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Akteure der Weltwirtschaft

Stormy Mildner

Wie aus den Theorien internationaler Beziehungen deutlich wird, gibt es eine Vielzahl von Akteuren, die die internationalen Beziehungen grundlegend beeinflussen. Auch wenn oftmals auf einen Macht- und Souveränitätsverlust der Staaten hingedeutet wird, steht im Zentrum der internationalen politischen und wirtschaftlichen Interaktionen immer noch der Staat. Weitere Akteure sind internationale Organisationen, Multinationale Konzerne und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs).

Staaten

Ein Staat ist eine dauernde organisierte Vereinigung von Menschen auf einem bestimmten Gebiet (konkret definierte Staatsgrenzen) unter einer höchsten Gewalt. Die staatliche Einheit als Zweck-, Organisations- und Verfassungseinheit setzt dabei die nationale Einheit des Volkes voraus. Diese ist geprägt durch Gegebenheiten wie: geographische und die geopolitische Lage, die geschichtliche Herkunft und Erfahrung, die kulturelle Besonderheit, die volkswirtschaftlichen Bedürfnisse und die natürlichen und die politischen Notwendigkeiten. Die nationale Einheit kann an ethnische, sprachliche, religiöse Gemeinsamkeiten anknüpfen, wobei allerdings keines dieser Merkmale stets notwendig ist. Besteht diese Einheit allerdings nicht, so ist der Staat anfällig gegenüber internen Konflikten, Bürgerkriegen und letztlich dem Zerfall.

Der Begriff Nation ist ein relativ vages Konzept und wird dementsprechend unterschiedlich verwandt. Drei Verwendungsarten lassen sich hervorheben:

Nach Jürgen Habermas ist eine „Staatsnation“ eine Assoziation von Individuen über einen gemeinsamen, subjektiven Willen, der sich über den Bezug zur gemeinsamen Verfassung äußert, mit einem Staat. Die nationale Zugehörigkeit wird durch die in der Verfassung festgelegten gemeinsamen Rechte und Pflichten manifestiert. Staatsnation ist ein subjektiver Nationen-Begriff. Daneben gibt es die Kulturnation, die über Kriterien wie ethnische, territoriale und kulturelle Zusammenhänge, Sprache und Geschichte charakterisiert werden kann. Dieses Konzept der Kulturnation definiert sich über objektivierbare Kriterien.

Im Zusammenhang mit Staaten und Nationen spricht man auch häufig von Bevölkerung. Bevölkerung meint in diesem Zusammenhang zweierlei: zum einen die Einwohner eines bestimmten Landes oder einer Region; zum anderen aber die Summe jener Prozesse, die Zahl, Struktur und Verteilung der Einwohner bestimmen.

Länderklassifizierungen

Je nachdem, welche Kriterien man einer Klassifizierung der Länder zugrunde legt, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Ländergruppen. Länderklassifizierungen sind international bei weitem nicht einheitlich und unterscheiden sind zum Teil grundlegend bezüglich der verwandten Kriterien als auch der Ergebnisse.

Die am häufigsten verwandte Klassifizierung, die auch in der Umgangssprache verwandt wird, ist die folgende:

Dabei wird häufig auch zwischen entwickelten Ländern und Entwicklungsländern, oder zwischen den Industrieländern und der Dritten Welt unterschieden.

Die Weltbank gruppiert bisher noch alle Länder nach BSP pro Kopf. Sie nimmt folgende Unterscheidung vor:

Ländergruppierung

Pro-Kopf BIP in US Dollar

Länder mit geringem Einkommen (low income)

735 Dollar oder weniger

Länder mit niedrigem mittleren Einkommen (lower middle income)

736 – 2.935 Dollar

Länder mit hohem mittleren Einkommen (higher middle income)

2.936 – 9.075 Dollar

Länder mit hohem Einkommen (high income)

9.076 und mehr

Dementsprechend ergibt sich folgender Anteil der Länder in den Kategorien

Ländergruppierung

Anteil an den Ländern weltweit (insgesamt 210 Länder)

Anteil an der Weltbevölkerung (insgesamt 6.314 Mio. Menschen, 2003)

Länder mit geringem Einkommen (low income)

30%

40%

Länder mit niedrigem mittleren Einkommen (lower middle income)

28%

35%

Länder mit hohem mittleren Einkommen (higher middle income)

18%

10%

Länder mit hohem Einkommen (high income)

