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Theorien

Stormy Mildner

Inhalt

1. Was sind Theorien?
2.  Internationale Handelstheorien

2.1 Die Physiokraten
2.2 Merkantilismus und internationaler Handel
2.2 Merkantilismus und internationaler Handel
2.3 Absolut Advantage Theory
2.4 Theorie der komparativen Kostenvorteile
2.5 Faktorproportionentheorem
2.6 Neue Handelstheorien

3. Theorien der International Political Economy und der Internationalen Beziehungen

3.1 Wirtschaftsliberalismus und internationaler Handel - Liberalismus und internationale Beziehungen
3.2 Realismus
3.3 Hegemonic Stability Theorie
3.4 Neo-Realismus
3.5 Neoliberaler-Institutionalismus
3.6 Integrationstheorien
   Funktionalismus
   Neofunktionalismus
   Der kommunikationstheoretisch basierte Ansatz
3.7 Interdependenz-Theorie
3.8 Marxismus / Imperialismustheorie und Weltsystemtheorie
   Imperialismustheorie
   Weltsytem- Theorie
3.9 Dependenztheorien
3.10 International Political Economy
3.11 Globalismus

4. Die Mikrofundierung internationaler Beziehungen

4.1 Rationalismus "Rational Choice Theory"
4.2 Spieltheorie
4.3 Die „Public Choice“ Theorie (ökonomische Theorie der Politik)
4.4 Innenpolitische und binnenwirtschaftliche Faktoren als Determinanten von internationaler Wirtschaftspolitik

1. Was sind Theorien?

Das gegenwärtige System der Weltwirtschaft ist durch eine Vielzahl von Akteuren, Prozessen und Strukturen gekennzeichnet. So sind die Hauptakteure nicht mehr allein die Nationalstaaten und ihre Regierungen. Vielmehr spielen gesellschaftliche Gruppen wie NGOs, wirtschaftliche Verbände und einflussreiche multinationale Unternehmen eine wachsende Rolle. Weiter lassen sich politische Interaktionen kaum von wirtschaftlichen trennen. Diese Vielzahl von Akteuren zusammen mit den politischen und wirtschaftlichen Interaktionen ergeben ein kompliziertes internationales Interaktionsmuster. Um dieses internationale System verstehen, analysieren und bewerten zu können, müssen systematisch ausgewählte Filter und Ordnungsschemen entwickelt werden. Diese Filter sind Theorien. Sie gelten als Hauptinformationsträger wissenschaftlicher Erkenntnis. Quincy Wright bezeichnet sie folgendermaßen: "A general theory of international relations means a comprehensive, coherent and self-correcting body of knowledge contributing to the understanding, the prediction, the evaluation and control of relations among states and of the conditions of the world" (Doughety 1990: 19). Eine Theorie sollte eine generelle Wahrheit darstellen  - mit so wenig Ausnahmen wie möglich -  und nicht nur auf eine spezielle Situation anwendbar sein. Letzteres wäre eher eine Beschreibung als eine Theorie.

Theorien müssen drei Aspekten genügen:

Theorien haben mehrere Funktionen/Verwendungsmöglichkeiten:

Die Grundfunktion von Theorien ist also, die vielschichtigen und komplexen Phänomene der internationalen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu sortieren, zu erschließen und zu erklären. Sie dienen der Beschreibung und Analyse wiederkehrender Verhaltensmuster.

Man muss zwischen deduktiven und induktiven Theorien unterscheiden. Beim deduktiven Ansatz steht am Anfang das abstrakte Konzept oder Modell, das von einer Reihe von Annahmen und Definitionen abgeleitet wird, die eher von logischen Schlussfolgerungen abstammen als von empirischen Nachweisen. Falsifikation oder Verifikation sollen dann die erstellte Hypothese testen. Bei den induktiven Ansätzen geht man von empirischen Erkenntnissen aus und versucht hiervon abgeleitet, abstrakte und allgemeingültige Sätze zu entwickeln. Des Weiteren muss man zwischen normativen und positiven Theorien unterscheiden. Eine normative Theorie besagt, wie etwas im Idealfall sein sollte:  Hier geht es vorrangig um die Vermittlung von Einsichten, die als richtig erkannt wurden, wobei sich klare Handlungsempfehlungen für den Staat und die Wirtschaftspolitik ergeben. Grundlage der positiven Theorien (empirisch/analytisch) ist dahingegen, dass wissenschaftliches Erkennen und politisches Handeln zwei von einander unabhängige Vorgänge sind und dass Werturteile von Tatsachenaussagen getrennt werden sollten. Ihre Erkenntnis richtet sich auf das direkt Objektivierbare. Sie wollen nicht darstellen, wie die Wirklichkeit sein sollte, sondern wie sie sich wirklich zeigt.

