Stormy Mildner
Im Jahr 1929 setzte eine Rezession ein, wie sie die industrielle Welt bislang noch nicht erlebt hatte. Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise sind vielfältig. Sie war jedoch sicherlich im hohen Maße eine Folge des ersten Weltkrieges und des wirtschaftlichen und politischen Umfelds der 1920er Jahre. Zu den Ursachen zählen unter anderem die Kriegsreparationen, die die internationalen wirtschaftlichen Ströme verzerrt haben, die politisch und wirtschaftlich bedingten Kapitalfluchten, die damit verbundene Schwäche des internationalen Zahlungskreislaufs, die Außenwirtschaftspolitik der USA, die weltweit wachsenden Zollmauern (insbesondere der USA) und die zunehmend wachsenden innenpolitischen Spannungen. Weitere Faktoren waren die Überproduktion und die sinkenden Landwirtschaftspreise, die strukturellen Schwächen in der Industrieproduktion in den USA und die Abhängigkeit der Konjunktur von einigen Leitindustrien (vor allem der Auto- und Bauindustrie), die strukturellen Schwächen des US-Kreditwesens, die kreditbasierte Aktienspekulation und der Börsenkrach 1929 in den USA mit seinen negativen Auswirkungen auf das Konsumentenvertrauen und den Konsum.
Insgesamt können drei systematische Haupterklärungsansätze für die Weltwirtschaftskrise genannt werden:
Neben diesen drei großen Erklärungsansätzen für die Weltwirtschaftskrise können eine Vielzahl einzelner Faktoren identifiziert werden, die zum Beginn, der Ausbreitung und der Schwere der Weltwirtschaftskrise beigetragen haben, darunter:
In den 1920er Jahren, insbesondere nach der Überwindung der hohen Inflationsraten in vielen Ländern (darunter vor allem Deutschland), erholten sich die vom Krieg betroffenen Länder Europas zunehmend, und ihre Wirtschaften zogen wieder an. Weltweit kam es zu einer Produktionssteigerung in der Landwirtschaft, der Rohstofförderung und des verarbeitenden Gewerbes, insbesondere der Eisen- und Stahlproduktion, der Automobilherstellung und dem Maschinenbau. Neben dem Wirtschaftsaufschwung in den Ländern Europas war es besonders die US-amerikanische Wirtschaft, die ein beeindruckendes Wachstum vorzuweisen hatte: Die Einführung neuer Produktionsmethoden, wie zum Beispiel die Fließbandarbeit, hatten die Produktivität stark erhöht; man stand einem lang anhaltenden Wirtschaftswachstum und rasanten Modernisierungsprozess gegenüber. Das Aufblühen der Wirtschaft zusammen mit der Einführung neuer Technologien führte zu einer steigenden Euphorie, einem Glauben an die Unfehlbarkeit des eigenen Systems und einem fast unerschütterlichen Prosperitätsglauben. Gerade durch die Entwicklung des Model T durch Ford kam es zur Entdeckung des Autos als Massenkonsumware. Autos wurden nun auch für Arbeiter erschwinglich. Zu ähnlich bahnbrechenden Entwicklungen kam es in der Elektro- und Maschinenbauindustrie. Sowohl Radios als auch moderne Haushaltsgeräte wurden zu erschwinglichen Massenartikeln. Teurere und langlebige Konsumentenartikel konnten über Konsumentenkredite finanziert werden, wobei ihr Kauf sowohl durch das steigende Einkommen, als auch das Vertrauen der Bevölkerung in die wirtschaftliche Entwicklung der USA gefördert wurde. Man glaubte an den Markt, sprach vom „Goldenen Zeitalter“ und der „ewigen“ Konjunktur. Konjunkturzyklen und Konjunkturabschwünge galten als überwunden. Noch einige Wochen vor dem Zusammenbruch der Börse in New York wurde die wirtschaftliche Lage in fast allen Ländern als günstig beurteilt.