26%

15%

Einkommen spiegelt dabei nicht immer den Entwicklungsgrad von Ländern wieder. Ein Land mit einem hohen Einkommen ist nicht gleichbedeutend mit einem Industrieland. Auch gibt es große Unterschiede in Hinblick auf den Entwicklungsgrad innerhalb der Ländergruppen. Dementsprechend wird die Weltbank oftmals für ihre Länderklassifizierung kritisiert. Neben dem Einkommen seien andere Faktoren ebenso wichtig, wie sie auch der Human Development Index verwendet, darunter:

Der Human Development Index misst den Grad menschlichen Entwicklung.  Nach diesem Maßstab ergibt sich das folgende Bild:

Länder

Human Development Index-Wert 2000

Rangplatz 2000

Sierra Leone

0,275

173

Uganda

0,444

150

Kongo

0,512

136

Indien

0,577

124

China

0,726

96

Ukraine

0,748

80

Brasilien

0,757

73

Thailand

0,762

70

Russland

0,781

60

Portugal

0,822

28

Deutschland

0,925

17

Japan

0,933

9

USA

0,939

4

Australien

0,939

4

Belgien

0,939

3

Schweden

0,941

2

Norwegen

0,942

1

In Hinblick auf die Weltbevölkerung und die Weltwirtschaftsleistung kann man folgende Unterteilung vornehmen:

 

Weltbevölkerung 1997

Wirtschaftsleistung

1997

Welthandel

1997

Industrieländer

15%

55,3%

77,1%

Entwicklungsländer

78%

39,9%

18,6%

Östliche Transformationsländer

7%

4,8%

4,2%

Dabei ist in der Gruppe der Entwicklungsländer die wirtschaftliche Leistung deutlich unterschiedlich verteilt. Getragen wird die wirtschaftliche Entwicklung in der Gruppe der Entwicklungsländer insbesondere von den Schwellenländern (Newly Industrialized Countries, NICs)) wie von den ostasiatischen Tigerstaaten und einigen lateinamerikanischen Staaten. Während die Gruppe der Entwicklungsländer zwischen 1965 und 1995 ihr Einkommen verdoppeln konnte, vervierfachte sich das Einkommen zum Beispiel in Malaysia und verzehnfachte es sich in Südkorea. Demgegenüber ist die wirtschaftliche Entwicklung in den meisten afrikanischen Staaten nach wie vor schlecht.

 

Anteil am Welteinkommen

(Prozent)

EU

20,3

Japan

7,6

Vereinigte Staaten

21,9

Andere Industrieländer

4,3

Afrika

3,2

China

11,2

Indien

4,6

Sonstige asiatische Entwicklungs- und Schwellenländer

8,7

Lateinamerika

8,4

Transformationsländer

5,8

Alle Entwicklungs- Schwellen- und Transformationsländer

45,9

Industrieländer

Industrieländer sind Länder mit folgenden Merkmalen:

Schwellenländer

Schwellenländer (Newly Industrialised Countries) ist keine exakt definierte Bezeichnung von Länder auf dem Weg zur Industrialisierung. Oft halten die sozialen Indikatoren wie Alphabetisierung, Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit etc. nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt.

Entwicklungsländer 

Es gibt kaum eine allgemeingültige Definition oder Klassifizierung. Auch wird die Bezeichnung „Entwicklungsland“ oftmals als problematisch bezeichnet. So setzt dieser Begriff voraus, dass sich diese Länder tatsächlich entwickeln. Auch liegt ihm ein bestimmtes Entwicklugskonzept (aufholende Entwicklung) zugrunde, die häufig kritisiert wird. Andere Begriffe sind: Weniger entwickelte Länder oder Dritte Welt. Doch auch diese Bezeichnungen sind umstritten. In Hinblick auf die Bezeichnung Dritte Welt ist zum Beispiel nicht klar, in welchen Bereich die Schwellen oder Transformationsländer einsortiert werden sollen – in die erste oder zweite Welt? Die Klassifizierung nach Einkommensklassen ist dahingegen auch umstritten, da das Pro-Kopf-Einkommen von der Bevölkerungsdichte abhängt. Die Durchschnittswerte können somit äußerst irreführend sein.

