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G8-Wirtschaftsgipfel 2003 in Evian (Frankreich)

Claudia Decker

Die G8-Staatsoberhäupter trafen sich vom 1. bis 3. Juni 2003 in Evian-les-Bains unter französischer Präsidentschaft. Vier grundlegende Themenbereiche standen auf der Agenda:

1. Solidarität
2. Verantwortung
3. Sicherheit
4. Demokratisierung

1.      Solidarität

Vorrangig behandelt wurden unter diesem Punkt die Entwicklung und Fortführung der NEPAD-Initiative und die Implementierung der Ziele des Millenniumsgipfel und des Weltgipfels zur Nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg (2002).

In einem 20-seitigen Bericht beurteilte die G8 Afrika Gruppe die Fortschritte des 2002 in Kananaskis initiierten Afrika Aktionsplans. Demnach hat die Entwicklungshilfe der G8 an Afrika im letzten Jahr stark zugenommen. Die G8 wollen die Zusammenarbeit mit NEPAD weiter fortsetzen und intensivieren. Interessierte Länder und internationale Organisationen wurden aufgefordert, ebenfalls Repräsentanten zu entsenden und an der Initiative teilzunehmen. Bis 2005 soll ein weiterer Fortschrittsbericht für den Afrika Aktionsplan erstellt werden.

Bezug nehmend auf die Umsetzung der Millenniums- und Entwicklungszielsetzungen von Johannesburg entwarfen die G8 Aktionspläne für die Handlungsschwerpunkte Gesundheit, Wasser, Hungersnot, Wissenschaft und Technologie für nachhaltige Entwicklung. Der Fond zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria und weitere bilaterale Anstrengungen sollen verstärkt, der Zugang zu Gesundheitsversorgung und internationale Kooperation verbessert werden. Die französische Präsidentschaft legte besonders Wert auf den Themenbereich „Wasser“ und ein effektives Anstreben des Millenniumziels, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Wasser und sanitäre Anlagen bis 2015 zu halbieren.

2.      Verantwortung

Unter diesen Punkt fallen hauptsächlich ökonomische Themen. Hinsichtlich weltweiter wirtschaftlicher Wachstumsperspektiven gaben die G8-Staatsoberhäupter trotz aktueller wirtschaftspolitischer Herausforderungen optimistische Einschätzung ab. Schnelle und effektive strukturelle Reformen der eigenen Wirtschaftssysteme sollen die nationalen Wachstumsraten steigern und damit zu weltweitem Aufschwung beitragen. Drei Erklärungen sind in diesem Rahmen verabschiedet worden:

In der Debatte um die Entschuldungsinitiative für HIPCs (Highly Indebted Poor Countries) wurde unter anderem die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen den HIPCs und den Institutionen IMF (International Monetary Fund) und Weltbank betont, um länderspezifische Programme zu entwickeln und so eine nachhaltige Entschuldungspolitik zu gewährleisten. Die G8 sind ihrem Versprechen von Kananaskis nachgekommen und haben den Weltbank Trust Fund mit 850 Millionen US-Dollar wieder aufgefüllt. Hinsichtlich der Verschuldung von Ländern mittleren Einkommens wird auf die entsprechenden Beschlüsse der G8- Finanzminister und einen neuen Ansatz des Pariser Clubs verwiesen.

Auch Umweltproblematiken wurden angesprochen und von relevanten Unterzeichnerstaaten auf die dringliche Umsetzung des Kyoto-Protokolls verwiesen. Die Aktionspläne für Wissenschaft und Technologie für nachhaltige Entwicklung sowie für den Schutz der Meere und Tankersicherheit gingen aus diesen Diskussionen hervor. Die G8 wollen ebenfalls verstärkt gegen illegale Abholzung vorgehen.

3.      Sicherheit

Im Mittelpunkt standen die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. In diesem Zusammenhang wurden sieben Dokumente erarbeitet.

Diskussionen über regionale sicherheitspolitische Problemfelder betrafen in Evian den Mittleren Osten, insbesondere die Umsetzung der „Road Map“ im Nahostfriedensprozess. Hinsichtlich Afghanistan bekräftigten die G8 ihre Unterstützung für die Übergangsregierung und betonten die dringende Verwirklichung des „Bonn-Prozesses“ (benannt nach der Afghanistan-Konferenz in Bonn 2002). Nordkorea und Iran wurden zur Zusammenarbeit in nuklearen Fragen ermahnt. Zimbabwes Regierung wurde aufgefordert, Gewaltanwendungen gegenüber dem Volk zu unterlassen und friedliche Demonstrationen zuzulassen. Algerien gegenüber drückten die G8 ihr Mitgefühl nach der Erdbebenkatastrophe aus.

4.      Demokratie

Eingeladen und in die Diskussionen mit eingebunden waren Staatsoberhäupter diverser Entwicklungsländer (Algerien, Ägypten, Brasilien, China, Indien, Malaysia, Mexico, Nigeria, Saudi-Arabien, Senegal, Südafrika). Damit knüpften die G8 an die Gipfel der Vorjahre an, an denen bereits vier afrikanische Präsidenten im Rahmen der Zusammenarbeit der G8 mit der NEPAD teilgenommen hatten.

Ein Anliegen der französischen Präsidentschaft war es ebenfalls, die Zivilgesellschaft in Form der Zusammenarbeit mit NGOs, Gewerkschaften und Unternehmen in einen offenen Dialog mit den G8 einzubinden. Ein „alternativer Gipfel“ fand daher in Annemasse, etwa 25 km von Evian, statt.

5.      Bewertung

Das Treffen in Evian sorgte insbesondere für eine Aussöhnung der über den Irakkrieg zerstrittenen G8-Staaten. Das Thema Irak wurde weitgehend nicht debattiert, eine gute Atmosphäre der Zusammenarbeit und Einigkeit in anderen bedeutenden Fragen sollte sich jedoch positiv auf die weitere Kooperation der G8 in dieser Hinsicht auswirken. In zahlreichen Dokumenten wurden themenspezifische Aktionspläne und Erklärungen der G8 ausgearbeitet, die den gemeinsamen Handlungswillen und die wesentliche Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen den G8 belegen.

Dagegen sind die Fortschritte in der formalen Zusammensetzung und im Ablauf der Gipfeltreffen fortgesetzt und erweitert worden. Lobenswert erwähnt wird vor allem die zunehmende Einbindung von Regierungsträgern aus Entwicklungs- und Schwellenländern in die Diskussionen, insbesondere die G8-NEPAD-Initiative.


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Das kommende Europa
von Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.)

Veröffentlicht am 11. Februar 2008

50 Jahre nach dem Inkrafttreten der Römischen Verträge verbinden 22 deutsche und französische Autoren eine Bilanz des europäischen Einigungsprozesses mit einer Analyse der künftigen Herausforderungen in Europa. Wissenschaftler aus Think tanks und Universitäten erörtern ausgewählte Themen des europäischen Integrationsprozesses, wobei Fragen des Binnenmarktes und der Wirtschafts- und Sozialpolitik ebenso behandelt werden wie der Komplex der Erweiterungs- und Nachbarschaftspolitik, das Problem politischer Führung in der EU, die Rolle Europas in der Welt sowie spezifische Themen wie die Migrations-, die Energie- oder die Menschenrechtspolitik.

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