Die hohe Produktivität der Unternehmen und der rasante technische Fortschritt zusammen mit dem weitreichenden Optimismus sowie dem Vertrauen der Bevölkerung und der Märkte in die Expansionsfähigkeit der US-amerikanischen Industrie, führten insbesondere seit 1926 zu einem rasanten Anstieg der Aktienkurse. Dabei waren die Aktienkäufe zumeist kreditfinanziert. So war es üblich, nicht einmal die Hälfte des investierten Kapitals selbst aufzubringen und sich den Rest zu leihen. Im Glauben an den Markt, die Marktkräfte und die Prosperität erklärt sich auch, warum die Federal Reserve Bank (Fed) diesen Spekulationsboom nicht eingedämmt hat: Es wurde angenommen, dass die Marktkräfte allein zu einem Gleichgewicht führten, die Manipulation durch die Regierung dahingegen nur schaden könnte. Des Weiteren gab es keine starke Unterstützung für eine Regulierung der Börsenentwicklung. Im März 1929 kursierte das Gerücht, dass die Fed Maßnahmen ergreifen würde, um das Kreditangebot zu verringern, das zum Kauf für Wertpapiere verfügbar war. Daraufhin gab Charles Mitchell, Vorstand der National City Bank, bekannt, dass seine Bank jede regulative Maßnahme der Fed mit zusätzlichen Krediten konterkarieren würde. Doch nicht nur der Spekulationsboom blieb unreguliert. Auch andere Strukturprobleme der US-amerikanischen Wirtschaft, wie die Probleme des Landwirtschaftssektors, wurden nicht vom Staat angegangen.
Gezogen durch das amerikanische Wirtschaftswachstum und die US-amerikanischen Kredite begannen sich auch die vom Krieg geschwächten Volkswirtschaften Europas wieder zu erholen. Industrielle Produktionsanlagen und die Landwirtschaft wurden modernisiert, die Produktivität stieg und das Wirtschaftswachstum zog an. In Deutschland war die Aufschwungphase nach 1924 vor allem durch intensive Rationalisierung und starke Konzentration gekennzeichnet, was zu erheblichen Produktivitätszuwächsen geführt hatte. Dabei war die wirtschaftliche Erholung Deutschlands mit erheblichen privaten und öffentlichen Investitionen verbunden, wobei die notwendigen Mittel aufgrund der Zerstörung des privaten Kapitals durch die Nachkriegsinflation am Anfang der 1920er Jahre nur bedingt im Land selbst aufgebracht werden konnten. Wichtig waren vielmehr Kredite aus dem Ausland, insbesondere der USA, die durch das in Deutschland deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegende Zinsniveau und das niedrige Zinsniveau in den USA begünstigt wurden. Doch nicht nur für Deutschland waren die USA die dominierenden Geldgeber – für ganz Europa waren die USA der Hauptkreditgeber für den Wiederaufbau. Diese Abhängigkeit war nicht unproblematisch und konnte nur solange funktionieren wie die Zinsen in den USA niedrig waren und genügend Kapital aus den USA nach Europa floss. Intensiviert wurde diese Problematik durch die bereits beschriebene Kette von Abhängigkeiten: Deutschland war auf die Kredite aus den USA angewiesen, um seinen Reparationsverpflichtungen gegenüber Ländern wie Frankreich und Großbritannien nachzukommen. Diese waren auf die Reparationszahlungen angewiesen, um ihre Kriegsschuld insbesondere bei den USA zu begleichen. Gleichzeitig waren sie auf Kapitalflüsse aus den USA für den Wiederaufbau ihrer Volkswirtschaften angewiesen. Diese Abhängigkeiten deuten schon früh auf einen hohen Grad der Verwundbarkeit des internationalen Systems hin.
