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Der Wandel der internationalen Finanzmärkte

Florian Steinmeyer

Die internationalen Finanzmärkte haben sich in den letzten Jahren in einem rasanten Tempo gewandelt. Neue Akteure und Produkte haben zu einer Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten geführt, gleichzeitig ist das Marktumfeld aber auch unüberschaubarer geworden. In Politik und Gesellschaft wachsen die Befürchtungen, dass die finanziellen Risiken, die sich aus dem Geflecht von Investitionen und Beteiligungen ergeben, zu einer Krise führen, von der auch die Realwirtschaft betroffen sein wird. Die aktuellen Probleme auf dem US-Immobilienmarkt verstärken diese Befürchtungen in beträchtlichem Maße.

Dieser Artikel geht zunächst kurz auf die allgemeine Finanzmarktentwicklung ein. Danach werden die wichtigsten drei Gruppen unter den Finanzmarktakteuren vorgestellt, die in den letzten Jahren aufgrund ihrer verbesserten Kapitalausstattung Einfluss auf die Marktergebnisse gewonnen haben. Diese sind Hedgefonds, Staatsfonds und Private-Equity-Gesellschaften. Schon an dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass die Gruppen nicht homogen sind, sondern jeweils Akteure mit unterschiedlichen Investitionsstrategien umfassen. Aufgrund ihres institutionellen Hintergrundes jedoch kann man sie in die genannten drei Gruppen unterteilen.

Im zweiten Teil des Beitrags werden beispielhaft potenzielle Risiken, aber auch Vorzüge dieser Anlageformen dargestellt. Dabei soll besonders auf die aktuelle Debatte im Rahmen der G-8 eingegangen werden, um die Verbindung zwischen der rein ökonomischen Entwicklung und den politischen Implikationen herzustellen.

Finanzmarktentwicklung und neue Akteure

Um die Rolle der oben genannten Finanzmarktakteure einordnen zu können, müssen zunächst kurz allgemeine Entwicklungen der internationalen Finanzmärkte im Zuge der Globalisierung betrachtet werden.

Zum einen hat es in den letzten Jahren eine starke Liberalisierungswelle des internationalen Finanzsektors gegeben [1]. Die verschiedenen nationalen Standards für Investitionen und Kreditvergabe wurden auf regionaler und teilweise globaler Ebene vereinheitlicht und die gesetzlichen Vorgaben angepasst. Auch wurden Steuern und Gebühren für internationale Transaktionen gesenkt oder abgeschafft. Letzteres gilt im Besonderen durch die Schaffung eines gemeinsamen Finanzmarktes und die Einführung des Euro für die Europäische Union.

Zum anderen führte der technologische Fortschritt im Kommunikations- und Datenverarbeitungsbereich zu einer enormen Kapazitätssteigerung der internationalen Finanzmärkte [2]. Durch die Einführung elektronischer Handelsplätze, die besseren Verbreitungsmöglichkeiten von Marktinformationen und die Senkung der Transaktionskosten, gibt es heute wesentlich mehr Marktteilnehmer und eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Weltregionen.

Hinzu kommt, dass die Privatisierung von Staatsunternehmen, die vor allem innerhalb der EU vorangetrieben wurde, zu einer erhöhten Kapitalnachfrage geführt hat. Diese Nachfragesteigerung hat ebenfalls einen erhöhten Kapitalaustausch zwischen den Staaten zur Folge [3].

Grafik 1; Quelle: Eigene Darstellung nach: Sachverständigenrat, 2006 [1]

 
Alle drei skizzierten Entwicklungen haben zu einer Verbreiterung der Finanzierungsquellen geführt. Vor allem in Deutschland finanzierten sich die Unternehmen bis Anfang der neunziger Jahre bevorzugt über Bankkredite. Diese sind immer noch wichtig, allerdings spielt die Kapitalbeschaffung auf den internationalen Finanzmärkten heute eine wichtigere Rolle [4]. Zudem kann man anhand der Aktienbestände nach Erwerbern eine Verschiebung der Finanzierungsanteile ablesen. Das Engagement hat sich im Zeitraum von 1995 bis 2003 zwischen den Investorengruppen angeglichen, wie Grafik 1 zeigt.

Insgesamt wächst der Anteil institutioneller Anleger, wie Investmentfonds, Versicherungen und der hier betrachteten Akteuren als Kapitalgeber also. Im Folgenden werden Entstehung und Tätigkeiten von Hedgefonds, Staatsfonds und Private-Equity-Gesellschaft näher beschrieben. Zudem wird gezeigt, welchen Einfluss sie aufgrund ihrer Marktmacht jeweils ausüben können.