Häufig wird die folgende Definition verwendet: Entwicklungsländer sind Staaten, die im Vergleich zu Industrieländern einen Entwicklungsrückstand (materiell, gesundheitlich etc.) aufweisen, wobei einerseits das erzielte Wohlfahrtsniveau niedriger ist, andererseits die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftssystems deutliche Schwächen aufweist. Die unterschiedlichen Merkmale der Entwicklungsländer können in ökonomische, politische und soziale Merkmale unterteilt werden. Die Hauptindikatoren sind:

Die Ursachen für den Entwicklungsrückstand sind vielfältig. Häufig werden die folgenden Ursachen genannt:

Die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs)

Zur Zeit fallen 49 Länder (je nach verwandten Indikatoren) in die Gruppe der LDCs (Least Developed Countries). Folgende Merkmale der LDCs können identifiziert werden:

Die UNCTAD klassifiziert folgende Lädner als LDCs (Stand 2003):

Afghanistan, Angola, Bangladesh, Benin, Bhutan, Burkina Faso, Burundi, Cambodia, Cape Verde, Central African Republic, Chad, Comoros, Democratic, Republic of the Congo, Djibouti, Equatorial Guinea, Eritrea, Ethiopia, Gambia, Guinea,, Guinea-Bissau, Haiti, Kiribati, Lao People’s Democratic Republic, Lesotho, Liberia, Madagascar, Malawi, Maldives, Mali, Mauritania, Mozambique, Myanmar, Nepal, Niger, Rwanda,., Samoa, Sao Tome and Principe, Senegal, Sierra Leone, Solomon Islands, Somalia, Sudan,, Togo, Tuvalu, Uganda, United Republic of Tanzania, Vanuatu, Yemen, Zambia. 

Verschuldete Entwicklungsländer

Der IWF definiert Außenverschuldung folgendermaßen: „Gross esternal debt at any given time is the outstanding amount of those acctual current and not contingent liabilities that require payments of principal and or interest by the debtor at some point in the future and that are owend by non.residents to residents if an economy (http://www.imf.org). 

Außenverschuldung muss per se kein beunruhigendes Phänomen sein, da sie auf gesteigerte wirtschaftliche Aktivität hindeuten kann. So ermöglichen Kapitalimporte den Ländern über die internen Ersparnisse hinaus Investitionen zu tätigen und so das Wirtschaftswachstum anzukurblen. Sie ist nicht problematisch, wenn die Kredite eine zusätzliche Produktion gegenieren, die Kredit-, Zins- und Armortisationskosten decken. Die zusätzliche Produktion muss darüber hinaus Devision erwirtschaften, um die Kredit in ausländischer Währung zu bedienen. Problematisch ist Auslandsverschuldung jedoch dann, wenn die aufgenommenen Kredit konsumptiv verwendet werden. Wichtig ist ebenfalls, dass die Verschuldung in einem angemessenen Verhältnis zu den Exporten und dem BIP steht. Somit ist für die Beurteilung der Schulden der Entwicklungsländer auch nicht die absolute Höhe der Schulden von Relevanz, sondern ihr Verhältnis zur Wirtschaftskraft, dem BIP/BSP und der Exportfähigkeit. Viele Entwicklungsländer (China, Indien) sind durchaus in der Lage, ihre Auslandsschulden zu bedienen. Der Hauptteil der Schuldenlast konzentriert sich auf wenige, die in der Regel zahlungsfähig sind. Es sind kreditwürdige Länder mit fortgeschrittenen Entwicklungsstand und Länder, die über Erdölreserven verfügen. Ihnen werden hauptsächlich Kredite von privaten Gläubigern gewährt. Demgegenüber resultieren die Schulden der ärmsten Entwicklungsländer hauptsächlich aus öffentlichen Krediten. 

In Hinblick auf die verschuldeten Länder unterscheidet man zwischen „severely and moderately indebted countries“. Dabei liegen drei der folgenden Kriterien über dem Grenzwert:

Die Auslandsverschuldung der ca. 160 beträgt zusammen rund 2,5 Billionen US-Dollar (2001). Davon entfallen rund 1,4 Billionen US-Dollar auf die zehn größten Schuldner (darunter Brasilien, Russland, Mexiko, China). Aussagekräftiger ist allerdings wie beschrieben die Verschuldung im Verhältnis zu Exporterlösen oder dem Bruttosozialprodukt. So machte die externe Verschuldung im Durchschnitt aller Entwicklungsländer (2001) 38,2 Prozent des Bruttosozialprodukts und 112 Prozent der Exporterlöse aus. Dabei ist die Verschuldung nicht gleichmäßig auf alle Entwicklungsländer verteilt, sondern regional sehr unterschiedlich. Während in Ostasien die Verschuldung nur rund 74 Prozent der Exporterlöse ausmachte, lag diese Ziffer im Nahen Osten bei 85 Prozent, in Südasien bei 142 Prozent, in Lateinamerika bei 167 Prozent, und in Sub-Sahara-Afrika bei 179 Prozent.