Das vermeintlich „Goldene Zeitalter“ war somit auf ein recht instabiles internationales Gerüst gebaut. Doch auch auf nationaler Ebene wies die wirtschaftliche Entwicklung große Schwächen auf. So bewirkte die hohe Produktivität der Industrie in den USA eine rasche Sättigung des Marktes. Als Folge kam es zu Überkapazitäten, die der Markt nicht auffangen konnte, da zum Beispiel Exportmöglichkeiten durch Handelsschranken eingeschränkt waren und die internationale Nachfrage fehlte. Auch in der Landwirtschaft bauten sich zunehmend Überkapazitäten auf. Künstliche Düngemittel hatten dafür gesorgt, dass die Ernten immer üppiger wurden, und die zunehmenden Überkapazitäten drückten immer mehr auf die Gewinne. Da die Landwirtschaft zu dieser Zeit noch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellte, war der Rückgang der Erträge dieses Sektors besonders bedeutend. Diese Strukturprobleme zeigen, dass die reale wirtschaftliche Entwicklung in keinem Verhältnis zu dem Vertauen der Bevölkerung in die Expansionsfähigkeit der US-Industrie und die damit verbundenen steigenden Aktienkurse stand.
1928 wurde die Geldpolitik in den USA zunehmend restriktiver, wobei ihr Ziel eine Verlangsamung des Börsenbooms war. Durch die höheren Zinsen wurden jedoch nicht nur die Börsenspekulation, sondern sowohl das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt, als auch die Kapitalflüsse nach Europa verringert. Solange die Kapitalexporte aus den USA in den 1920er Jahre angehalten hatten, konnte das oben beschriebene fragile Netz von Zahlungs- und Handelsabhängigkeiten aufrecht gehalten werden. Sobald Kapital jedoch aufgrund steigender Zinsen in den USA aus Europa abgezogen wurde und sich die Kapitalströme umkehrten, kam das bereits wackelige internationale Finanzsystem weiter ins Schwanken. 1929 wurden dann das Ausmaß der Überproduktion und der -investition zusammen mit ernstzunehmenden Anzeichen für eine kommende Rezession unübersehbar. So war der Index der industriellen Produktion erheblich zurückgegangen. Besonders deutlich ließ sich der Einbruch bei den Absatzzahlen für Automobile ablesen. Die spekulative Loslösung der Aktienkurse von realen Unternehmenswerten schlug sich schließlich im Oktober 1929 in einem panikartigen Verkauf von Aktien und einem dramatischen Kursverlust nieder: der Börsenboom endete am sogenannten „Schwarzen Donnerstag“, dem 24. Oktober 1929, im größten Börsenkrach der Geschichte. Durch eine konzertierte Aktion der Vorstände der großen US-amerikanischen Banken – Chase, National City, Bankers Trust und Guaranty Trust – konnte der Markt noch kurzfristig beruhigt werden. Der Vizepräsident der New Yorker Aktienbörse, Richard Whitney, kam persönlich auf das Börsenparkett und tätigte selbst eine Reihe demonstrativer Käufe. Als jedoch am folgenden Dienstag das Gerücht kursierte, dass die Banken ihre Papiere wieder verkaufen würden, die sie zuvor zur Stützung des Marktes erworben hatten, brach der Markt erneut am 29. Oktober, dem „Schwarzen Dienstag“ ein. Am 31. Oktober1929 senkte die New York Reserve Bank daher den Diskontsatz von 6% auf 5%, um weiteren Aktienverkäufen entgegenzuwirken.
