die Geldmengenwirkungen durch die Ankaufverpflichtungen der Notenbanken zustande. Der Geldmengenpreis- und Geldmengenzinsmechanismus läßt sich am besten an einem Beispiel demonstrieren. Geldmengenpreismechanismus: Angenommen werden zwei Länder: das Inland A und das Ausland B. Land A hat ein Handelsbilanzdefizit, Land B einen Überschuss. Es kommt zu einer steigenden Nachfrage nach Devisen ? die Auslandswährung B wird stärker nachgefragt als die Inlandswährung A. Dadurch entsteht ein Aufwertungsdruck auf die Auslandswährung B und ein Abwertungsdruck auf die Inlandswährung A. Die Zahlungsbilanz beider Länder gerät ins Ungleichgewicht. Nun ist die Notenbank des Landes A verpflichtet, die Inlandswährung anzukaufen. Dadurch sinkt das Angebot an Inlandswährung, ihr Preis steigt. Die Notenbank des Landes B ist verpflichtet, die Währung A anzukaufen und seine eigene Währung zu verkaufen. Dadurch steigt das Angebot der Währung B. Folglich kommt die Zahlungsbilanz wieder ins Gleichgewicht

Geldmengenzinsmechanismus: Durch den Ankauf der Inlandswährung A der Notenbank des Landes A sinkt die Geldmenge. Folglich steigt der Zins. In Land B steigt die Geldmenge und der Zins fällt. In Land A sinken folglich die Investitionen, die durch den höheren Zins teurer werden und der Import von Investitionsgütern geht zurück. Die Importe gehen zurück und das Handelsdefizit sinkt. Im Land B steigen die Investitionen durch die niedrigeren Zinsen und die Nachfrage nach Investitionsgütern steigt. Folglich steigen die Importe. Gleichzeitig führen die Zinsdifferenzen zwischen Land A und Land B dazu, dass Kapital von Land B in Land A fließt, bis die Zinsen wieder ausgeglichen sind.

Keneysianischer Einkommensmechanismus: während bei den beiden vorhergegangenen Mechanismen flexible Preise und Vollbeschäftigung angenommen werden, werden hier starre Preise und Unterbeschäftigung angenommen.

Beispiel: Die Nachfrage nach Exportgütern steigt in Land B: Die Exporte aus Land B nach Land A steigen darauf hin. Durch die erhöhte Nachfrage wird mehr produziert. Folglich steigt das Einkommen, wodurch mehr gespart und mehr nachgefragt wird. Es kommt nicht zur Inflation, wie es in einem Vollbeschäftigungsmodell der Fall gewesen wäre, da es durch die Unterbeschäftigung noch unausgelastete Kapazitäten gegeben hat. Durch die steigende Nachfrage steigt auch die Nachfrage nach Importgütern, die Importe steigen. Gleichzeitig führt die gestiegene Sparquote zu steigenden Kapitalexporten. Die Zahlungsbilanz kommt wieder ins Gleichgewicht.

System flexible Wechselkurse: In einem System flexibler Wechselkurseist der Wechselkursmechanismus der wesentliche Mechanismus zum Ausgleich der Zahlungsbilanz, da die Notenbanken nicht zu Devisenkäufen verpflichtet sind. Auch ist die Wirkung des keynesianischen Einkommensmechanismus hier nicht mehr eindeutig.

Der Wechselkursmechanismus soll anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden: Land B exportiert wieder mehr Güter in Land A als umgekehrt. Dadurch nimmt Land B mehr Devisen ein. Diese können nicht wie in einem System fester Wechselkurse bei der Zentralbank umgetauscht werden, sondern nur auf dem Devisenmarkt. Durch das steigende Devisenangebot entsteht ein Ungleichgewicht am Devisenmarkt. Der Preis der Devise fällt, während der Preis der Währung des Landes B steigt. Die Währung von Land A wird abgewertet, die Währung von Land B aufgewertet. Dadurch steigt der Preis der Exportgüter des Landes B und es exportiert weniger. Die Zahlungsbilanz kommt wieder ins Gleichgewicht.