Besonders schwerwiegend ist das Verschuldungsproblem für die 42 Entwicklungsländern (vor allem in Afrika, Teile Lateinamerikas und einige wenige in Asien), die zur Gruppe der hoch verschuldeten armen Entwicklungsländer (Heavily Indebted Poor Countries - HIPCs) gehören. In diesen Ländern machte die Verschuldung 1999 durchschnittlich 326 Prozent der Exporterlöse aus.

Die 42 hoch verschuldeten Länder sind (NCTAD, Stand 2003):

Angola, Benin, Bolivia, Burkina Faso, Burundi, Cameroon, Central African Republic, Chad, Comoros, Congo, Côte d´Ivoire, Democratic Republic of the Congo, Ethiopia, Ghana, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Guyana, Honduras, Kenya, Lao People’s Democratic Republic, Liberia,, Madagascar, Malawi, Mali, Mauritania, Mozambique, Myanmar, Nicaragua, Niger, Rwanda, Sao Tome and Principe, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Togo, Uganda, United Republic of Tanzania, Viet Namm, YemenZambia.

Schuldenhöhe ausgewählter Entwicklungsländer

Staat

1995 in Mrd. Dollar (nominal)

2001 in Mrd. Dollar (nominal)

Brasilien

160,5

226,362

VR China

118,1

170,110

Mexiko

166,6

158,290

Rußland

122,0

152,649

Argentinien

98,8

136,709

Indonesien

124,4

135,704

Türkei

73,8

115,118

Indien

94,5

97,320

Thailand

100,00

67,348

Philippinen

37,8

52,356

Malaysia

34,3

43,351

Venezuela

35,5

34,660

Ägypten

33,3

29,2

Südafrika

25,4

24,1

Entwicklung der Schuldenhöhe nach Regionen in Mrd. Dollar

 

1995

2001

Alle Entwicklungsländer

2.065,9

2.332,1

Ostasien/Pazifik

461,9

504,1

Osteuropa und Zentralasien

349,5

497,8

Lateinamerika und karribische Länder

649,6

764,9

Mittlerer Osten und Nord-Afrika

211,8

200,6

Süd Asien

157,3

161,7

Sub-Sahara Afrika

235,5

203,3

Internationale Organisationen

Es gibt keine allgemein anerkannte Definition für „internationale Organisationen“. Eine internationale Organisation dient der international-gemeinschaftlichen Regelung von politischen, wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Angelegenheiten. Bei einer nationalen Organisation, die auch ausländische Mitglieder aufnimmt, oder bei Organisationen, die von einer nationalen Gruppe kontrolliert werden, handelt es sich nicht um eine internationale Organisation. Internationale Organisationen gehen zumeist auf multilaterale, völkerrechtliche Verträgen zwischen Staaten zurück, die ein gemeinsames Beschlussorgan festlegen und dauerhaft und regelmäßig arbeiten. Ihre Aufgaben werden in ihren Statuten durch die Mitgliedsstaaten festgelegt.

Man unterscheidet zwischen internationalen, privatrechtlichen Vereinigungen zu denen die Non-Governmental International Organisations (NGOs) gehören und den internationalen staatlichen Organisationen (Intergovernmental Organisations, IGOs).

Weiter wird bei internationalen Organisationen oftmals zwischen „politischen“ und „unpolitischen“ Organisationen unterschieden. Politische IGOs (z.B. NATO) sind hauptsächlich militärische Bündnisse und politische Allianzen zur Sicherung der bestehenden Machverhältnisse, beziehungsweise Ausdehnung des Einflussbereiches (sogenannter „high politics“ Bereich, Sicherheitspolitische Fragen). Organisationen, die sich dem sogenannten „low politics“ Bereich, also wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben widmen, werden als nicht-politische Organisationen bezeichnet (IWF, Weltbank, WTO, OECD, BIZ). Insbesondere seit dem Ende des kalten Krieges haben die IGOs mit wirtschaftspolitischen Zielsetzungen immer mehr an Relevanz gewonnen. Dabei muss angemerkt werden, dass die Einteilung in politische und unpolitische Organisationen problematisch ist, da eine Trennung von politischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen kaum noch möglich ist. Weiter gibt es eine Reihe von Themen, in denen sich „low“ und „high politics“ gegenseitig beeinflussen und bedingen.