Die Auswirkungen des Börsenkrachs waren verheerend: 40% des Papierwertes der Stammaktien wurden vernichtet; 1933 betrug der Wert der in New York gehandelten Aktien nur noch ein Fünftel des Wertes von 1929. Aus der Börsenkrise entwickelte sich durch die Kreditfinanzierung der Aktien und die daraus entstehenden nicht mehr zu deckenden Verluste rasch eine Bankenkrise, die wiederum einen rapiden Produktionsrückgang mit hoher Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Geschäfte und Fabriken schlossen, Banken waren zahlungsunfähig. Die Einkommen der Landwirte sanken auf die Hälfte. Die Großhandelspreise für Agrarprodukte fielen von 1929 bis 1932 um 50%. Die Industrieproduktion ging im gleichen Zeitraum um fast 40% zurück.[8] Folglich stieg die Arbeitslosigkeit rapide an: in den USA betrug die Arbeitslosenrate bis zu 25%, in Deutschland bis zu 44%.[9] In den USA waren im Jahr 1933 ca. ein Viertel der erwerbsfähigen Amerikaner arbeitslos. Eine Vielzahl der Unternehmen ging bankrott. 1930 wurden 26.000, 1931 über 28.000 und 1932 über 31.000 gewerbliche und industrielle Konkurse registriert.[10]
Aufgrund der internationalen Verflechtungen und der Strukturprobleme in den Ländern Europas kam es zu einer raschen internationalen Verbreitung der Wirtschaftskrise, die in einer jahrelangen Depression mit Massenarbeitslosigkeit mündete. Die Folge des Börsenkrachs war der Abzug US-amerikanischen Kapitals aus Europa, der in vielen europäischen Ländern, die auf US-amerikanische Kredite angewiesen waren, eine wirtschaftliche Katastrophe war. Dabei ließ die hohe Abhängigkeit von amerikanischen Krediten Deutschland schneller als andere Länder unter der Krise leiden: In Deutschland fiel die industrielle Produktion zwischen 1929 und 1932 um 39 Prozent. Hier stieg die Arbeitslosigkeit von 1,6 Millionen im September 1929 auf 4,3 Millionen im September 1931. Anfang 1933 waren mehr als 6 Millionen Menschen arbeitslos. Verstärkt wurde diese Entwicklung insbesondere durch die Panik in der deutschen Bevölkerung: Viele fühlten sich zu Beginn der Krise an die Hyperinflation der Nachkriegsjahre erinnert und begannen Geld von ihren Bankkonten abzuziehen und in sichere Sachwerte zu investieren. Im Sommer 1931 erlebten Österreich und Deutschland eine Bankenkrise und einen Ansturm auf die Devisenreserven. Die Zentralbanken der beiden Länder verloren durch die Bereitstellung von Liquidität an die betroffenen Banken immer mehr von ihren Reserven.
Neben den Strukturschwächen der nationalen Wirtschaften und den Schwächen des internationalen Zahlungskreislaufs trug der internationale Golddevisenstandard zur Verbreitung und Schwere der Wirtschaftskrise bei. In den ersten Jahren der Krise hielten die meisten Länder noch am internationalen Goldstandard fest, was jedoch aufgrund der deflationären Wirkungen des Goldstandards und des internationalen Wettstreits um Goldreserven die Weltwirtschaftskrise weiter intensivierte. Besonders lange hielten auch die USA am Goldstandard fest. Erst nachdem es für immer mehr Länder unmöglich wurde, die Kapitalabflüsse aufzuhalten und auch Großbritannien den Goldstandard aufgeben und seine Währung abwerten musste (September 1931), gaben auch die stärksten Verfechter des Goldstandards diesen auf und werteten ihre Währungen ab. Zwar konnten die Länder nun eine expansive Geldpolitik zur Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften verfolgen, gleichzeitig verhinderten jedoch sowohl Wechselkursmanipulationen (Abwertungen) zur Steigerung der Exporte als auch die stetig wachsenden Importrestriktionen einen steigenden internationalen Handel. Diese Politik der wettbewerbsbedingten Abwertungsspirale wird als Beggar-thy-Neighbour Policy bezeichnet.
Somit hatte auch der weltweit steigende Protektionismus zu der Verbreitung der Krise beigetragen. In allen Ländern hatte sich der Druck nach protektionistischen Maßnahmen erhöht, wobei Hochzölle von Kontingentbestimmungen und anderen nicht-tarifären Handelshemmnissen begleitet wurden. 1930 wurde im US-Senat als Antwort auf die Krise das Smoot-Hawley Zollgesetz, dass bereits vor Ausbruch der Krise vom Repräsentantenhaus angenommen worden war, vom Senat verabschiedet. Dies war sicherlich einer der größten Fehler der Regierung Hoovers. Die mit dem Zollgesetz einher gehende Steigerung der durchschnittlichen Zollbelastung auf fast 60% rief weltweit Gegenmaßnahmen hervor, die den internationalen Handel stark schädigten. Mit dem steigenden Protektionismus schwand auch die Bereitschaft zur internationalen Kooperation. Bilateralismus und regulierter, geplanter Außenhandel dominierten die Handelspolitik der meisten Länder. Devisen- und Handelskontrollen nahmen rapide zu. In vielen Ländern kam es aufgrund der knappen Devisenreserven zu einer Devisenbewirtschaftung. Hierunter versteht man die partielle oder totale staatliche Regelung und Überwachung der Verwendung von Devisen, d.h. Regulierung der Devisenabflüsse und/oder -zuflüsse. Die relative Knappheit von Währungen führte zu bilateralen Abkommen zwischen Handelspartnern, um Bilanzen auszugleichen und den Handel weiterhin zu ermöglichen. Bilaterale Abkommen sollten es ermöglichen, die Notwendigkeit von Zahlungen in Gold und harten Währungen zu reduzieren. Dabei dominierten drei Arten von Abkommen: 1. private Ausgleichsabkommen, 2. Verrechnungsabkommen und 3. Zahlungsabkommen.