Hedgefonds

Der Begriff „Hedgefonds“ (vom engl.: to hedge – absichern) ist ursprünglich auf eine Anlagetaktik zurückzuführen, die schon in den sechziger Jahren entwickelt wurde. Es wird dabei versucht, sich gegen Kursschwankungen an den Börsen abzusichern, indem sowohl auf fallende, als auch auf steigende Aktienkurse spekuliert wird. Dadurch, dass man zu einem gewissen Zeitpunkt Aktien kauft, die Bezahlung dieser Aktien aber auf einen späteren Zeitpunkt festlegt (Leerkauf), kann man auch bei sinkenden Kursen Gewinne erzielen [5].

Fonds im Allgemeinen wenden meist eine bestimmte Anlagestrategie an. Von Hedgefonds wird bevorzugt eine der folgenden drei strategischen Richtungen verfolgt [6]:

Einzelne Hedgefonds können in Dachfonds gebündelt sein, die sich in den letzten Jahren etabliert haben. Dadurch, dass diese Dachfonds an Einzelfonds verschiedener Strategien beteiligt sind, verringert sich das Risiko des Verlusts des eingesetzten Kapitals. Während die Anlage in einzelne Fonds fast nur für professionelle Investoren in frage kommt, dürfen Dachfonds öffentlich beworben und von Beratern empfohlen werden [7].

Eine allen Hedgefonds gemeinsame Eigenschaft ist ihre große Investitionsfreiheit. Anders als herkömmliche Investmentfonds oder Banken, können sie das ihnen anvertraute Kapital in unterschiedlichste Anlageformen investieren. Dabei ist es unerheblich, ob es sich beispielsweise um Unternehmen (börsennotierte und nicht-börsennotierte), Rohstoffgeschäfte oder Kreditvergabe handelt. Zudem kaufen die Fonds in großem Umfang Kreditderivate (also Schuldverschreibungen) von Unternehmen und Banken auf [8].

Fast alle Einzelfonds bedienen sich dabei auch von Banken geliehenem Kapital. Durch diese zusätzlichen Finanzierungsmittel entsteht ein Hebeleffekt (auch „Leverage-Effekt“ genannt), der die Fondsgewinne erhöht. Allerdings steigt so auch das Risiko in beträchtlichem Maße, da bei der Insolvenz eines Fonds auch die kreditgebenden Banken betroffen sind [9].

Grafik 2; Quelle: Eigene Darstellung nach: EZB, 2006  [5]

 
Welches Volumen und wie viel Einfluss haben diese Investitionsvehikel? Das Kapital, das von Hedgefonds verwaltet wird, um damit zu investieren, ist seit 2002 exponentiell gewachsen (siehe Grafik 2). Dieses lag zum einen an ihrer guten Performanz, zum anderen aber auch an der weltweit ständig gewachsenen Liquidität und der damit verbundenen Suche nach Investitionsmöglichkeiten. Anfang des Jahres 2007 verwalteten die Fonds in den USA, Europa und Asien ein Vermögen von ca. 1,44 Billionen US-Dollar [10]. Diese Summe ist aber nur eine grobe Schätzung, da keine Transparenz auf dem Markt herrscht und die Manager nicht auskunftsverpflichtet sind.

Im Vergleich zum gesamten internationalen Kapitalmarkt verwalten die Hedgefonds ein relativ kleines Vermögen. Dieses reicht aber aus, um systemischen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Das heißt, dass durch Probleme in diesem Segment auch andere Finanzbereich betroffen sein können. Zum Beispiel sorgte die Pleite zweier großer Hedgefonds, die von der US-amerikanischen Investmentbank Bear Stearns verwaltet werden, zu Beginn des Jahres für Unsicherheit auf den Märkten. Die Fonds hatten sich am unsicheren US-Hypothekenmarkt verspekuliert und konnten nur durch Zuschüsse der Bank gerettet werden [11].

Staatsfonds

Den ersten Staatsfonds gründete Kuwait im Jahr 1953, um seine Einnahmen aus dem Erdölverkauf anzulegen und mögliche Preisschwankungen besser kompensieren zu können. Vor allem in den neunziger Jahren und dem aktuellen Jahrzehnt sind auch in vielen anderen Ländern Fonds dieser Art aufgelegt worden, so dass ihre Anzahl auf aktuell circa 40 angestiegen ist [12]. Im Folgenden werden nur solche Staatsfonds betrachtet, die ihr Kapital primär gewinnorientiert (und nicht z.B.  stabilitätsorientiert) anlegen.

