Home > Sachgebiete > Weltwirtschaft und Globalisierung > Institutionen und Akteure > G7_G8 > Grundlagen > Die G7/G8...

Die G7/G8

Stormy Mildner und Susanne Ouali

Die "Gruppe der Sieben", ein Zusammenschluss der sieben führenden westlichen Industrienationen, steht stellvertretend für zwei Phänomene im internationalen Kontext. Einerseits bilden diese Industriestaaten eine Kerngruppe innerhalb einiger internationaler Einrichtungen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond (IWF), die sich von den übrigen Mitgliederstaaten vor allem durch ihre wirtschaftliche Stärke und politische Macht unterscheidet. Andererseits bezeichnet die "Gruppe der Sieben" eine Anzahl von jährlichen Gipfeln der Regierungschefs der Gruppe, die von Konferenzen auf ministerieller Ebene, Adhoc-Gipfeln und Expertenausschüssen unterstützt werden.

Die G7-Mitglieder sind Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien, Kanada, die U.S.A. und Japan.

Im Gegensatz zu anderen internationalen Organisationen besitzt die G7 weder einen eigenen Verwaltungsapparat mit ständigem Sekretariat und einer PR-Abteilung, noch eine permanente Vertretung ihrer Mitglieder. Lediglich die schon erwähnten jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel und Ministertreffen bilden eine feste Struktur innerhalb des G7/G-8-Apparats. Neben den Gipfeltreffen hat sich im Laufe der Jahre ein enges Netz politischer Abstimmungen und Beratungen entwickelt, wobei die G-8 jedoch ein informeller Zusammenschluss geblieben ist. Das heißt, dass die Mitglieder nur für sich selbst Verpflichtungen beschließen können, deren Befolgung nicht erzwungen werden kann.

Die Wirtschaftsgipfel und Ministertreffen werden von den Sherpas und Sous-Sherpas, den hochrangigen Mitarbeitern der Staats- und Regierungschefs und der Minister vorbereitet, die sich mehrmals im Jahr treffen. Zusätzlich werden Expertengruppen mit weiterführenden Arbeiten und Studien zu spezifischen Themenbereichen beauftragt, wie zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien oder der Technologiegesellschaft.

Die G-7 Gipfel, die ihren Ursprung in der sogenannten "Library Group" - einem Treffen des französischen, deutschen, britischen und amerikanischen Finanzministers 1973- haben und deren erster 1975 in Rambouillet, Frankreich, durchgeführt wurde, finden regelmäßig im Mai bzw. Juni eines jedes Jahres für zwei bis drei Tage statt. Ihr Ziel ist es, den zunehmenden Interdependenzen einzelner Volkswirtschaften und den internationalen Globalisierungstendenzen Rechnung zu tragen, indem sie den geladenen Regierungsoberhäuptern den Meinungsaustausch in einer persönlichen und informellen Atmosphäre ermöglichen, und somit zu Konsensbildungen innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft beitragen. Aufgrund ihres Charakters besitzt die G7 den entscheidenden Vorteil der Flexibilität gegenüber ähnlichen Einrichtungen.

Die einzelnen Gipfel werden im Wechsel von den Mitgliedern der G7 beherbergt, wobei der jeweilige Gastgeber nicht nur für die Tagesordnungspunkte und die Örtlichkeiten, sondern auch für Vorbereitung und Organisation des Treffens und auch seine Repräsentation in der Öffentlichkeit verantwortlich ist.

Der erste G7-Gipfel 1975 in Rambouillet, Frankreich, fand auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und seines französischen Amtskollegen Giscard D´Estaing statt. Aufgrund der vorangegangen Ölkrise 1973 und des Zusammenbruchs des Bretton-Woods-Systems, wollte man die resultierenden wirtschaftlichen Probleme im kleinen Kreis erörtern, und ihre Lösung soweit wie möglich beschleunigen. Es trafen sich die Staatschefs von Frankreich, Italien, Großbritannien, Deutschland, Japan und den U.S.A, die am Ende des Gipfels das System der freien flotierenden Wechselkurse vorstellten, das noch heute die internationale Finanzarchitektur beherrscht. Erst als sich Kanada 1976 zu den restlichen Staaten gesellte, war die Gruppe der Sieben komplett.

Seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 bemüht sich Russland um eine Beteiligung in der G7, angefangen mit einem Brief des damaligen russischen Präsidenten Gorbatschow an die Mitglieder dieser Gruppe, in dem er um Teilnahme bat. Erst mit dem 1994er Gipfel in Neapel sollte dieses Bemühen Erfolg haben. Man lud Russland ein, an den Gesprächen zu politischen Fragestellungen mitzuwirken und schuf damit die "Political Eight". 1998 in Birmingham schließlich wurde Russland der Status eines vollwertigen Mitglieds zugebilligt, wobei allerdings anzumerken ist, dass die russische Beteiligung an Gesprächen mit wirtschaftsrelevanten Inhalten eher zurückhaltend ist.