Eine andere Unterscheidung findet zwischen internationalen Organisationen statt, die multilateralen Charakter (z.B. WTO) haben und solchen, die regionale begrenzte Zielsetzungen haben (z.B. OPEC).

Internationale Organisationen haben die Weltwirtschaft erst im 20. Jahrhundert nachhaltig geprägt. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg stieg ihre Zahl grundlegend an. Sowohl die Erfahrungen aus der Weltwirtschaftskrise als auch die aus dem Zweite Weltkrieg haben hierbei die Gründung der wirtschaftlich ausgerichteten internationalen Organisation maßgeblich beeinflusst. So sollte es durch Handelsliberalisierung der Länder zu einer stärkeren internationalen Arbeitsteilung und Integration und letztlich Kooperation zwischen den Ländern kommen, um zukünftige Krisen und Konflikte zu verhindern. Harry Hawkins, der Direktor des „Office of Economic Affairs of the US Department of State“ sagte 1944 hierzu:„Trade conflict breeds noncooperation, suspicion, bitterness. Nations which are economic enemies are not likely to remain political friend for long“ ( Harry Hawkins, US Department of State, Commerical Policy Series Pub. No. 2104, 1944).

Eine wichtige Rolle spielte auch die Erkenntnis, dass die nationale Wirtschaftspolitik eines Landes durch seine außenwirtschaftlichen Beziehungen Auswirkungen auf andere Länder hat. Folglich müssen bestimmte internationale Rahmenbedienungen festgelegt werden. Dafür waren sowohl eine Handelsordnung als auch eine Finanz- und Währungsordnung notwendig. Ferner wird argumentiert, dass durch internationale Organisationen das in internationalen Beziehungen bestehende Gefangenendilemma reduziert oder aufgehoben werden kann. Das Gefangenendilemma bezeichnet wie bereits beschrieben eine Situation, in dem das rationale Handeln von Individuen zu einem für die Gruppe insgesamt schlechteren Ergebnis führt. Diesem Argument folgend liegt in internationalen Beziehungen also eine Tendenz zur Nicht-Kooperation vor, die ein weltwirtschaftlich und national schlechteres Ergebnis fördert. Die sogenannten Institutionalisten argumentieren nun, dass diese Tendenz zur Nicht-Kooperation durch internationale Organisationen verhindert werden kann. So können internationale Organisationen die Information zwischen den Ländern erhöhen und somit zu einem größeren Vertrauen und einer besseren Erwartungsbildung beitragen. Auch können sie das Verhalten der Mitglieder überwachen, so dass Nicht-Kooperation immer teurer wird. Weiter können Konflikte leichter und regel-orientierter innerhalb der Organisationen ausgetragen werden. Den Institutionalisten zufolge fördern internationale Organisationen die internationale Kooperation und verhindern Konflikte und Krisen.

Multinationale Konzerne

Konzern sind Zusammenfassungen rechtlich selbständiger Unternehmen unter der einheitlichen Leitung eines übergeordneten Unternehmens, dessen Einflussnahme sich aus den Eigentumsrechten an den abhängigen Unternehmen ergibt. Multinationale Konzerne, MNCs, (auch als transnationale Konzerne bezeichnet) sind wiederum Konzerne, bei denen die Konzernunternehmen auf unterschiedliche Nationalstaaten verteilt sind. Es sind Großunternehmen, die mindestens 25% ihres Outputs außerhalb ihres Ursprungslands herstellen.

Historische Vorläufer der heutigen MNCs sind die ostindischen Handelskompanien Hollands und Englands, sowie die Britische Hudson Bay Company in Nordamerika. Die erste Welle der Entstehung von MNCs fand von ca. 1900-1914 statt. Nach dem ersten Weltkrieg setzte sich diese Entwicklung fort, stagnierte dann jedoch durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg. Eine dritte Welle der MNC-Gründung begann in den 1950er Jahren, intensivierte sich insbesondere seit den 1960er Jahren und hat sich bis heute fortgesetzt.

Vorsichtigen Schätzungen zufolge ist in den 1990er Jahren die Zahl der MNCs von ca. 7.000 auf über 40.000 (mit 170.000 ausländischen Tochtergesellschaften) angestiegen. Ca. 73 Mio. Menschen sind bei MNCs beschäftigt. Die Zahlen unterschieden sich allerdings je nach der für die Erhebung verwandten Definition von MNCs. Dem Weltinvestitionsreport der UNCTAD von 1998 zufolge betrug die Zahl der MNCs über 50.000, die Zahl der Tochtergesellschaften über 400.000.