Grafik 3; Quelle: Eigene Darstellung nach: Kern, 2007 [12]

 
Ähnlich wie Hedgefonds, verfolgen auch Staatsfonds unterschiedliche Anlagestrategien. Man kann sie am besten anhand von zwei Merkmalen einordnen [13]. Zum einen unterscheiden sich die Staatsfonds bezüglich der Kapitalquelle aus der sie gespeist werden. Viele Staaten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate, investieren ihre Öleinnahmen. Auch können die Erlöse aus dem Verkauf anderer Rohstoffen stammen, wie im Falle des chilenischen Kupferfonds. Eine andere Gruppe von Staaten setzt ihre Bilanzüberschüsse ein, um die staatlichen Fonds mit Kapital zu versorgen.

Zum anderen können die staatlichen Investitionsvehikel nach der Verwendung ihrer Erlöse eingeteilt werden. Hier gibt es im Wesentlichen drei Typen: (1) Pensionen, (2) Entwicklung und (3) spezielle Investitionen (z.B. Infrastruktur). Grafik 3 zeigt, in welchen Ländern es Staatsfonds (eingeteilt nach Kapitalumfang) gibt.

Staatsfonds beteiligen sich bevorzugt an Banken, Versicherungen und Unternehmen. Auch ausländische Staatsanleihen sind ein beliebtes Ziel. Bisher verfolgten sie meist eine langfristige Strategie. Anders als beispielsweise Private-Equity-Gesellschaften, waren sie nicht primär daran interessiert die Rendite der Konzerne durch schnelle Umstrukturierung und Aufteilung zu erhöhen, sondern agierten eher im Hintergrund. Ein Beispiel dafür ist das Engagement des kuwaitischen Fonds Kuwait Investment Authority beim Autokonzern Daimler. Das bedeutet aber nicht, dass sich dieses relativ risikoadverse Verhalten in den nächsten Jahren zwangsläufig fortsetzen wird. Ob Staatsfonds verstärkt in spekulativere Anlageprodukte einsteigen, bleibt abzuwarten [14].

Unzweifelhaft ist demgegenüber der wachsende potenzielle Einfluss der Fonds aufgrund ansteigender Kapitaleinlagen. Momentan verwalten sie ca. 2,5 Billionen US-Dollar an Finanzmitteln, allerdings kann dieser Wert laut Schätzungen 2015 schon bei 12 Billionen US-Dollar liegen [15]. Damit übersteigen sie die Mittel der Hedgefonds deutlich. Grund dafür sind der steigende Ölpreis und die enormen Handelsbilanzüberschüsse der großen Schwellenländer, wie z.B. China. Jedoch kann man auch hier nicht genau sagen, wie groß das verwaltete Vermögen in Wirklichkeit ist, da Staatsfonds (mit Ausnahme Norwegens) weder über das Ausmaß ihrer Investitionen, noch über die Ziele der Anlagen Auskunft geben. Die größten Fonds sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und Norwegen beheimatet.

Besonders das Engagement Chinas in diesem Finanzsegment ist von Politik und Öffentlichkeit in letzter Zeit aufmerksam beobachtet worden. Das Land hatte zu Beginn des Jahres einen Fonds mit einem Startkapital von 200 Milliarden US-Dollar aufgelegt und sich Mitte Mai diesen Jahres an der US-Investmentfirma Blackstone beteiligt [16].

Insgesamt wird deutlich, dass sich einige Staaten nicht mehr mit eher passiven finanzpolitischen Maßnahmen zufriedengeben, sondern mit Hilfe ihrer Devisenüberschüsse aktiv spekulieren.

Private-Equity-Gesellschaften

Die Anfänge der Private-Equity-Gesellschaften gehen auf die zweite Hälfte der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Die Idee war damals einen privaten Investmentmarkt für kleine und mittlere Unternehmen zu etablieren und somit die Kapitalversorgung dieser Unternehmen zu verbessern. Bis heute kennzeichnet der Begriff „Private Equity“ Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen (im Gegensatz zu „Public Equity“ bei börsennotierten Konzernen). Einen starken Aufschwung erfuhren die Gesellschaften, die diese Beteiligungen eingehen und verwalten aber erst in den achtziger Jahren. Diese Entwicklung ist vor allem auf Finanzmarktliberalisierungen zurückzuführen, die damals in den USA und Großbritannien vorgenommen wurden [17].