Standen zu Beginn der Gipfeltreffen wirtschaftliche Thematiken im Vordergrund, so sind es heute vor allem politische Aspekte weltweiten Geschehens, mit denen sich die Regierungschefs auseinandersetzen. Diese Entwicklung lässt sich unter anderem durch die Tatsache erklären, dass sich die Teilnehmer des ersten Gipfels aus ehemaligen Finanzministern rekrutierten, und Zug um Zug von Politikern mit einem weniger wirtschaftspolitischen Hintergrund abgelöst wurden. Heute kann man die G8-Gipfel als zweigeteilt ansehen: zum einen werden politische Probleme erörtert und diskutiert, in zum anderen befasst man sich mit ökonomischen Fragestellungen. An letzteren sind jedoch zunächst nur die ursprünglichen G7-Mitglieder als aktive Diskutanten beteiligt. In ihrem Meinungsaustausch über Probleme der Wirtschaft befassten sich die Regierungsoberhäupter bisher verstärkt mit der internationalen Finanzarchitektur, heute besonders mit der Reformierung der internationalen Finanzorganisationen IWF und Weltbank, wodurch allerdings Fragen des internationalen Handels sträflich vernachlässigt wurden. Erst mit dem Tokio III -Gipfel 1993 gelang es, handelspolitische Fragen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und dadurch entscheidend zum Abschluss der Uruguay-Runde des GATT (General Agreement on Trade and Tariffs) beizutragen.

Wie jede seit längerem bestehende Institution unterlag selbstverständlich auch die "Gruppe der Sieben" Veränderungen, die zu Rufen nach Reform führten. Beklagten einige Kritiker die zunehmende Institutionalisierung der G7 und ihrer einzelnen Gipfel und bestanden auf einer Neubelebung der Atmosphäre der Ursprungsgipfel, so verlangten andere eine Verstärkung der eher lockeren Struktur und einen eigenständigen Verwaltungsapparat. Am nachhaltigsten waren bisher die Reformvorschläge des britischen Premiers John Major, der 1992 eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Spontaneität und Zwanglosigkeit der Gipfel und eine Vereinfachung der Gipfeldokumentation propagierte. Dies gelang seinem Nachfolger Tony Blair auf dem Birmingham-Gipfel 1998, unter anderem dadurch, dass er dem eigentlichen Gipfel eine Konferenz der G7-Finanzminister vorangehen ließ. Diese Konferenz diente einerseits der Vorbereitung des Birmingham-Gipfels, andererseits sollte so aber auch Abwesenheit der Minister beim Treffen der Regierungschefs und somit die Spontaneität des G7-Gipfels gewährleistet sein. Außerdem gelang es ihm, die zwischenzeitlich ausgeuferte Gipfeldokumentation erheblich zu reduzieren. Die Änderungen, die von Großbritannien 1998 eingeführt wurden, fanden Eingang in die nachfolgenden Gipfel und bestehen bis heute.

Betrachtet man die heutige Stellung der G7-Gipfel und ihrer unterstützenden Treffen, so ist zu sagen, dass sie ein entscheidendes Forum für den multilateralen Erfahrungs- und Meinungsaustausch bilden, das aus dem globalen Gefüge internationaler Institutionen nicht mehr wegzudenken ist. Es sei aber angemerkt, dass sich die Struktur der G7 im Zuge zunehmender Globalisierung und der Einflussnahme nichtstaatlicher Akteure auf diesen Prozess noch entscheidend wandeln muss. So sollte verstärkt der privatwirtschaftliche Sektor und Nichtregierungsorganisationen in einzelne Gipfel einbezogen werden, um der Vielfalt der politischen und ökonomischen Akteure Rechnung zu tragen.

Im folgenden nun eine Aufzählung der einzelnen Gipfel.

1975

Rambouillet

1976

Puerto Rico

1977

London I

1978

Bonn I

1979

Tokio I

1980

Venedig

1981

Ottawa

1982

Versailles

1983

Williamsburg

1984

London II

1985

Bonn II

1986

Tokio II

1987

Venedig II

1988

Toronto

1989

Paris

1990

Houston

1991

London 3

1992

München

1993

Tokio 3

1994

Neapel

1995

Halifax

1996

Lyon

1997

Denver

1998

Birmingham

1999

Köln

2000

Okinawa

2001

Genua

2002

Kananaskis

2003

Evian

2004

Sea Island

2005

Gleneagles

2006

St. Petersburg


bookmarken bei...

Mister Wong del.icio.us Facebook Furl YiGG Yahoo MyWeb Diigo Folkd StumbleUpon Google Technorati

Sachgebiete

Lektüre

Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

Weitere Informationen auf der Webseite der DGAP

Home | Newsletter | Suche | Impressum | Datenschutz | DGAP | RSS

Regionen

Service

Locations of visitors to this page

anzeige