Region

Mutterunternehmen

Tochtergesellschaften

Welt

53.607

448.917

Industrieländer

43.442

96.620

Entwicklungsländer

9.323

230.696

EU

27.846

54.875

USA

3.379

18.901

Japan

4.231

3.014

China

379

145.000

Latein Amerika

1.109

21.174

Afrika

32

330

Davon haben drei Viertel ihren Sitz in den USA, Japan oder Europa. Von den 100 größten Konzernen haben 99 ihren Hauptsitz in Industrieländern; nur einer der Top 100 ist in einem Schwellenland (Südkorea) beheimatet.

Fusionen und Zusammenschlüsse von Firmen haben in den letzten Jahren zu einer Machtkonzentration von Konzernen geführt. Weltweit sind die Fusionsaktivitäten seit Mitte der 90er Jahre rapide angestiegen: In den 1990er Jahren haben sich die Unternehmensfusionen fast verdreifacht. Im Jahr 1999 wurden für Beteiligungen an und Übernahmen von Unternehmen weltweit 2.500 Mrd. US Dollar bezahlt. Derzeit zeichnet sich allerdings eine Pause der Fusionen ab.

Der Anteil der MNCs am Welthandel beträgt 66% (je zur Hälfte durch Handel innerhalb multinationaler Unternehmen und mit anderen Unternehmen). Der Anteil an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben der MNCs beträgt 75% (alle Zahlen von 1997).

Zu den Eigenschaften multinationaler Unternehmen gehören:

Zu den Gründen für die Internationalisierung der Unternehmen gehören:

Nicht alle Unternehmen und Wirtschaftsbereiche können die Globalisierung gleichermaßen nutzen. Unterschiede ergeben sich durch mehrere Faktoren:

Die Weltweit größten international operierenden Unternehmen 1998
(Vermögen und Umsätze in Mrd. US$)

Rang

Unternehmen

Bereich

Gesamtvermögen

Gesamtumsätze

Gesamtbe- schäftigung (TSD)

1

GE (USA)

Electronics

356

101

239

2

GM (USA)

Automobil

247

156

396

3

Shell (NL/GB)

Mineralöl

110

94

102

4

Ford (USA)

Automobil

238

144

345

5

Exxon (USA)

Mineralöl

70

115

79

6

Toyota (Japan)

Automobil

132

101

183

7

IBM (USA)

Computer

86

82

291

8

BP Amoco (GB)

Mineralöl

55

68

99

9

DaimlerChr. (D)

Automobil

160

155

441

10

Nestlé AG (CH)

Lebensmittel

41

52

232

11

Volkswagen (D)

Automobil

70

80

298

12

Unilever (NL/GB)

Lebensmittel

36

45

265

13

Suez Lyonn. (F)

Div.

85

35

201

14

Wal-Mart (USA)

Einzelhandel

50

138

910

15

ABB (CH)

Electronics

33

28

163

16

Mobil (USA)

Mineralöl

43

54

42

17

Diageo (GB)

Getränke

46

12

77

18

Honda (Japan)

Automobil

42

52

112

19

Siemens (D)

Electronics

67

66

416

20

Sony (Japan)

Electronics

53

57

173

Multinationale Unternehmen sind zunehmend Akteure der internationalen Politik geworden. Man spricht oftmals von einem Machtgewinn der MNCs gegenüber dem Staat. Das Machtpotential der MNCs beschreibt die Möglichkeit dieser Konzerne, eigene Unternehmensziele auch gegen die Interessen von Staaten durchzusetzen. So können sie entweder ihre Produktionsstätten in andere Länder verlegen oder mit der Verlagerung der Produktion drohen, um so vom Staat niedrigere Steuern, Rechtsnormen oder höhere Subventionen zu „erzwingen“. Es wird argumentiert, dass das Primat der Politik vom der Ökonomie abgelöst wird.

OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen

Auslandsinvestitionen leisten einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritt in den Gastländern. Mit ihrer Handels- und Investitionstätigkeit tragen insbesondere die multinationalen Unternehmen zur effizienten Nutzung von Finanz- und Humankapital, Technologie sowie natürlichen Ressourcen bei. Des Weiteren erleichtern sie den Technologietransfer zwischen den verschiedenen Regionen der Welt. Auch tragen sie in erheblicher Weise zur Entwicklung neuer Technologien bei.