Wenn einzelne Mechanismen allerdings nicht greifen, kann eine Volkswirtschaft in Schwierigkeiten geraten. Trotz steigender Zinssätze können ausländische Investitionen ausbleiben, wenn das Risiko des Investitionsstandorts als zu hoch eingeschätzt wird. Trotz einer Abwertung der inländischen Währung kann der Exportsektor weiter angeschlagen bleiben, weil keine attraktiven Produkte für den Weltmarkt vorhanden sind. Die Folge sind ständig wachsende Schulden, Arbeitslosigkeit und Armut. Der IWF wurde in Bretton Woods gegründet, um solche Marktunvollkommenheiten auszugleichen und im System fester Wechselkurse nach 1949 Volkswirtschaften mit Zahlungsbilanzdefiziten mit Hilfe von Krediten und Strukturanpassungsvorschlägen zu unterstützen.

Internationaler Kapitalverkehr:

Hierbei handelt es sich um die Gesamtheit der finanziellen, nicht direkt durch den Waren- oder Dienstleistungsverkehr beeinflussten, Transaktionen. Unter dem Begriff "Internationaler Kapitalverkehr" versteht man also einen grenzüberschreitenden Austausch von Finanzaktiva, entweder als Kapitalexport oder Kapitalimport, denominiert in inländischer oder ausländischer Währung. Unterschieden wird zwischen 1. autonomen und induzierten internationalen Kapitalbewegungen (d.h. aus unabhängig gemachten Entscheidungen oder aus Saldenänderungen resultierende internationale Kapitalbewegungen); 2. kurzfristige versus langfristige Kapitalbewegungen wie Direktinvestitionen (FDI) und Portfolioinvestitionen; 3. unentgeldliche internationale Kapitalbewegungen wie Entwicklungshilfe (hauptsächlich motiviert durch moralische, humanitäre Erwägungen) und entgeldliche internationale Kapitalbewegungen.

Motive für entgeldliche internationale Kapitalbewegungen:

Motiviert werden entgeldliche Kapitalbewegungen unter anderem durch Unterschiede in den nationalen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Zu diesen zählen:

  1. Unterschiede in den Geld- und Kapitalmarktzinsen
  2. Unterschiedliche steuerliche Belastung
  3. Marktzugangsbeschränkungen (durch FDI und den Aufbau der Produktion im Ausland können Handelsbarrieren wie Zölle übersprungen werden)
  4. Wechselkurserwartungen
  5. Internationale Devisenspekulation
  6. Unterschiedliche Grenzproduktivität des Kapitals

Internationale Kapitalbewegungen

Internationale Kapitalbewegungen:

Bei internationalen Kapitalbewegungen handelt es sich um Transaktionen zwischen Volkswirtschaften, die eine Änderung der Höhe ihrer Nettoauslandsposition zur Folge haben und in der Zahlungsbilanz erfasst werden .

Kapitalexporte:

Kauf einer auf ausländische Währung laufenden Forderung durch inländische Wirtschaftssubjekte. Dadurch verbessert sich die Gläubigerposition des Inlandes gegenüber dem Ausland. In anderen Worten: Inländer erwerben verzinsliche Forderungen gegenüber dem Ausland, vergeben zum Beispiel Kredite. Ursachen für Kapitalexporte können Unterschiede im Zinsniveau, der Zinserwartungen oder dem Wirtschaftswachstum sein.

Kapitalimport:

Ausländer erwerben verzinsliche Forderungen gegenüber dem Inland. Das heißt, dass ausländische Wirtschaftssubjekte eine auf inländische Währung laufende Forderung erwerben, wodurch eine Auslandsverschuldung entsteht.

Kapitalmarkt:

Der Kapitalmarkt ist der Markt für langfristige (mindestens vier Jahre) Aktien und festverzinsliche Wertpapiere.

Man muss zwischen dem organisierten und nicht-organisierten Kapitalmarkt unterscheiden. Zum nicht-organisierten Kapitalmarkt zählen unter anderem die Kreditbeziehungen zwischen Unternehmen. Die ausgeprägteste Form des organisierten Kapitalmarkts ist die Börse. Der Kapitalmarkt wird durch den Staat und die Bundesbank beaufsichtigt und zur Verwirklichung von gesamtwirtschaftlichen Zielen beeinflusst.

Kapitalverkehrsfreiheit:

Die Kapitalverkehrsfreiheit ist eine seit der Gründung der EG im Vertrag verankerte Grundfreiheit, die jedoch erst 1990 im Rahmen des EG Binnenmarktes vollständig umgesetzt wurde. Um die vollständige Kapitalverkehrsfreiheit zu erreichen, wurden zwischen 1960 und 1980 mehrere EG "Richtlinien zur Verwirklichung der Kapitalverkehrsfreiheit" erlassen. Dabei wurden die letzten Beschränkungen praktisch durch die Richtlinie von 1988, die 1990 in Kraft trat, aufgehoben.