Theorieansätze können des Weiteren folgendermaßen klassifiziert werden:

Theorien sind vom gesellschaftlichen Umfeld, den bestehenden Ideen und der Kultur, in der sie entwickelt wurden, geprägt. Somit sind sie keine neutrale, objektive oder wertfreie Instrumente. Auch die Rationalismustheorien und die computersimulierten Modelle sind nicht wertneutral. So sind Theorien oftmals von den Phänomenen, die sie erklären wollen, selbst beeinflusst. Der Gebrauch von unterschiedlichen Theorien kann somit zu unterschiedlichen Erkenntnissen und zu unterschiedlichen Weltbildern führen

Die Beeinflussung von Theorien durch kulturelle, wirtschaftliche oder politische Rahmenbedingungen ist jedoch keine Einbahnstraße. Genauso können Theorien die genannten Rahmenbedingungen beeinflussen und die Wirklichkeit prägen. Ein Beispiel hierfür ist die Dependenztheorie. Die Dependenztheorie hat in den 1950er und 1960er Jahren festgestellt, dass die Entwicklungsländer - insbesondere die Netto-Rohstoffexporteure - weitreichend von den Industrieländern und der Weltwirtschaft abhängig seien und sich aus dieser Abhängigkeit nicht durch eine Steigerung ihrer Exporte befreien könnten: Um so mehr Rohstoffe exportiert werden und um so größer das Rohstoffangebot ist, desto niedriger ist der Preis der Rohstoffe. Trotz Ausdehnung der Produktion steigen somit die Einnahmen der Entwicklungsländer nicht, sondern können sogar sinken. Die Terms of Trade der rohstoffexportierenden Entwicklungsländer verschlechtern sich mit Ausdehnung der Produktion und der Exporte. Eine Industrialisierung und somit die Produktion und letztlich der Export von Industriegütern in den Entwicklungsländern sei daher dringend notwendig. Da die bedeutenden Industrieprodukte jedoch bereits von den Industrieländern hergestellt würden, diese also einen Vorsprung hätten und die Waren sehr viel billiger anbieten könnten, hätten die neuen Industrien in den Entwicklungsländern aufgrund der großen internationalen Konkurrenz kaum eine Wachstumschance. Daraus hat man geschlossen, dass eine Industrialisierung in den Entwicklungsländern nur dann stattfinden kann, wenn sie sich von der Weltwirtschaft abschotten. Anstatt Industrieprodukte zu importieren, sollten Industrien im eigenen Land aufgebaut werden. Dies hat zu einer Periode importsubstituierender Industrialisierung (ISI) geführt, die jedoch nicht zu dem erwarteten und gewünschten Wirtschaftswachstum in den betroffenen Ländern geführt hat. Vielmehr hat die ISI zu einem Ausschluss der Entwicklungsländer aus der Weltwirtschaft geführt, den Entwicklungsunterschied zwischen Industrie- und Entwicklungsländern erhöht und letztlich auch die Einflussmöglichkeiten der Entwicklungsländer in internationalen Abkommen/Organisationen wie dem GATT unterminiert. Die Theorie hat also die Wirklichkeit – die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - nachhaltig geprägt. Ein weiteres Beispiel für den Einfluss von Theorien ist die praktische Anwendung der neoliberalen, angebotsorienterten Wirtschaftstheorie der 1980er und 1990er Jahre, die eine Liberalisierung der nationalen Märkte empfiehlt. Dies hat Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre unter anderem dazu geführt, dass der IWF bestimmte Konditionen an seine Kredite geknüpft hat, die die Entwicklungsländer bei Erhalt von IWF-Krediten umsetzen mussten. Auch hierin sieht man eine Beeinflussung der internationalen Politik durch Theorien.

Letztlich muss man immer bedenken, dass unser Bild von der Wirklichkeit konstruiert ist. Wir sehen die Wirklichkeit mit einer Brille, die je nach Herkunft, Geschichte, Kultur, etc. unterschiedlich farbig geprägt ist. Theorien können demnach nur unser Bild von der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst erklären. Es gibt Theorien, die sich gerade mit dieser Erkenntnis auseinandersetzen. Diese werden als Post Modernism Theorien bezeichnet.



Fortsetzung: Theorien


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

Weitere Informationen auf der Webseite der DGAP

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