Gleichzeitig wird die Tätigkeit von MNCs jedoch häufig kritisiert. Als besonders kritisch angesehen wird die unzureichende Kontrollierbarkeit von MNCs. Durch ihre grenzüberschreitende Tätigkeit sind sie im Prinzip der Wirtschaftspolitik und dem Rechtssystem mehrere Staaten unterworfen. Eine umfassende Kontrolle ist somit nur unter Kooperation der beteiligten Staaten möglich. Diese ist jedoch nur bedingt erreichbar. Gerade in Hinblick auf die Tätigkeit der MNCs in politisch schwachen Staaten stellt sich die Frage, wer ihre Tätigkeit überprüfen und die Durchsetzung bestimmter umwelttechnischer und sozialer Normen gewährleisten soll.

Insgesamt stehen Multinationale Konzerne zunehmend auf den Prüfstand der öffentlichen Meinung. So müssen sie heute ihre Aktivitäten nicht mehr nur ihren Aktionären gegenüber verantworten, sondern auch gegenüber Konsumenten, Arbeitnehmern, Parlamenten und Regierungen. Multinationale Unternehmen können und sollten zur Krisenprävention, zur Stabilisierung der bilateralen und internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen wie auch zur wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Staaten und Regionen wichtige eigene Beiträge leisten. Durch Beachtung von Menschenrechtsnormen und sozialen Mindeststandards können Unternehmen dort Vorbildfunktionen ausüben, wo Menschenrechte und arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen noch nicht unsere Standards erreichen Dies gilt auch hinsichtlich der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen. Dieser Ruf nach mehr Transparenz und Legitimität zielt auf das Unternehmensverhalten ("Corporate Governance") insgesamt. Aufgrund dieser Forderungen haben viele Unternehmen mittlerweile erkannt, wie wichtig „Good Corporate Governance“ und „Corporate Responsibility“ sind.

Internationale Abkommen zur Regulierung von MNCs sind heute noch relativ rar und basieren zumeist auf dem Freiwilligkeitscharakter. Wichtige Leitsätze für MNCs sind die Leitsätze für multinationale Unternehmen der OECD, die als Verhaltenskodex für multinationale Unternehmen zu guten Praktiken dieser Unternehmen führen sollen. Die Leitsätze stellen gemeinsame Empfehlungen der 33 Unterzeichnerstaaten an multinationale Unternehmen über verantwortungsvolles Verhalten dar. Sie enthalten Grundsätze und Maßstäbe für gute Praktiken im Einklang mit dem geltenden Recht. Des Weiteren beinhalten sie einen umfangreichen Katalog von Forderungen in sozialen und ökologischen Bereichen, an denen multinationale Unternehmen und deren Firmentöchter ihre Geschäftspraxis nicht nur in den OECD-Ländern selbst, sondern ebenso in Schwellen- und Entwicklungsländern ausrichten sollen. Der Verhaltenskodex ist nicht verbindlich und damit nicht einklagbar (Freiwilligkeitscharakter). Die Leitsätze richten sich nicht nur an Unternehmen, sondern auch an die Regierungen der Teilnehmerstaaten. Um die Anwendung der Leitsätze zu fördern, richten die Staaten nationale Kontaktstellen (NCP = national contact points) ein. Verstößt eine Auslandstochter eines OECD-Unternehmens gegen die Leitsätze, kann die nationale Kontaktstelle angerufen werden.  Mit den Leitsätzen wird keine unterschiedliche Behandlung von multinationalen und nationalen Unternehmen bezweckt; vielmehr sehen sie Verhaltensmaßstäbe für alle Unternehmen vor.

NGOs / INGOs

Es gibt eine Vielzahl von Non-Governmental Organizations (Nichtregierungsorganisationen). NGOs können aufgrund ihres räumlichen Tätigkeits- und Wirkungsbereich in regionale/nationale NGOs und internationale/transnationale NGOs aufgeteilt werden. Zu den regionalen und nationalen NGOs zählen zum Beispiel örtliche Mietervereinigungen oder Umweltschutzvereinigungen. Internationale/transnationale NGOs überschreiten in ihrem Wirkungs-, Mitglieder- und Tätigkeitsbereich nationale Grenzen. Sie verfügen oftmals über höhere finanzielle Ressourcen und somit über größere Präsenz und Bekanntheit. Hierzu gehören auch solche Organisationen, die von staatlichen Einrichtungen designierte Mitglieder aufnehmen solange deren Mitgliedschaft nicht die freien Äußerung der Ansichten dieser Organisation einschränkt. Bei den internationalen NGOs kann man wiederum zwischen denjenigen unterscheiden, die lokal gegründet werden und später ihren Tätigkeitsbereich global ausweiten und denjenigen, die als internationale NGOs gegründet werden. Auch wird zwischen ethnozentrischen NGOs, bei denen die Entscheidungen im Hauptsitz getroffen werden, und polyzentrischen NGOs, bei denen die Entscheidungen in den einzelnen Referaten getroffen werden, unterschieden.