Die Tätigkeiten der Private-Equity-Gesellschaften verlaufen in zwei Richtungen. Einerseits müssen sie Geld bei Investoren einsammeln (fund raising). Zusätzlich nehmen sie bei Banken Kredite auf, um – ähnlich wie Hedgefonds – später durch den „Hebeleffekt“ bessere Renditen zu erzielen.

Andererseits suchen die Gesellschaften, meistens global, nach passenden Unternehmen für ihre Beteiligungen. Diese Beteiligungen lassen sich in drei Typen unterscheiden [18]:

Zudem können die Beteiligungen der Private-Equity-Gesellschaften nach ihrem Ziel unterschieden werden. In vielen Fällen besteht dieses darin, das aufgekaufte Unternehmen an die Börse zu bringen. Dieser Schritt wird vorgenommen, nachdem der Wert des Unternehmens durch die oben angeführten Maßnahmen ausreichend gesteigert wurde und das Börsenumfeld eine Emission sinnvoll erscheinen lässt. Daneben kann es auch zu einem Weiterverkauf des Unternehmens, oder zur Abschreibung des Investments kommen [19].

Zu den Investoren, die ihr Geld von Private-Equity-Gesellschaften anlegen lassen, gehören unterschiedliche Gruppen. Grafik 4 gibt hierüber Auskunft. Auffällig ist vor allem, dass die Gruppen bezüglich des hinterlegten Kapitals relativ homogen sind.

Grafik 4; Quelle: Eigene Darstellung nach: Mc Govern, 2006 [20]

 
Das Volumen des von den Gesellschaften verwalteten Kapitals ist seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts stark angestiegen. Im Jahr 2000 erreichte es mit einer weltweiten Kapitaleinlage von 306 Milliarden einen Höchststand. Durch Verluste in der New Economy sank dieser Wert in den Folgejahren stark ab, erholte sich aber 2004 wieder und lag im Jahr 2005 bei einem Volumen von 204 Milliarden [20].

Vergleicht man das verfügbare Kapital der Private-Equity-Gesellschaften mit denen von Hedge-, oder Staatsfonds, stellt man fest, dass es sich nur um einen Bruchteil handelt. Warum werden diese Finanzmarktakteure dennoch in der Öffentlichkeit so stark wahrgenommen? Der Hauptgrund dafür sind die relativ einschneidenden Maßnahmen, die eine Beteiligung durch eine der Gesellschaften für ein Unternehmen nach sich zieht. So sorgte in Deutschland zuletzt die Übernahme der Wohnungsbaugesellschaft Gagfah durch die US-Beteiligungsgesellschaft Fortress im Juni 2004 für Bedenken um die Situation des Unternehmens und der Mieter [21].

Implikationen für die Finanzmärkte und politische Reaktionen

In der aktuellen Literatur zur Entwicklung von Finanzmärkten werden die neuen Akteure unterschiedlich beurteilt. Hier werden kurz die am häufigsten genannten Vorzüge und Probleme genannt.

Die positiven Wirkungen ihres Engagements werden in zweierlei Bereichen hervorgehoben. Zum einen sorgen die Fonds und Gesellschaften für eine schnelle und umfassende Verteilung des Kapitalangebots und somit für eine größere Liquidität. Durch ihre ständige Suche nach rentablen Investitionsmöglichkeiten, haben auch Unternehmen in weniger entwickelten Ländern die Möglichkeit, sich zu finanzieren, wenn sie gute Anlagebedingungen bieten können [22]. Zum anderen kann das Risiko durch die Diversifizierung der Investitionen abgeschwächt werden, da es nicht mehr auf einzelne Regionen oder Branchen beschränkt ist [23].

Dieser positiven Sichtweise steht allerdings eine Fülle von Einwänden gegenüber. Die am häufigsten geäußerte Kritik betrifft das Risiko, dass durch die Spekulation der vorgestellten Akteure entsteht. Da sie wesentlich weniger kontrolliert und reguliert werden als andere Kapitalgeber, wie z.B. Banken, kann es leichter zu Spekulationsblasen kommen, die negative Auswirkungen auf den Kapitalfluss haben [24]. Zudem ist keine Transparenz bezüglich der Anlageentscheidungen der Akteure gegeben, was schon bei den Anzeichen einer Krise zu Misstrauen auf den Märkten führen kann. Dieses würde ebenfalls die Liquidität beeinträchtigen [25].