Durch die Kapitalverkehrsfreiheit werden folgende Praktiken verboten:

  1. Jegliche Beschränkung des Kapitalverkehrs zwischen den Mitgliedsstaaten und zwischen dem EU Gebiet und Drittstaaten
  2. Diskriminierung ausländischer Kapitalanlagen (Unterscheidung zwischen inländischen und ausländischen Kapitalanlagen)

Kapitalverkehrskontrollen:

Kapitalverkehrskontrollen sind administrative Behinderungen des internationalen Kapitalverkehrs. So werden zum Beispiel durch 1. Steuern, 2. Bedingungen des Mindestaufenthalts des Kapitals in einem Land, 3. Mengenrestriktionen und 4. Genehmigungspflichten, die Kapitalimporte und –exporte reguliert und reduziert. Man muss zwischen nationalen (Kapitalverkehrskontrollen, die von nationalen Regierungen errichtet werden) und internationalen Kapitalverkehrskontrollen unterscheiden. Zu den internationalen Kapitalverkehrskontrollen gehört die sogenannte "Tobin Tax" (Steuer auf internationale Kapitalbewegungen), die jedoch von der internationalen Staatengemeinschaft aufgrund fehlender Unterstützung (wirtschaftlich und politisch motiviert) nicht umgesetzt wurde.

Devisen

Unter Devisen versteht man sofort fällige Forderungen in ausländischer Währung. Devisen im weiteren Sinne sind Ansprüche auf Zahlungen in fremden Währungen an einem ausländischen Platz. Es sind zumeist Guthaben bei ausländischen Banken sowie auf Fremdwährungen lautende, im Ausland zahlbare Schecks und Wechsel.

Wechselkurse

Unter einem nominellen Wechselkurs (Preisnotierung) versteht man den Preis einer ausländischen Währungseinheit ausgedrückt in Inlandswährung: 1 Pfund kostet 3,2 DM. Der Wechselkurs ist 1 zu 3,2. Beim Devisenkurs (Mengennotierung) ist dahingegen der Preis einer inländischen Währung in Auslandswährung angegeben.

In einem System fester Wechselkurse sind die Notenbanken durch Devisenkäufe verpflichtet, einen gesetzlich oder vertraglich festgelegten Kurs zu halten. Im System flexibler Wechselkurse ergibt sich der Wechselkurs durch Angebot und Nachfrage an den Devisenmärkten.

Unter einem realen Wechselkurs versteht man das Preisverhältnis zweier Güter in unterschiedlichen Währungsräumen. Es wird definiert als nomineller Wechselkurs mal ausländisches Preisniveau dividiert durch das inländische Preisniveau. Nimmt man nun an, dass ein ausländischer Warenkorb 100 Dollar kostet und der entsprechende Warenkorb 200 DM kostet und der Wechselkurs 1,50 ist, so ist der reale Wechselkur = 1,50 DM/Dollar mal 100 geteilt durch 200 = 0,75.

Die Bestimmung des realen Wechselkurses ist recht problematisch, da die Ermittlung repräsentativer und international vergleichbarer Warenkörbe sehr schwierig ist.

Effektiver Wechselkurs: Der effektive Wechselkurs ist kein bilateraler Wechselkurs, sondern ein multilateraler Wechselkurs. Er wird aus dem gewichteten Mittel bilateraler Wechselkurse ermittelt.

Wechselkursrisiko

Unter dem Wechselkursrisiko versteht man das Risiko von Aufwertungen oder Abwertungen als Abweichungen vom Wechselkurs, mit dem die Kalkulation eines Angebotes erstellt wurde bis zum Zeitpunkt der Zahlung. Zur Absicherung können folgende Instrumente genutzt werden:

Währungspolitik:

Werden die Regierungen von keinen internationalen Vereinbarungen eingeschränkt, verfügen sie über folgende Instrumente der Währungspolitik:

  1. Abwertungen
  2. Aufwertungen
  3. Interventionen

1. Abwertungen: Durch die Abwertung der Währung soll die Wettbewerbsfähigkeit der Exportgüter verbessert werden. Durch die Abwertung der Währung werden die inländischen Exportgüter billiger, die Importe von ausländischen Produkten teurer. Kurzfristig führt dieses zu einer Verschlechterung der Leistungsbilanz. So bleiben kurzfristig die Importe als auch die Exporte des Inlandes gleich, da die Nachfrage kurzfristig unelastisch ist. Gründe hierfür sind: 1. Export- und Importmengen sind vertraglich für bestimmte Zeiträume festgelegt sind; 2. Konsumgewohnheiten der Verbraucher sind kurzfristig starr. Da die Kosten für die Importe des Inlandes steigen, verschlechtert sich die Leistungsbilanz des Inlandes kurzfristig. Langfristig werden jedoch die Importe des Inlandes abnehmen. Gleichzeitig werden die Waren des Inlandes billiger, so dass mehr exportiert wird. Die Leistungsbilanz wird längerfristig positiv. Dieser Effekt wird als J-Kurveneffekt beschrieben

.

Dieser positive Effekt kann jedoch leicht verloren gehen. So kann diese Politik - die Manipulation des Wechselkurses zugunsten der nationalen Wirtschaft auf Kosten der Handelspartner - zu handels- oder wechselkurspolitischen Vergeltungsmaßnahmen und einer internationalen Abwertungsspirale führen. So können andere Länder ebenfalls mit Abwertungen antworten. Diese Politik der Währungsabwertung zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit wird als " Beggar thy neighbour policy" beschrieben.

Weiter kann der positive Effekt verloren gehen, wenn die Preissteigerungen, die durch den Preisanstieg der Importgüter und die expansive Wirkung der Abwertung auf das Volkseinkommen ausgelöst werden, nicht durch die heimische Geldpolitik eingedämmt werden.

2. Aufwertung: Mit einer Aufwertung wird der gegenteilige Effekt einer Abwertung erzielt. Diese wird nur im Falle extremer Exportüberschüsse und eines drohenden Inflationsimports durchgeführt.

3. Intervention der Notenbanken: Interventionen finden prinzipiell statt, um die richtigen Relationen zwischen den Währungen zu finden. Sie dienen also der "Kursglättung". Wird durch die Intervention nicht nur eine Kursglättung angestrebt, ist das Ziel der Interventionspolitik ähnlich wie im Fall der Auf- und Abwertung zu bewerten.

Derivative Finanzinstrumente:

Derivate sind Produkte, die von Kassapapieren wie Aktien, oder festverzinsliche Wertpapiere abgeleitet werden. Ihr Preis/Kurs wird unter anderem durch die Weiterentwicklung der Ausgangsinstrumente bestimmt. Zu den Aktienderivativen gehören die Aktienoptionen, Futures und Optionen auf Aktienindizes oder Aktienoptionsscheine. Zu den Zinsderivaten zähen: 1. Die Zinsoptionen, die Zinsfutures, Zinsoptionsscheine, Swaptions, Caps, Collars, Floors und Forward Rate Agreements.

Financial Futures:

(Finanzterminkontakt) Ein Finanzterminkontakt ist ein Instrument des Finanzmarktes, das in den 1970er Jahren einerseits als Sicherungsinstrument (auch als "hedging" bezeichnet) gegen die zunehmenden Wechselkursrisiken und andererseits für spekulative Geschäfte entwickelt worden ist. Es handelt sich hierbei um einen standarisierten, börsenmäßig handelbaren Terminkontakt.

Options:

Innerhalb dieses Termingeschäfts erhält der Käufer einer Option die Wahlmöglichkeit/Option, innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem bestimmten, vorher vereinbarten Zeitpunkt, zu einem vorab festgelegten Kurs, gegen sofortige Zahlung einer Optionsprämie zu verkaufen/ kaufen. 

Termingeschäft:

Unter Termingeschäfte fallen Geschäfte an der Börse wie Futures oder Options, bei denen die Erfüllung eines Vertrags zu einem am Abschlusstag festgelegten Kurs an einem späteren Termin erfolgt.



Fortsetzung: Internationaler Kaptialverkehr


bookmarken bei...

Mister Wong del.icio.us Facebook Furl YiGG Yahoo MyWeb Diigo Folkd StumbleUpon Google Technorati

Sachgebiete

Lektüre

Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.

Weitere Informationen auf der Webseite der DGAP

Home | Newsletter | Suche | Impressum | Datenschutz | DGAP | RSS

Regionen

Service

Locations of visitors to this page

anzeige