Während diese bilateralen Handelsabkommen einerseits die Wiederaufnahme des Handels zwischen zahlreichen Ländern erlaubten, unterbrachen sie andererseits traditionelle Handelsströme, verzerrten den Handel und führten zu sinkenden weltweiten Einkommen.
Zu nennen ist hier beispielhaft das wirtschaftliche Abkommen Ungarns, Rumäniens, Jugoslawiens und Bulgariens, die Zollpräferenzen für ihre Hauptexporte mit den Industrieländern Europas in individuellen bilateralen Verhandlungen erzielen konnten. Weitere Beispiele sind das Wirtschaftsabkommen zwischen Italien, Österreich und Ungarn, das 1934 zum Abkommen von Rom führte, und eine Reihe von Abkommen zwischen den Ländern der Osloer-Gruppe (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg). Auch die USA schlossen mehrere reziproker Zollabkommen insbesondere mit lateinamerikanischen Ländern ab. Ferner bestanden zwischen den Ländern Europas und lateinamerikanischen Ländern zahlreiche präferentielle Abkommen. Das bedeutendste Abkommen bestand allerdings zwischen Großbritannien und den Ländern des britischen Commonwealth von 1932, in denen sich die beteiligten Länder untereinander Zollpräferenzen einräumten. Während die Zollsenkungen zwischen den beteiligten Ländern relativ zurückhaltend waren, kam es dennoch zu einer Steigerung des Handels zwischen ihnen – diese gingen allerdings zumeist zu Lasten anderer Länder. So wurden Handelsströme, die zuvor zwischen Ländern des Commonwealth mit anderen Ländern stattgefunden hatten, aufgrund der präferentiellen Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des Abkommens auf diese umgelenkt.
Dennoch war Devisenbewirtschaftung nicht das größte Hindernis für den internationalen Handel. Vielmehr müssen hier die steigenden Zölle insbesondere der frühen und späten 1930er Jahre genannt werden. Neben den steigenden Zöllen kam es zu einem weltweit steigenden Gebrauch quantitativer Beschränkungen wie Importquoten. Frankreich war in den frühen 1930er Jahren das erste Land, dass auf einer breiten Basis Importquoten eingeführt hatte – doch schon 1932 hatten 11 Länder ein Lizenzsystem für Importe; 1938 beschränkten 28 Länder ihre Importe durch Importlizenzsysteme. In vielen Ländern waren diese Quoten Teil des staatlichen Programms zur Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften. Die Auswirkungen auf den Welthandel waren jedoch verheerend: Während Exporteure Zöllen durch eine Preissenkung ihrer Güter begegnen können, weiterhin Zugang zum ausländischen Markt Zugang haben und auf diesem auch wettbewerbsfähig sein können, beschränken die Quotensysteme den Zugang zu ausländischen Märkten grundlegend. Die handelsverzerrenden Effekte der Quotensysteme waren somit noch größer als die der Zollerhebungen.
Insgesamt nahm der weltweite Handel der Zwischenkriegszeit, gerade im Vergleich zu den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg rapide ab. Während zwischen 1881 und 1913 die Wachstumsrate des Handels pro Dekade fast 40% betragen hatte, lag sie zwischen 1913 und 1937 nur noch bei einem Durchschnitt von 14%. Insbesondere in den 1930er Jahren stagnierte der internationale Handel.

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