NGOs sind zumeist Interessensvertretungen die unterschiedliche Zielsetzungen haben. So vertritt das internationale Rote Kreuz humanitäre Ziele. Ökologische Ziele werden zum Beispiel von Greenpeace, dem Sierra Club und dem World Wide Fund for Nature vertreten. Weltgesellschaftliche politische Ziele werden vom Club of Rome vertreten. Weitere Ziele sind kulturelle und religiöse Anliegen. Weiter zählen Industrielobby-Gruppen, auch Business-NGOs genannt, zu den NGOs.

NGOs sind nicht-profitorientierte Organisationen. Somit gehören MNCs nicht zu den NGOs. Die Eigenschaften von NGOs sind:

NGOs sehen ihre Aufgabe in folgenden Bereichen:

Die Geschichte der NGOs ist lang. Die ersten NGOs wurden bereits um 1800 gegründet. So kann man zum Beispiel bereits die „British and Foreign Anti-Slavery Society“ von 1823 oder die „International Worker´s Association“ von 1864 als NGO bezeichnen. Die Bezeichnung NGO wird jedoch erst seit 1945 verwendet. Insbesondere in den letzten Jahren des 20. Jahrhundert scheinen die NGOs verstärkt an Einfluss gewonnen zu haben. So beeinflussten sie erheblich das Scheitern der Verhandlungen für das „Multilateral Agreement on Investment“ (MAI), die WTO Verhandlungen in Seattle Ende 1999 und das IWF Treffen in Prag im Jahr 2000. Ein Grund für die steigende Zahl der NGOs und ihren wachsenden Einfluss ist die stetig fortschreitende Globalisierung und die Furcht vor deren Folgen. So wird immer mehr der Abbau des sozialen Netzes, Sozialstandards, Arbeits- und Umweltstandards befürchtet.

Durch den neuen Einfluss der NGOs ergeben sich zahlreiche neue Problematiken. So ist nicht klar, wie sie in die internationalen Entscheidungsprozesse und die internationalen Organisationen eingebunden werden sollen. Gegner der Partizipation der NGOs argumentieren, dass die Bevölkerung bereits über ihre Regierung und weiter über die Abgesandten der Regierung in der jeweiligen internationalen Organisation vertreten sind. Eine Vertretung eines „relativ kleinen Interessensverbandes“ wäre somit nicht mehr notwendig. Weiter wird auf ihre Legitimation hingewiesen. So wird argumentiert, dass NGO-Vertreter nicht durch öffentliche Wahlen legitimiert sind. Sie repräsentierten nur bestimmte Interessen, wobei nicht klar ist, wie sehr diese auch von der breiten Öffentlichkeit getragen werden. Weiter wird argumentiert, dass NGOs oftmals in ihren internen Strukturen nicht demokratischen Ansätzen entsprechen. Auch wären Sitzungen der Internationalen Organisationen um ein vielfaches komplizierten und unübersichtlicher, würde die große Zahl der NGOs teilnehmen. Entscheidungen würden somit sehr viel schwieriger und langwieriger. Schafft man jedoch ein Auswahlverfahren, welche NGOs an bestimmten Sitzungen teilnehmen dürfen, bestünde die Gefahr, dass Regierungsvertreter nach politischen Interessen entscheiden. Befürworter der Partizipation der NGOs argumentieren dahingegen, dass neue Themen durch die NGOs schneller auf die Tagesordnung gebracht werden können. Weiter können sie einen Beitrag zur Überwachung der Implementierung der international vereinbarten Maßnahmen leisten. Auch könnte durch sie das Demokratiedefizit, das auf der internationalen Ebene bestünde, überwunden werden.

Sind die Meinungen auch sehr unterschiedlich, so sind es doch in Hinblick auf das gescheiterte MAI und das Desaster in Seattle neue Regelungen und Kompromisse dringend notwendig.


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

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