Da die heutigen Finanzmärkte in hohem Maße global miteinander verbunden sind, wird auch kritisch hervorgehoben, dass sich Krisen über die zunächst betroffene Region hinaus ausbreiten („Ansteckungseffekt“) [26].

Spätestens seit den Finanzkrisen der neunziger Jahre (u.a. Südostasien 1997, Russland 1998, Argentinien 1999) wird die Notwendigkeit von Regulierung und Aufsicht internationaler Finanzmärkte in der politischen Öffentlichkeit diskutiert. Allerdings gehen die Meinungen über die politischen Konsequenzen auseinander [27]. Zum einen besteht kein Konsens darüber, inwieweit eine Regulierung sinnvoll ist. Insbesondere ist strittig, ob eine stärkere Aufsicht den Kapitalfluss beeinträchtigen würde und somit schlussendlich einen größeren Schaden als Nutzen zur Folge hätte. Zum anderen wird von den nationalen Regierungen immer wieder betont, dass nur Beschlüsse eine Wirkung haben, die auf internationaler Ebene verabschiedet werden. Rein nationale Regelungen können aufgrund der hohen Flexibilität der Marktteilnehmer schnell umgangen werden [28].

Auf der Ebene der EU und in internationalen Foren, wie der OECD, dem IWF und der G-8, wurden die Probleme im Zusammenhang mit der Globalisierung der Finanzmärkte erläutert. Allerdings können sich die Regierungen nicht auf konkrete Maßnahmen zur Regulierung einigen, wie beispielsweise auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm im Juni diesen Jahres deutlich wurde. Es erfolgte lediglich ein Aufruf zu erhöhter Wachsamkeit angesichts der „zunehmenden Komplexität der [Finanz]Instrumente“ [29].

Jedoch wurde zusätzlich auf eine Studie des Forums für Finanzstabilität (FSF) verwiesen. Dieser Bericht betont die Möglichkeiten der freiwilligen Regulierung innerhalb der Finanzbranche. Demnach müssten Hedgefonds und andere Investoren umfassendere Maßnahmen der Risikoabsicherung entwickeln. Staatliche Stellen sollen diese Maßnahmen begutachten, aber keinen direkten Einfluss auf die Akteure ausüben [30].

Momentan scheint eine Regulierung durch Offenlegungspflichten, Auferlegung von Investitionsregeln oder gar das Verbot bestimmter Anlagepraktiken also keine Option für die Politik zu sein. Im Mittelpunkt der politischen Bestrebungen steht eher die Förderung der freiwilligen, markinternen Aufsicht zur Eindämmung von Finanzmarkkrisen.

