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G8-Wirtschaftsgipfel 2002 in Kananaskis (Kanada)

Aili Rehbein

Das G8-Gipfeltreffen fand vom 26. bis 27. Juni 2002 in Kananaskis, in der Provinz Alberta, Kanada, unter kanadischer Präsidentschaft statt. Die zentralen Themen waren:

1. die Stärkung des Weltwirtschaftswachstums
2. neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD)
3. Terrorismusbekämpfung

1.      Stärkung des Weltwirtschaftswachstums

Neben einer kurzen, aber intensiven (und in ihrem Grundtenor positiven) Auseinandersetzung über den Zustand und die Entwicklungsperspektiven ihrer eigenen Volkswirtschaften, beschäftigten sich die G8-Staatsoberhäupter vorrangig mit der Entwicklungsländerproblematik. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

2.      Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung

Am Kananaskis-Gipfel nahmen ebenfalls die Präsidenten von Algerien, Nigeria, Senegal und Südafrika sowie UN-Generalsekretär Kofi Annan teil. In Zusammenarbeit mit ihnen entwickelten die G8 den Afrika Aktionsplan als politische Antwort auf die „New Partnership for Africa‘s Development“ (NEPAD). NEPAD beruht auf dem grundsätzlichen Bekenntnis (einiger) afrikanischer Staaten zu Eigenverantwortung, Demokratie und marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dieses Reformprojekt ist und bleibt eine afrikanische Initiative mit selbst ausgearbeiteten Richtlinien. Die G8 begrüßten diese und wollen auf der Basis von NEPAD in sechs Kernbereichen kooperieren: Förderung von Frieden und Sicherheit, Stärkung von Institutionen und staatlichem Handeln, Förderung von Handel, Investitionen, Wirtschaftswachstum und nachhaltiger Entwicklung, Umsetzung der Entschuldung, Verbesserung der Gesundheit und Bekämpfung von HIV/AIDS sowie Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität. Hinsichtlich finanzieller Unterstützung wurden die Zugeständnisse von Monterrey bekräftigt, die ODA-Quote (Official Development Aid) bis 2006 schrittweise um insgesamt 12 Milliarden US-Dollar jährlich zu erhöhen.

G8-Ländern sollen außerdem vertiefte Partnerschaften mit afrikanischen Ländern aufbauen, die die Erfüllung der NEPAD-Standards anstreben. Überwacht wird der Prozess vom sogenannten „African Peer Review Mechanism“ (APRM), wobei jedes Land zusätzlich eigene Beurteilungen über seine(n) Partner anfertigen kann.

3.      Terrorismusbekämpfung

Der Gipfel von Kananaskis stand wesentlich unter dem Einfluss der Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus und mögliche Gegenmaßnahmen stellten somit ein vordringliches Thema der Diskussionen dar.

Zwei neue Übereinkommen gingen aus den Debatten hervor:

Eine erste Kooperation wird mit Russland eingegangen, um dem besonders dringenden Handlungsbedarf bei der Vernichtung und der Entsorgung ehemaliger Sowjetbestände gerecht zu werden.

Die G8 appellierten ferner an die gesamte internationale Gemeinschaft, sich diesen Initiativen anzuschließen und die ebenfalls entwickelten sechs Prinzipien einzuhalten, „mit deren Hilfe Terroristen oder diejenigen, die ihnen Unterschlupf gewähren, daran gehindert werden sollen, Zugang zu Massenvernichtungswaffen zu erlangen.“

4.      Regionale Themen

Ebenfalls diskutiert wurden regionale Probleme von besonderer sicherheitspolitischer Relevanz. Dies betraf zum einen den Nahostkonflikt. Die G8 betonten ihren fortgesetzten Einsatz für Frieden im Mittleren Osten, der auf einer Vorstellung von zwei koexistierenden Staaten, Israel und Palästina, basiert. Weiterhin bildeten die Konsolidierung Afghanistans und seiner Übergangsregierung sowie eine Eskalation des indisch-pakistanischen Konflikts regionale Themenschwerpunkte.

5.      Bewertung

Mit dem Gipfel wurden einige maßgebliche Ziele erreicht und Neuerungen geschaffen. Dank der – lokal bedingten – privaten Atmosphäre und einer gut gegliederten Agenda konnten die G8-Staatsoberhäupter sich mit Erfolg auf die Bewältigung wichtiger Kernthemen konzentrieren. Besonders bemerkenswert ist die Entscheidung der G8, Russland zum Gastgeber in 2006 zu küren. Hiermit wurde Russland als gleichwertiges Mitglied anerkannt. Die aktuelle Mitgliederzahl und –zusammensetzung, und die Gipfelabfolge wurde für die nächsten zehn Jahre festgeschrieben.

Mit dem Aktionsplan für Afrika und seiner Verknüpfung mit der NEPAD haben die G8 erfolgreich an bisherige Entwicklungen angeschlossen. Mit dem Gipfel in Kananaskis setzt sich eine Reihe von G8-Treffen fort (beginnend mit Lyon 1996), in deren Mittelpunkt entwicklungspolitische Themen stehen. Neben der Fortführung früherer Initiativen, etwa zur Förderung von Bildung und Gesundheit, stellt der Aktionsplan einen weiteren Schritt dar, die Schwierigkeiten des Globalisierungsprozesses und einer effektiveren Verteilung seiner Gewinne zu bewältigen.


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

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