Literatur

[1] Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2006): Unternehmensfinanzierung im Wandel, Auszug aus dem Jahresgutachten 2005/06, S. 455ff.
[2] Shaw, Frank (2004): Financial Services in 2008: Who will be arround?, Center for Future Studies, Dezember 2004, S. 1f.
[3] Eichengreen, Barry (2006): The Future of Global Financial Markets, Yale Center for the Study of Globalization, Mai 2006, S. 17
[4] Lütz, Susanne (2003): Politik und Finanzmarkt im Wandel. Eibettung, Entbettung und was kommt danach?, in: Czada, Roland/ Zintl, Reinhard (Hrsg.): Politik und Markt, Politische Viertaljahresschrift, Sonderheft 34/ 2003, S. 114
[5] Erke, Burkhard/ Marquardt, Ralf-Michael (2004): Zulassung von Hedge-Fonds in Deutschland: Fluch oder Segen?, in: Wirtschaftsdienst, Nr. 5, S. 309
[6] Europäische Zentralbank (2006): Monatsbericht Januar, EZB Monatsberichte, S. 73
[7] Nachtweh, Chritopher (2007): Rendite-Hatz im Steuerparadies, Spiegel Online vom 23. Juli 2007, im Internet unter: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,495676,00.html, abgerufen: 28.09.2007
[8] Europäische Zentralbank, a.a.O. (Anm. 6)
[9] Erke/ Marquardt, a.a.O. (Anm. 5), S. 315
[10] Mallaby, Sebastian (2007): Hands off Hedge Funds, in: Foreign Affairs, Vol. 86, Issue 1
[11] Semmler, Willi (2007): Wie die Hedgefonds-Blase entstand – und platzte, Spiegel Online vom 21. Juli 2007, im Internet unter: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,495508,00.html, abgerufen: 28.09.2007
[12] Kern, Steffen (2007): Sovereign Wealth Funds – State Investments on the Rise, Deutsche Bank Research, September 2007, S. 3
[13] Rozanow, Andrew (2007): Sovereign Wealth Funds: Defining Liabilities, State Street Global Advisors, Mai 2007, S. 1
[14] Miles, David (2007): Sovereign Wealth Funds and Bond and Equity Prices, Morgan Stanley, Juni 2007, im Internet unter: http://www.morganstanley.com/views/gef/ archive/2007/20070601-Fri.html#anchor4979, abgerufen: 28.09.2007
[15] Jen, Stephen (2007): How Big Could Sovereign Wealth Funds Be by 2015?, Morgan Stanley, Mai 2007, im Internet unter: http://www.morganstanley.com/views/gef/ archive/2007/20070504-Fri.html#anchor4840, abgerufen: 28.09.2007
[16] The Economist (2007): The Worlds most expensive Club, in: The Economist, 24. Mai 2007
[17] Fenn, George W. (1995): The Economics of the Private Equity Market, Board of Governors of the Federal Reserve System, Dezember 1995, S. 12
[18] International Financial Services (2006): Private Equity, City Business Series, Oktober 2006, im Internet unter: http://www.ifsl.org.uk/uploads/CBS_Private_Equity_2006.pdf, abgerufen: 28.09.2007
[19] ebd.
[20] Mc Govern, James (2006): An Overview of Private Equity: Evolution of the Asset Class, Rationale and Considerations for Investing and Keys to Success, in: Pensions and Investment, White Paper, Februar, S. 3
[21] Sucher, Jörn/ Lange, Kai (2004): Das Who is Who der Firmenjäger, in: Manager-Magazin, 19. August 2004
[22] Kose, M. Ayhan et. al. (2006):  Financial Globalization: A Reappraisal, IMF Working Paper 06/189, August 2006, S. 33ff.
[23] Behrendt, Heiko (2001): Trends im internationalen Finanzmarkt und ihre möglichen räumlichen Konsequenzen, Capital Processes and Regional Innovation System, S. 41, im Internet unter: http://www.nsl.ethz.ch/IRL/raumordnung/ Daten/pdfs/Kapitalmarkt.pdf, abgerufen: 28.09.2007
[24] Lipp, Ernst-Moritz (2000): Internationale Finanzströme, Ausmaß und Dynamik, in: Internationale Politik, Nr. 6, S. 15f.
[25] International Monetary Fund (2006): Chapter I: Assessing Global Financial Risks, in: Global Financial Stability Report, September 2006, S. 61
[26] Behrendt, a.a.O. (Anm. 23), S. 41
[27] Gottwald, Jörn-Carsten (2003): Finanzmärkte und staatliche Regelsetzung. Warum Finanzmärkte für Politik und Politikwissenschaft so wichtig sind, REGEM Analysis Nr. 2, Mai 2003, S. 3
[28] Hishow, Ognian N. (2007): Die globalen Finanzmarkturbulenzen: Nicht nur Folge schwacher Regulierung, in: SWP Aktuell 46, August 2007, S. 4
[29] Abschlusserklärung des G-8-Gipfels von Heiligendamm für den Bereich Weltwirtschaft, 07. Juni 2007, im Internet unter: http://www.g-8.de/Content/DE/Artikel/G8Gipfel/Anlage/ gipfeldokument-wirtschaft-de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/ gipfeldokument-wirtschaft-de, abgerufen: 28.09.2007[30] Update des FSF Reports zu Highly Leveraged Institutions, 19. Mai 2007, im Internet
unter:http://www.fsforum.org/publications/HLI _Update-finalwithoutembargo19May07.pdf, abgerufen: 28.09.2007


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Jahrbuch Internationale Politik: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik
von Josef Braml, Karl Kaiser, Hanns W. Maull, Eberhard Sandschneider, Klaus Werner Schatz (Hrsg.)

Veröffentlicht am 2. Juni 2008

Das neu konzipierte Standardwerk der internationalen Politik bietet eine systematisch-vergleichende Analyse eines aktuellen Themas: Weltverträgliche Energiesicherheitspolitik. Autorinnen und Autoren sind renommierte deutsche Experten sowie maßgebliche Repräsentanten der operativen Politik, des Bundeskanzleramts, des Bundestags und von Bundesministerien. Neben der wechselseitigen Politikberatung leistet das Jahrbuch – in Zusammenarbeit mit den Medien und anderen Multiplikatoren – auch Öffentlichkeitsberatung.

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